Regina Brand
30.01.2013
Audi Design
Der Zeitreisende

Ein Automobil im kompakten Format, aber mit großer Bedeutung: Das Concept Car Audi crosslane coupé ist schon auf den ersten Blick ein typischer Audi, aber es entwickelt den genetischen Code der Marke sichtbar weiter.

Audi Design

Audi Exterieur-Designchef Achim Badstübner

Hell und kräftig ist das Licht, im Atelier des Audi Konzept Design Studios in München bleibt nichts verborgen. Doch das präzise Licht tut diesem Auto gut – denn Präzision ist eines der wesentlichen Charakteristika des Audi crosslane coupé. Das Concept Car vom Pariser Automobilsalon 2012 zeigt eine klare Evolution der Design-DNA der Marke – und bietet auch einen ersten Ausblick auf die Zukunft der Q-Modelle.

Entstanden ist die Studie hier unter diesen Leuchten. „Das crosslane coupé steht für klare Weiterentwicklung mit einem starken Ausrufezeichen. Es gibt uns Impulse für die neue Richtung, die wir eingeschlagen haben“, erklärt Exterieur-Designchef Achim Badstübner. Badstübner ist ein Zeitreisender. In seiner täglichen Arbeit ist er immer ein paar Jahre voraus, beschäftigt sich mit den Modellen der nächsten oder gar übernächsten Generation. Ein Concept Car bietet die Möglichkeit, Details aus dieser Zukunft in die Gegenwart zu holen. Seit 13 Jahren arbeitet der 48-Jährige bei Audi Design und ist für das Exterieur Design der Marke verantwortlich.

Behutsam streicht Badstübner über die scharfen Linien und die sanften Wölbungen der Karosserie. Gutes Design darf man nicht nur sehen, man muss es auch fühlen: „Die klare Linie, der definierte Strich ist das Wesentliche. Die Linien im Design eines Audi haben einen starken Eigencharakter. Durchwölbte Flächen stehen im Gegensatz zu den klaren Linien – das erzeugt den richtigen Kontrast.“

Badstübner zieht Parallelen: „Bei vielen Dingen geht es um die Frage des Kontrasts – eine gute Zeichnung oder ein gutes Foto, aber auch ganz einfach das Leben beinhalten viele Kontraste. So ist es natürlich auch beim Auto. Diese Kontraste machen das Sex-Appeal des Audi crosslane coupé aus.“ Sein Lieblingselement ist die C-Säule, die nahtlos in die Schulter überläuft. Der subtil überspannte Kotflügel schmiegt sich an die charakteristische C-Säule an, die sehr flach gestaltet ist.

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Im Münchner Konzept Design Studio: der Space Frame, das finale Concept Car und das Clay-Modell

Der runde Radlauf dagegen ist kräftig ausmodelliert. „Es ist die Synthese aus Konturen und Flächen, die die Faszination des Designs ausmacht.“ Badstübner tastet die geschwungene Fläche um den Tankdeckel an der C-Säule ab: „Die Flächen sind genau richtig, straff gespannt. Das gibt dem Auto diese durchtrainierte, sehnige Erscheinung. Es ist eine sportliche Eleganz, die den robusten, kraftvollen und soliden Charakter des SUV unterstreicht.“

Die charakterstarke Front – ein Ausblick auf die künftigen Q-Modelle – ist das stärkste Signal des crosslane coupé: die wie auf einer Bühne neuartig inszenierten Audi-Ringe, umrahmt von dem robusten, dreidimensional ausgeformten Singleframe-Kühlergrill. Er ist Teil des Multimaterial Space Frame, der tragenden Struktur des Concept Car, der auch an anderen Stellen von außen sichtbar ist – über zwei schmale Öffnungen in der Motorhaube etwa, die den Blick auf einen Aluminiumträger freigeben.

Badstübner öffnet die Fahrertür und weist auf den Boden: „Beim Einsteigen beispielsweise ist es der Schweller, den man als Teil des Space Frame wahrnimmt. So wird die Leichtbautechnik bei jeder Fahrt zum unmittelbaren Erlebnis.“ Aber auch die A-Säule, die Carbonleiste im Cockpit, die Einfassungen der Fensterrahmen oder die Kofferraumverkleidung demonstrieren die Inszenierung der Technik durch das Design: „Sie ist nach außen hin transparent und damit authentisch“, führt Badstübner aus. Seien es die ausfahrbaren Türgriffe, die Matrix-LED-Technologie der Scheinwerfer oder die Art und Weise, wie sich das abnehmbare Dach beim Verstauen im Kofferraum in die hinteren Notsitze arretiert, um dann mit nach vorne gezogen zu werden.

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Farb- und Metallflächen prägen das Interieur

Zugleich ermöglichen die neuen Technologien des Concept Car effizienten Leichtbau. Badstübner blickt in das Innere des SUV mit seinen sportlichen Sitzen und der auf das Wesentliche reduzierten Schalttafel. Von der hinteren Sitzreihe aus ist die gestalterische Stringenz des Interieurs besonders gut wahrnehmbar. „Die Linien streben aus den Türschalen nach vorne auf den Singleframe zu“, erläutert der Designer und fügt mit einer schwungvollen Geste hinzu:„Das Interieur ist in Fahrtrichtung geöffnet. Innen- und Außendesign fließen ineinander über und ergeben ein harmonisches Ganzes.“

Korrespondenzen sieht Badstübner in der Gesamtgestaltung wie auch in Details: „Die Grundform des Kühlergrills findet sich zum Beispiel an den Luftdüsen des Innenraums wieder. Und das reduzierte Außendesign wird auch im Innenraum fortgeführt: Die gelben Akzente sind dezent eingesetzt, die Applikationen aus Aluminium unterstreichen das schlichte Gesamtbild.“

Ob innen oder außen: Das Audi crosslane coupé besticht durch sein Kraft und Leichtigkeit suggerierendes Design, das bedeutende technische Innovationen auf selbstverständliche Art und Weise integriert. Ein typischer Audi eben – gesehen jedoch durch die zukunftsgeschulten Augen eines Zeitreisenden.

