Eva Haupenthal
19.03.2013
Interview
Harald Demuth über den quattro auf der Ski-Schanze

Seit 33 Jahren ist Audi quattro ein voller Erfolg. 1986 hat das Auto Werbegeschichte geschrieben: Ein Audi 100 quattro fährt eine schneebedeckte Skisprung-Schanze hoch. Rallyefahrer Harald Demuth saß damals im Auto und erinnert sich.

Interview Harald Demuth

Harald Demuth fährt auch heute für die Audi Tradition

Herr Demuth, Sie sind das Auto damals gefahren. Wie nervös waren Sie?
Oh, ich war sehr nervös! Nach meiner Ankunft in Finnland bin ich zunächst mit dem Lift auf die Schanze gefahren, um das Ganze von oben in Augenschein zu nehmen. Als ich dort das erste Mal in 60 Meter Höhe stand, habe ich schon etwas Muffensausen bekommen. Ich habe mich gefragt, wie das überhaupt funktionieren soll. Gleichzeitig wusste ich: Jetzt gibt es kein Zurück mehr. Ich habe mich dann für die Flucht nach vorn entschieden.

Wie haben Sie sich auf die Fahrt vorbereitet?
Zuerst mussten wir eine geeignete Schanze finden. Wir wollten keine Naturschanze mitten im Wald. Sondern etwas Erhabenes. Die Wahl fiel dann auf die finnische Skisprung-Schanze Pitkävouri. Eine freistehende Betonkonstruktion mit einem Schanzentisch, der 20 Meter über dem Boden schwebt. Ein sensationelles Setting. Dann haben wir getestet, ob die 80-prozentige Steigung dieser Schanze für ein solches Unternehmen überhaupt zu bewältigen ist. Dazu haben wir lange in Österreich geprobt. Natürlich musste das Fahrzeug auch irgendwie gesichert werden . Ein Mechaniker aus meinem damaligen Rallyeteam hatte hier sehr viele gute Ideen. Am Ende hatten wir drei verschiedene Sicherungssysteme: Ein verstecktes Seil am Fahrzeugboden, das ein Abrutschen verhinderte. Eine überdimensional große Gabel, die über die Handbremse ausgelöst werden konnte. Und ein Netz am Schanzentisch, das wir allerdings nicht gebraucht haben.

Wie lief der Dreh dann ab?
Das Fahrzeug musste mit einem Autokran zuerst auf die Schanze gehoben werden. Dann konnten die Dreharbeiten beginnen. Die größte Herausforderung war es, dass die Räder nicht durchdrehen. Denn dann ging nichts mehr. Wir sind damals ja noch mit Schaltgetriebe und nicht mit Automatik gefahren. Bis alle Bilder im Kasten waren, musste ich 13 Mal auf die Schanze hochfahren. Einmal war die Kamera nur auf dem Auto, dann nur auf der Schanze, dann wurde aus dem Helikopter gefilmt. Das hat insgesamt vier Tage gedauert. Es war auch extrem kalt, sicher minus 20 Grad. Und täglich nur drei bis vier Stunden hell. Aber die Kälte war wichtig: Denn bei 0 Grad ist Eis extrem glatt, je kälter es ist, desto gröber werden die Eiskristalle. Wir sind ja mit Spikes gefahren und die können sich dann viel besser in das Eis bohren.

Interview Harald Demuth

Der Audi 100 quattro fährt die schneebedeckte Skisprung-Schanze im finnischen Kaipola hoch

Wie waren die Reaktionen auf den Werbespot?
Das Echo war enorm. Der Film wurde sogar bei den Werbefilmfestspielen in Cannes ausgezeichnet. Und ehrlich gesagt, wundert es mich noch heute, wie viele Menschen den Werbespot kennen, die damals noch gar nicht geboren waren. Als Rallyefahrer war dieser Hype für mich eher schwierig, ich wollte als Sportler und nicht als Werbefigur wahrgenommen werden. Heute sehe ich das aber entspannter.

Kürzlich rollte in Neckarsulm der fünfmillionste quattro vom Band. Was bedeutet die Technologie für Sie?
quattro war ein entscheidender Wendpunkt in meiner motorsportlichen Laufbahn. Und der gesamte Motorsport wurde mit Einführung des quattro-Antriebs professioneller. Ich bin von 1979 bis 1986 im Rallyesport für Audi gefahren. Als ich in das Team kam, tat die neue Technologie ihre entscheidende Wirkung. Und auch meine persönlichen Erfolge hängen damit zusammen. 1982 und 1984 wurde ich Deutscher Rallye-Meister. Ab 1981 sind wir im Team Audi nur noch mit quattro gefahren. Als Speerspitze hat der Motorsport die neue Technologie damals optimal transportiert.

2005 wurde der Rekordversuch wiederholt. Warum saßen Sie dieses Mal nicht am Steuer?
Bei den Tests war ich noch dabei und auch für den Dreh war ich fest eingeplant. Dann ein Tag bevor wir mit der Kamera aufzeichnen wollten, bin ich vor unserem Hotel in Finnland ausgerutscht und habe mir das Handgelenk gebrochen. Ich habe mich wahnsinnig geärgert. Trotzdem haben wir schnell Ersatz gefunden: Uwe Bleck, damals Audi-Ingenieur, ist das Fahrzeug dann gefahren. Er hat einen guten Job gemacht. Beim zweiten Mal ging vieles leichter. Wir hatten einfach mehr Erfahrung. Die Pionierarbeit haben wir mit der ersten Fahrt 1986 geleistet.

Der permanente Allradantrieb „quattro“ schreibt seit über 30 Jahren Erfolgsgeschichte. Kürzlich rollte in Neckarsulm der fünfmillionste Audi mit quattro-Antrieb vom Band. Die Modellpalette umfasst heute über 100 quattro-Varianten. Alle S-und RS-Modelle sind serienmäßig mit quattro-Antrieb ausgestattet.


7 Antworten auf Harald Demuth über den quattro auf der Ski-Schanze

  1. Jörn 19.03.2013 um 12:04 #

    Der Link zum Video fehlt oder das eingebettete Video 😉 http://youtu.be/5ylX-pO5vRw

  2. Menorca 20.03.2013 um 10:01 #

    einer der besten – und damit einprägsamsten – spots überhaupt!

  3. Christian 01.04.2013 um 11:00 #

    einfach nur kult der spott will mal mit dem uhrquattro auf eine stufe heben

  4. Wecke 02.04.2013 um 09:30 #

    Der is mit einem Seil gezogen worden. Ganz sicher! 😉

  5. Kristin 13.03.2014 um 10:20 #

    Hi! wir sind gerade dort wo der Werbespot gedreht wurden und wollte daher paar grüße hinterlassen! Spektakuläres Video!

  6. Thomas Tiedtke 30.07.2014 um 18:55 #

    Leute das mit dem Seil ist Blödsinn
    Das Seil und das Netz am Fusse der Schanze
    waren nur zu Sicherung .
    Wenn ihr einen Quattro fahrt dann wisst ihr auch
    Warum das Seil nicht zum Einsatz kam

Reaktionen aus dem Netz (Trackbacks)

  1. SQ5 Winterfelgen Seite 22 : Warum ein halbes Jahr mit weniger schönen Felgen fahren? Der ... - 13.08.2014

    […] Der Audi hatte aber Spikes und war 3-fach gesichert. Quelle […]

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