Stefanie Lang
09.07.2012
Interview
Ulrike Nasse-Meyfarth über Olympia

Olympisches Gold mit 16, sportliche Krise und das Comeback mit einem Weltrekord im Hochsprung: Spitzensportlerin Ulrike Nasse-Meyfarth ist kurz vor den Olympischen Spielen in London bei dem Gesprächsabend Audi.torium zu Gast.

Ulrike Nasse-Meyfarth zählt zu den bekanntesten deutschen Sportlern. Bei ihren ersten Olympischen Spielen holt sie 1972 die Goldmedaille und den Weltrekord im Hochsprung – im Alter von 16 Jahren. Nach einer sportlich durchwachsenen Phase gelingt ihr zehn Jahre später das Comeback: 1982 springt sie erneut Weltrekord, 1984 folgt das zweite Gold bei Olympia in Los Angeles. Wenige Wochen  vor dem Start der Sommerspiele in London lädt Audi die Sportlerin zu zwei Gesprächsabenden nach Ingolstadt und Neckarsulm ein. Im Vorfeld verrät die gebürtige Frankfurterin im Interview, wie sich die Sportwelt seit ihren ersten Erfolgen verändert hat.

Ulrike Nasse-Meyfarth

Ulrike Nasse-Meyfarth

Frau Nasse-Meyfarth, was geht in einer Sportlerin vor, die mit gerade einmal 16 Jahren Gold bei Olympia holt?
Mir war bewusst, dass das eine filmreiche Vorstellung gewesen ist – aber dass ich als Hauptdarstellerin tätig war, hab ich erst später begriffen. Der Film war ein Heimspiel (ich möchte jetzt nicht sagen Heimatfilm), was sich in der uneingeschränkten Anteilnahme des Publikums im Stadion äußerte: In der Konzentrationsphase hörte man sprichwörtlich die Stecknadel fallen und nach dem erfolgten Sprung brüllte die Menge laut, so dass das Stadion erzitterte. So etwas erlebt man als Sportler höchstens einmal während seiner Laufbahn.

Wie haben Sie es damals geschafft, auf dem Teppich zu bleiben?
Das normale Leben einer Schülerin hat mich schon noch wieder auf den Teppich geholt. Obwohl mich dieser unerwartete Olympiasieg mit all seinen Begleiterscheinungen gewissermaßen schon noch traumatisiert hatte.

Werden junge Sportler heute besser auf solche Ausnahmesituationen vorbereitet?
Auf solche Überraschungsfälle kann sich keiner vorbereiten, weil man ja nie mit so einer Geschichte rechnet. Es ist immer schwieriger, einen unerwarteten Erfolg zu verarbeiten, als sich eine Leistung zu erarbeiten. Aber heute kann der eine oder andere Sportler schon besser aufgefangen werden – von inzwischen professionell und seriös arbeitenden Sportlerbetreuern, seien es Trainer, Psychologen oder weitere im Umfeld der Sportler arbeitende Leute.

Sie waren zu einer Zeit aktiv, als mit Leistungssport kaum Geld verdient wurde. Heute profitiert der Sport vom Sponsoring-Engagement vieler Unternehmen. Ist das Segen oder Fluch?
Ich finde das in Ordnung, insbesondere aus Sportlersicht. Mit dem Sport verdienen alle: die Veranstalter, die Rechteagenturen, die TV-Sender und die Wirtschaft. Dann kann ein Sportler ja wohl nicht „außen vor“ bleiben. Gerade die Sportler olympischer Sportarten vernachlässigen für ihre Höchstleistungen ihr Studium, ihre Berufsausbildung oder ihren Beruf. Das ist vielfach eine Gratwanderung, weiß man doch nicht, ob und wie viel man mit dem Sport verdienen kann. Das ist anders als im Fußball: Die Fußballer sind völlig überbezahlt und es fehlt jede Relation, wen man den sehr viel höheren Trainingsaufwand von zum Beispiel Turnern, Ruderern oder Leichtathleten betrachtet.

Werden Sie bei den Olympischen Spielen in London dabei sein?
Ich bin vom 2. bis 11. August in London, wenn die Leichtathletik ansteht. Ob ich mir den Hochsprung-Wettbewerb der Frauen im Stadion ansehen kann, weiß ich noch nicht. Abendkarten für meinen Mann und mich zu je 450 Euro bezahle ich jedenfalls nicht. Ich weiß nicht, wer von den normalen Olympiatouristen sich das überhaupt leisten kann und will.

Ulrike Nasse-Meyfarth ist im Rahmen der Reihe Audi.torium am 10. Juli im Audi Forum Ingolstadt und am 11. Juli im Audi Forum Neckarsulm zu Gast. Beginn ist jeweils um 19.30 Uhr.


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