Johannes Hofsommer
14.05.2013
Hinter den Kulissen
KAROLA lässt Karossen schweben

Das Karosserielager heißt bei Audi kurz KAROLA. Doch was sich hinter diesem Namen verbirgt, ist alles andere als einfach. Eine Reportage über unbemannte Flugobjekte in der Ingolstädter Werkshalle und was es damit auf sich hat.

Karola lässt Karossen schweben

Eine Audi-Karosse auf ihrem Weg in die Montage

In den unendlich scheinenden Gängen einer Werkshalle der AUDI AG in Ingolstadt nähert sich unaufhaltsam ein unbemanntes „Flugobjekt“. Lautlos kommt es näher. Was wie der Anfang eines Science Fiction-Films anmutet, entpuppt sich in Realität als eine Audi-Karosse auf ihrem Weg in die Montage. An einer Leitschiene, die sich durch die Werkshallen schlängelnd ihren Weg bahnt, hängt die Karosse an einer Trägerkonstruktion und schwebt so zur Produktionsline.

Dass es auf dem Weg dorthin zu keinen Zeitverzögerungen kommt oder gar zu späteren Störungen im Montageablauf, ist das Ergebnis eines perfekten Zusammenspiels von Mensch und Maschine. „Das KAROLA ist die Schnittstelle zwischen Lackierung und Montage. Es regelt den Zeitablauf sowie den Personaleinsatz für die Produktion der Audi-Modelle A 3, A 4, A 5 und Q 5“, erklärt Stefan Paulik, Leiter der Fahrzeugsteuerung.

KAROLA lässt Karossen schweben

Im KAROLA-Leitstand: Johann Heiss und Heribert Fieger überwachen hier die Ein-und Auslagerung

Das Karosserielager (KAROLA) ist in sechs Regale unterteilt, die jeweils 49 Meter lang, 8,5 Meter breit und 29 Meter hoch sind. 2.565 Karossen werden täglich in diese Regale in kürzester Zeit ein und ausgelagert. Dabei werden sie computergesteuert so sortiert, dass eine optimale Montagereihenfolge erreicht wird.

Da Audi den Kunden fast grenzenlose Möglichkeiten der Fahrzeugkonfiguration bietet, ist dies eine große Herausforderung für die Männer vom KAROLA. „Wir achten darauf, dass es im Produktionsablauf zu keinen Zeitverzögerungen kommt und können per Computer die Karossen so ein- und auslagern, dass sie dann am Band ankommen, wenn sie dort benötigt werden“, erklärt Heribert Fieger. Der Betriebsinformatiker ist einer der Fachangestellten, die im Leitstand des KAROLA die Steuerungsprozesse überwachen und kurzfristig auf Änderungen reagieren, um eine optimale Produktion zu gewährleisten.

KAROLA lässt Karossen schweben

In Reih und Glied: Die Audi-Karossen kurz vor ihrer Fahrt in die Montage.

„Um das zu schaffen, fahren wir im Dreischichtbetrieb, so dass das KAROLA 24 Stunden an 250 Tagen im Jahr läuft“, erläutert Fiegers Kollege Johann Heiss. Seit dreißig Jahren gehört der „Heiss Hans“, wie er von seinen Kollegen genannt wird, zur KAROLA-Crew. Er war von Beginn an dabei und konnte die gesamten Weiterentwicklungsstufen hautnah miterleben.

„Wir haben die Kapazität mit den Jahren stetig erweitert, sodass wir mittlerweile 648 Stellplätze in den Regalen haben und sechs Gassen, in denen die Regalförderfahrzeuge die Karossen ein-und auslagern“, berichtet Heiss. Diese Ein- und Auslagerungerungen geschehen im „schwebenden“ Zustand. Nachdem eine fertige Karosse die Lackierung hinter sich gelassen hat, wird sie am Dach von einer Trägerkonstruktion erfasst und anschließend ähnlich einer Gondel weitertransportiert.

Nach der Hohlraumversiegelung, die die Karossen vor Korrosion schützt, geht es weiter über den sogenannten „I-Punkt“ zum KAROLA. „Ab diesem Punkt steuern wir die Karossen so, dass sie dann aufs Band kommen, wenn in der Montage alles dafür vorbereitet ist, und dann lassen wir sie dort einschweben“, berichtet Heiss. Deshalb ist es auch kein Wunder, dass man im KAROLA in Ingolstadt immer wieder auf lautlose, unbemannte Flugobjekte trifft.


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