Marko Belser
11.02.2013
Hinter den Kulissen
Licht ins Dunkel

Erst wenn alle Lichter ausgegangen sind, fangen sie an zu arbeiten. Nur so können die Lichtexperten der Qualitätssicherung in ihrem Labor selbst die kleinsten Abweichungen bei der Innenbeleuchtung ans Licht bringen.

Audi-Lichtexperten

Die Lichtexperten von Audi bei der Arbeit im Labor

Einmal in der Woche steht Rüdiger Michalski im Dunkeln. Stundenlang. Nur der Bildschirm seines Laptops wirft ein schwaches Licht in den Raum. Wenn die Beleuchtung im so genannten Lichtlabor ausgeht, ist es Zeit für das Nachtdesign-Audit. Dann prüft Michalski die Innenbeleuchtung der Audi-Serienfahrzeuge.

Der 45-Jährige aus der Abteilung Qualitätssicherung Serienkaufteile kontrolliertheute die 48 Beleuchtungselemente im Interieur eines Audi Q5. Er schiebt einen Messarm in das Auto, auf dem eine Leuchtdichte-Kamera montiert ist. Sie überträgt die Aufnahme aus dem Innenraum auf einen Laptop.

Auf dessen Bildschirm erscheinen jetzt die Symbole „ESP off“ und „Einparkhilfe“. Sie sind orange eingefärbt – und das ist auch gut so. Denn die Farbe Orange steht in dem Testprogramm für den Sollbereich: 4 bis 8 Candela. Als Einheit für Lichtstärke entspricht 1 Candela der Leuchtkraft einer herkömmlichen Kerze.

Als Nächstes dreht Michalski die Kamera Richtung Start-Stopp-Automatik. Das Symbol erscheint in Blau auf dem Bildschirm des Laptops. Das bedeutet 3,8 Candela. Zu wenig. „Damit ist er raus“, sagt Michalski, „definitiv.“ Später wird der Schalter ausgebaut und zum Hersteller zurückgeschickt.

Je nach Funktion leuchten die Schalter im Auto unterschiedlich stark. Das Spektrum ist enorm. Mit gerade 2 Candela strahlen die Bedienelemente am Lenkrad am schwächsten. Sie sind näher am Auge des Fahrers und sollen nicht blenden. Am stärksten ist das Headup-Display beleuchtet, vor hellem Hintergrund mit mehr als 16.000 Candela.

Doch Michalski überprüft nicht nur die Lichtstärke. Es geht auch um Kontrast und Farbe. Und ganz wichtig: „Die Beleuchtung muss homogen und stimmig sein.“ Um dies sicherzustellen, entwickelte Rüdiger Michalski zusammen mit Roland Sager aus der Technischen Entwicklung und Wolfgang Bittner aus Neckarsulm 2007 das Nachtdesign-Audit.

Entwickler Sager nimmt unter anderem die Beleuchtungsbauteile der Zulieferer ab. Nach der Freigabe war er früher bei der Fehlersuche auf den Zufall angewiesen. „Ab und zu saßen wir in einem Abteilungswagen und dachten: Das leuchtet aber komisch“, erzählt der 39-jährige Sager. Wenn sie die Schalter ausbauten, erlebten die Entwickler teils böse Überraschungen.

„Wir sind auf fehlerhaft lackierte Bauteile gestoßen, die mit einem Bleistift geschwärzt wurden, um Streulicht zu vermeiden“, sagt Sager und muss beim Gedanken daran laut lachen. Inzwischen kommt so etwas nicht mehr vor. Als die drei Audi-Mitarbeiter vor fünf Jahren das Messverfahren für das Audit entwickelten, betraten sie Neuland – und das nicht nur im Konzern. „Unseres Wissens nach gibt es bei den Wettbewerbern bis heute nichts Vergleichbares“, erklärt Michalski. Um den Beleuchtungsstandard Audi-weit einzuführen, reisten die beiden zu fast allen Werken und wiesen die Kollegen ein.

Ihr geschulter Blick für Licht macht sich bei Michalski und Sager auch privat bemerkbar. Zum Beispiel in einem Raum, in dem die eine Lampe weißlich, die andere gelblich strahlt. „Das fällt niemandem auf, aber mich stört es fürchterlich“, sagt Roland Sager. Eine uneinheitliche Beleuchtung – das soll in einem Audi nicht passieren. Dafür steht Rüdiger Michalski auch künftig einmal pro Woche im Dunkeln.


Eine Antwort auf Licht ins Dunkel

  1. Stefan Finsterer 16.02.2014 um 15:09 #

    Eine wichtige und verantwortungsvolle Aufgabe. Vor allem wenn man bedenkt, dass jede einzelne Lichtquelle auch mit der exakten Wellenlänge leuchten muss, damit das Interieur im typischen „Audi-Rot“ erstrahlt.

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