Der Artikel ist im aktuellen Dialoge Magazin erschienen, in dem Sie weitere spannende Beiträge rund um technologische Entwicklungen bei Audi finden.


6 Antworten auf Der Zeitreisende

  1. Lukas Traussnig 05.02.2013 um 23:23 #

    Ein sehr interessanter Artikel!

    Wolfgang Egger will anscheinend den Single Frame weiterentwickeln – von der von Walter de Silva geprägten ursprünglichen Form über die mittlerweile verwendete Version mit dem hexagonalen Grill hin zu einer stärkeren Differenzierung der einzelnen Modellreihen – und im Hinblick speziell auf die Q-Modelle mit einer sehr starken 3dimensionalen Ausbildung des Single Frame Grills.

    Aber ich hätte noch eine tiefergehende Frage zu dieser neuen Designsprache die Audi mit dem Crosslane Coupe andeutet:
    Wie wird in diesem Falle der Grill selbst Lackiert werden? Bekommt er die Wagenfarbe oder wird der ganze 3D Rahmen als Re­mi­nis­zenz an das SpaceFrame Konzept in Chrom/Alu lackiert? Oder kann wie es zB. beim A1 mit dem Kontrastbogen von der A- über die B- und C- Säule möglich ist, der Grill eben eine Kontrastfarbe erhalten?

    Wird eventuell auch für verschiedene Märkte der Grill speziell angepasst – so für den Markt 1 mit einer Kundenvorliebe für alles was glänzt mit Chromfinish oder für den Markt 2 wo eher dezentere Töne gewünscht werden die Wagenfarbe?

    • Regina Brand 06.02.2013 um 15:53 #

      Hallo Herr Traussnig,

      Audi will mit dieser Studie zeigen, in welche Richtung Q-Modelle in Zukunft gehen können. Die Verbindung von Design und Technik ist da ein wichtiger Punkt. Genau diese Verbindung zeigt die Integration des Singleframes in die Spaceframe-Architektur des Fahrzeugs.
      Als Teil des Spaceframes hat der Singleframe-Grill natürlich auch die gleiche Oberflächen-Struktur und -farbgebung wie der gesamte Singleframe. Über Kontrastfarben, andersartige Lackierungen, Materialien denken wir deshalb bei dieser Studie nicht nach.

      Herzliche Grüße aus Ingolstadt

      • Lukas Traussnig 06.02.2013 um 17:13 #

        Danke für die Antwort!

        Ich muss mich eben noch ein wenig gedulden bis dann erste Serienautos mit den neuen Designansätzen auf die Straße kommen 😉 – ich bin aber auf jeden Fall gespannt!

  2. Jochen Dolderer 28.06.2014 um 17:09 #

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    einfach das Auto genau so bauen (wenn möglich als 5-Türer)!

    Endlich hat der Designer nicht unterhalb der hinteren Stoßstange aufgehört.

    Ich meine hier, dass sonst bei Audi die Endrohre der Abgasanlage nicht sehr schön sind!

    Mercedes ist da weiter (GLA, ML)!

    Einfach mal ein Beispiel an Apple nehmen, Design, Design und nochmal Design…! Das sind die Erfolgstreiber!

    Ich selbst fahre einen Audio Q3 (mein mit Abstand schönstes Auto, dass ich je hatte!), aber auch hier sind die Endrohre der Abgasanlage kein Hingucker! 😉

    Vielleicht denken Sie ja mal darüber nach…!?

    Vielen Dank!

    Sollte Audi hier für die Zukunft nichts schönes bringen, werde ich wohl den Hersteller wechseln…!

    Was doch schade wäre!

    Freundliche Grüße von
    Jochen Dolderer

    • Britta Meyer 30.06.2014 um 10:29 #

      Hallo Herr Dolderer,

      vielen Dank für Ihren Beitrag. Es freut uns sehr, dass Sie sich so für das Design unserer Automobile begeistern und uns Ihre kreative Anregung gesendet haben.

      Vom ersten Gedanken in der Konzeptphase bis zum realen Automobil ist es ein langer Weg. Er führt über tausende Ideen und Skizzen bis in die dritte Dimension. So gewinnt das Fahrzeug im Laufe des Designprozesses immer mehr an Gestalt. Viele Mitarbeiter aus den unterschiedlichsten Fachbereichen arbeiten eng zusammen, um unsere hohen Ansprüche an das neue Fahrzeug umzusetzen.

      Auch Ideen und Hinweise unserer Kunden betrachten wir als Anregungen, die wir unter vielen anderen zu berücksichtigenden Gesichtspunkten in den kontinuierlichen Prozess der Entwicklung und Modelloptimierung unserer Fahrzeuge mit einbeziehen.

      Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir nicht alle Designvorschläge, die wir erhalten, realisieren können. Wir freuen uns jedoch, wenn Sie sich auch weiterhin von unseren Automobilen inspirieren lassen!

      • Jochen Dolderer 08.07.2014 um 22:02 #

        Hallo Frau Meyer,

        vielen Dank für Ihre Antwort.

        Beim neuen Passat hat es ja auch schon funktioniert, aber Ausi kann das sicherlich noch besser.

        Beim Audi allroad shooting brake ist es auch sehr gelungen.

        Viel Erfolg beim neuen Design!

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