Janine Bentz-Hoelzl
21.05.2013
Nürburgring
Viel Regen in der grünen Hölle

172 Startautos, rund 600 Fahrer und mit 25 Kilometern die längste Rennstrecke der Welt: Das 24-Stunden-Rennen am Nürburgring stellt Piloten, Teams und Besucher auf die Probe. Unsere Autorin war vor Ort – und stand plötzlich allein im Wald.

24-Stunden-Rennen Nürburgring 2013

Autorin Janine Bentz-Hölzl mit Audi-Fahrer Markus Winkelhock

Noch eine Stunde bis zum Start. Auf der Rennstrecke ist es rappelvoll. Tausende von Fans drängen sich um die Fahrzeuge, die bereits in der Startaufstellung stehen. Jeder will einen Blick auf die Autos werfen. Und natürlich die Frage: Wer schafft in diesem Jahr die 24 Stunden? Wer ist Favorit?

Berührungsängste kennt man bei dem legendären Langstreckenrennen in der Eifel nicht. Und auch ich stürze mich ins Getümmel und kann mich bis nach vorne zum Audi R8 von Phönix Racing durchkämpfen, wo sich die Stuck-Brüder Johannes und Ferdinand mit den Fans unterhalten. Ich schieße schnell ein Foto, dann muss ich mich beeilen, um einen Sitzplatz auf der Haupttribüne zu bekommen.

Das 24-Stunden-Rennen am Nürburgring ist die größte und vielfältigste Motorsportveranstaltung der Welt. Auf der Rennstrecke gibt es spektakuläre Überholmanöver zu sehen und hier trifft ein Renault Clio auf einen Porsche GT3 RSR. Vom Mini über den VW Scirocco bis zur Königsklasse mit dem Audi R8 LMS ultra oder dem Mercedes-Benz SLS AMG GT3 ist alles dabei. Auch Exoten wie der Aston Martin Vantage GT3 oder der Lexus LF-A von Toyota bereichern das Feld.

24-Stunden-Rennen Nürburgring 2013

Fliegender Start: Frank Stippler führt im Audi R8 LMS ultra des Phoenix-Teams

Rennsporterfahrene Werksteams und Profifahrer kämpfen gegen engagierte Amateure und Hobbypiloten. Diese Gegensätze und Ungleichheiten machen das Rennen in der Eifel zu einem einzigartigen Event. Die Tribünen sind voll besetzt: Über 210.000 Besucher sind in diesem Jahr angereist, um das Langstreckenrennen hautnah mitzuerleben.

Die Strecke ist noch trocken, aber dunkle Wolken kündigen bereits Regen an. Die erste Startgruppe überquert die Start-Ziel-Linie und das Motorheulen ist ohrenbetäubend laut. Polesetter ist Frank Stippler im Audi R8 LMS ultra des Phoenix-Teams, gefolgt von Pedro Lamy im Aston Martin Vantage GT3. In Abstand von nur wenigen Minuten folgen die zweite und dritte Startgruppe.

Die erste Überrundung ist für mich das Zeichen zum Aufbruch: Vor mir liegen 25 Kilometer Rennstrecke und 290 Meter Höhenunterschied. Vorbei an Boxengasse und Fahrerlager mache ich mich auf den Weg Richtung Hatzenbach. Die Nordschleife führt mitten durch den Wald und statt großzügiger Auslaufzonen ist die Leitplanke oft nur zwei Meter vom Asphalt entfernt. Dahinter campieren die Fans, die oft schon tagelang vorher angereist sind und die Strecke mit bunter Farbe und Sprüchen bemalt haben.

24-Stunden-Rennen Nürburgring 2013

Überholmanöver am Streckenabschnitt Pflanzgarten

Christan Koch aus Soest ist zum 17. Mal beim 24-Stunden-Rennen dabei. „Ich liebe die besondere Atmosphäre an der Nordschleife. Man kann direkt an der Stecke zelten, grillen, ein Lagerfeuer machen und die ganze Nacht das Rennen verfolgen.“ Saskia Osterkamp und Nadine Sägemann sind zum ersten Mal da. „Ich habe nicht erwartet, dass hier so viele Menschen sind. Das ist wie eine große Party. Ich bin begeistert,“ schwärmt Motorsportfan Nadine.

Mit der Dämmerung setzt auch der Regen ein und ich bin froh, mit Winterstiefeln, Regenjacke und Handschuhen ausgerüstet zu sein. Der Duft nach Grillfleisch hängt in der Luft und aus aufgestellten Boxen dröhnt Musik. Als ich am Streckenabschnitt Flugplatz ankomme, ist es bereits dunkel. Hier beginnt der Aufstieg zum Schwedenkreuz, bekannt dafür, dass die Vorderachse der Autos bei Geschwindigkeiten über 250 Stundenkilometern abhebt. Phänomenal, aber schwer zu erreichen.

Der Regen hat den Feldweg aufgeweicht, große Pfützen haben sich gebildet und auf dem schlammigen Boden komme ich nur langsam voran. Nach fast einer Stunde Fußweg habe ich es geschafft. Zwei Autos rasen mit einem wahnsinnigen Tempo an mir vorbei. Fantastisch. Aber dann passiert nichts mehr. Kein weiteres Paar Scheinwerfer taucht hinter der Kuppe auf, kein Motorheulen ist in der Ferne zu hören. Völlig durchnässt und frierend stehe ich allein im Wald. Ein Unfall? Oder Rennabbruch? Ich kann nur mutmaßen und trete den Rückzug an.

Das Rennen wird erst am nächsten Morgen kurz nach 8 Uhr fortgesetzt. Ich will noch ein paar letzte Eindrücke sammeln. Döttinger Höhe, Pflanzgarten, Brünnchen. Dann setzt der Regen wieder ein. Das Wetter an der Eifel ist eben unberechenbar. Bleibt nur zu hoffen, dass sich die grüne Hölle im nächsten Jahr von ihrer milden Seite zeigt.

Alle Informationen rund um das Rennen und die Ergebnisse sowie weitere Fotos finden Sie bei Audi MotorsportInfo.


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