Britta Nijhof
09.05.2013
Wörthersee
Benzin im Blut und Leidenschaft unter der Haube

Am Wörthersee treffen sich jedes Jahr die Tuning-Fans und zeigen ihre Lieblingsstücke. Hier dreht sich alles um Benzin und Pferdestärken. Unsere Autorin war mittendrin und hat sich einige besondere Exemplare genauer angeschaut.

Wörthersee 2013

Tausende Besucher kommen jedes Jahr zum GTI-Treffen an den Wörthersee

Halbnackte Menschen, qualmende Reifen und Pferdestärken bis zum Abwinken: Es ist das Mekka aller Tuning-Fans und lässt die Herzen der Autoliebhaber für ein paar Tage höher schlagen. Das sonst so beschauliche Reifnitz in Kärnten, am südlichen Ufer des Wörthersees, verwandelt sich für vier Tage zum Pilgerort für rund 20.000 Autobegeisterte. Der Grund: das so genannte GTI-Treffen. Hier herrscht absoluter Ausnahmezustand – und ich bin mitten drin.

„Das ganze Jahr fiebern wir auf dieses Event hin, dann trifft man hier Freunde aus Foren oder Facebook und präsentiert sein Schmuckstück“, erzählt mir Sebastian Imiolczyk stolz. Die Straßen sind voll von tiefergelegten, mit Leder bezogenen oder auffällig lackierten Autos. Die Stimmung ist ausgelassen. „Die Leute hier kennt man, sie kommen jedes Jahr wieder – genau wie ich“, erklärt Sebastian, während er den Golf 1 GTI-Fahrer auf der anderen Straßenseite grüßt.

Den Gästen am Wörthersee wird viel geboten: Bei 28 Grad und strahlendem Sonnenschein gibt es beeindruckende Shows und jede Menge Party. „Yeah, gib Gummi!“, feuert ein begeisterter Zuschauer an. Er steht mitten im Nebel, es stinkt nach verbrannten Reifen und Abgasen. Hier, am besonders beliebten „Gummi-Platz“, präsentieren sich Autos und Fahrer mit ihren Kunststückchen – zum Beispiel der aufgemotzte VW Golf, der seine „Socken“ binnen weniger Sekunden zum Qualmen bringt.

Wörthersee 2013

Das Audi TT ultra quattro concept

Als ich am Audi-Stand ankomme, treffe ich auf eine weitere Menschentraube. Hier gibt es neben dem Showcar TT ultra quattro concept, dem neuen Leichtbauwunder von Audi, acht RS-Modelle der quattro GmbH zu sehen. Begeisterte Passanten zücken ihre Kameras, blicken gebannt auf ein geparktes Auto und tuscheln mit dem Nachbarn. Ich bin neugierig und drängle mich nach vorne. Vor mir steht ein umgebauter Audi A7, aus Originalteilen wurde er zu einem S7 umgerüstet.

Als ich den Besitzer des Schmuckstücks kennenlerne, wird mir alles klar: Klaus Eichinger, 29 Jahre alt, ist Audi-Mitarbeiter und absoluter Autonarr. Für seinen Traum arbeitet er in der Dauernachtschicht der Montage, um so mehr Zeit in seiner Werkstatt verbringen zu können. „Andere leisten sich eine Eigentumswohnung, ich stecke jeden Cent in mein Auto“, erzählt er.

Mich beeindruckt vor allem die Liebe zum Detail. So ist beispielsweise der Rückspiegel mit Alcantara-Leder überzogen oder das MMI passend zu den Ledersitzen mit Valcona-Leder in Beige verziert. Doch das Highlight wird mir erst noch präsentiert: Auf einmal hüpft der Audi A7 wie von Geisterhand 14 Zentimeter nach oben. Klaus hält eine Fernbedienung in der Hand, damit steuert er die Hydraulik-Pumpe.

Wörthersee 2013

Klaus Eichinger mit seinem getunten Audi

„Ohne das Auto anzuheben, könnte ich auf normalen Straßen gar nicht fahren, es ist ein absolutes Muss und hat einen tollen Nebenbei-Effekt.“, erklärt er mir. „Wow, sieht echt fesch aus“, ruft ein junges Mädchen hinter mir und klatscht vor Begeisterung in die Hände. „Wenn ich in Eichstätt mit dem Auto einkaufen fahre, drehen sich die Leute oft um oder bleiben stehen. Das macht mich schon stolz, es ist ein tolles Gefühl“, schwärmt Klaus.

Für ihn ist der Audi A7 trotzdem nur Gebrauchsgegenstand und das soll auch die nächsten Jahre so bleiben. Deshalb hat er beim Umrüsten bereits an den Kindersitz gedacht. Klaus möchte schließlich auf alle Eventualitäten vorbereitet sein. Doch im Moment fehlen ihm für ein zweites Hobby einfach noch Zeit und Geld.

Mit dem Golf 1 GTI hat am Wörthersee alles angefangen: Angedacht war ein Ehrenfest für den leistungsstarken Kompaktwagen, was folgte ist die weltweit größte Tuning-GTI-Parade. Die Idee lieferte der damalige Fremdenverkehrsdirektor Erwin Neuwirth: Er lud 1982 zum ersten Treffen ein und 160 GTI-Fans mit ihren 72 Autos kamen. Ein Jahr später reisten bereits 2.000 Fans nach Reifnitz am Wörthersee – und das Kultreffen war geboren.


Eine Antwort auf Benzin im Blut und Leidenschaft unter der Haube

  1. WINMAN 10.05.2013 um 10:33 #

    Liebes Audi Team,

    da habt ihr euch wahrlich bemüht eine schöne Seite zu finden. Leider ist das Treffen die letzten Jahre bei weitem nicht mehr das was es mal war und es wird immer schlimmer. Ich persönlich war heuer zum 19. Mal vertreten und ziemlich enttäuscht. Gut, das Wetter war nicht immer so berauschend, aber früher saß man selbst bei strömendem Regen mit Schirm und Plane am Straßenrand.

    Wo ist die gute alte Zeit hingekommen, wo man eine Autoschlange rund um den See gebildet hatte und mal eben 2,5h für eine Runde um den See gebraucht hat?! Was ist mit den Menschen passiert, dass sie einander kaum noch grüßen? Früher wurde jeder begrüßt der einem auf der Straße entgegen gekommen ist, Hauptsache er fuhr ein Auto aus dem VAG Konzern…

    Und diese Ballermann-Mentalität ist meiner Meinung nach überhaupt nicht angebracht (das zieht die falschen Leute an). Selbst die Musik am Audi Stand war heuer ziemlich aufdringlich und viel zu laut, man konnte sich kaum noch mit einem der Audi Mitarbeiter in Ruhe über Details unterhalten.

    Beste Grüße
    Manfred
    audi4ever.com

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