Annika Jochheim
13.04.2012
i-Mobility Stuttgart
Soziologin Sassen über die Urbanisierung des Autos

Zum Auftakt der i-Mobility in Stuttgart stand die Zukunft der Mobilität im Mittelpunkt. In ihrer Keynote führte Saskia Sassen ihre Gedanken über die immer komplexer werdende Mobilität und die daraus resultierende Urbanisierung des Autos an.

Saskia Sassen über die Zukunft der Mobilität

Auf dem auto motor und sport Kongress regt Saskia Sassen zum Nachdenken über die immer komplexer werdende Mobilität an

Zum Auftakt der i-Mobility in Stuttgart veranstaltete die auto motor und sport auf dem Messegelände einen Kongress, bei dem sich renommierte Persönlichkeiten über die Zukunft der Mobilität austauschten. Auf Einladung von Audi sprach auch die renommierte Professorin für Soziologie an der Columbia University in New York, Saskia Sassen. Die Wissenschaftlerin, die beim Audi Urban Future Award 2010 den Jury-Vorsitz inne hatte, führte in ihrer Keynote ihre Gedanken über die immer komplexer werdende Mobilität und die daraus resultierende Urbanisierung des Autos an.

Megacities – Nicht nur mit Worten beschreibt Saskia Sassen, wie Millionenmetropolen die Mobilität der Zukunft beeinflussen. In ihrer Präsentation beim auto motor und sport Kongress in Stuttgart sind Bilder von eben diesen Ballungszentren eingebettet: Sie zeigen Staus, verschachtelte Wohngebiete und menschenüberlaufene Straßen.

„Die Stadt stellt Technologien auf die Probe: sie öffnet uns ein Fenster zum Verständnis erfolgreicher technologischer Innovationen für urbane Systeme und städtisches Leben“, beginnt die Wissenschaftlerin ihren Vortrag über die Urbanisierung des Autos. „Als komplexe Mischung materieller und sozialer Komponenten kann die Stadt Technologien transformieren oder sich zu eigen machen.“

An einem Beispiel erläutert sie, was sie damit meint: Das Auto wurde für Schnelligkeit gebaut und mit Kraft versehen. In der Stadt wird es reduziert zu einer langsamen, kriechenden Kreatur. Bereits heute ist Autofahren in Megacities extrem schwierig und die „Errungenschaften“ des Autos – Schnelligkeit und Geländefähigkeit – wurden von der Stadt in den Hintergrund gedrängt. Die Stadt hat das Auto „gehackt“. Durch die Entwicklung von kleineren, leicht zu parkenden Fahrzeugen aber hat sich das Auto an diese Herausforderungen angepasst. Das Auto wurde also ein Stück weit urbanisiert.

„Bei der Frage, wie das Auto zu urbanisieren sei, ist es also nicht nur erforderlich, bestimmte Eigenschaften von Städten zu verstehen“, führt Saskia Sassen fort. Man müsse die Sprache der Stadt lernen, um so die bestehenden komplexen Realitätszusammenhänge aus verschiedenen Perspektiven betrachten zu können. Und genau darin sieht die Wissenschaftlerin auch das Geheimnis der Urbanisierung des Autos: „Entscheidend ist, in wieweit das Auto als Gebilde wesentlich komplexer ist als die Umgebungsbedingungen, in denen es betrieben wird.“ Sie erklärt, dass das Auto alle Funktionen und Situationen, wie Wettereinflüsse, Straßenbegebenheiten oder Gefahrensituationen berücksichtigen muss.

Durch dieses Wissen und diese Erfahrungen werde die Entwicklung eines Autos geprägt. Die Wissenschaftlerin folgert: „Genau das hat dem Auto seine Langlebigkeit und die Flexibilität zur stetigen Anpassung an Veränderungen jedweder Art verliehen. Das war und ist seine Stärke.“ Um das Auto zu urbanisieren, müsse folglich an dieser Stärke angeknüpft werden. Und so schließt Saskia Sassen ihren Vortrag mit den Worten: „Die Stadt ist ein Vergrößerungsglas für die Realität. Deshalb macht die Urbanisierung des Autos es erforderlich, ‚mit den Augen einer Stadt‘ zu sehen.“


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