Stefanie Lang
13.07.2013
Goodwood Festival of Speed
Motorsport hautnah

Es ist die größte Veranstaltung für historischen Motorsport weltweit: Beim Goodwood Festival of Speed dreht sich alles um Legenden – Fahrer wie Autos. Hinter den Kulissen sorgen die Rennmechaniker dafür, dass die Fans ein Spektakel erleben.

Goodwood Festival of Speed

Beim Goodwood Festival of Speed ist Motorsport hautnah erlebbar

Seit 1998 arbeitet Karl-Heinz Schlund für Audi. Begonnen hat er in der Serienfertigung, doch seine Leidenschaft für den Motorsport hat ihn zu Audi Sport gebracht – erst in die DTM, dann zu den Prototypen und zum 24-Stunden-Rennen von Le Mans. Pro Jahr sind er und seine Kollegen viele Wochenenden auf Teststrecken unterwegs „Ein bisschen verrückt muss man für diesen Job schon sein“, gibt der Ingolstädter zu.

Die Begeisterung für den Motorsport und schnelle Autos teilt er an diesem Wochenende in Südengland mit über 185.000 Besuchern. Und sie ist spürbar, wenn die Menschen, ausgerüstet mit Motorsport-Kappen und Fotoapparaten, die Autos in den Paddocks und auf der Strecke bewundern. Egal ob es ein Auto Union Typ C von 1936 ist oder das aktuelle Le Mans-Siegerauto, der Audi R18 e-tron quattro. Beide Autos sind bereits seit Mittwoch in Goodwood, ebenso ein Audi Rallye quattro A2, ein Audi 200 quattro – und sieben Audi Mechaniker.

Schon früh am Freitagmorgen stehen sie auf dem Paddock in ihrem rot-schwarzen Arbeitsdress. Der Freitag gilt als letzte Trainingseinheit vor dem eigentlich Rennwochenende. Gut eine Stunde vor den Rennläufen müssen die Motoren warmlaufen – unter lautem Dröhnen. Der des Silberpfeils wird bis auf 80 Grad erhitzt. Das Kühlwasser leitet Mechaniker Thomas Bauch durch eine externe Heizung. Dann geht es an den Start.

Goodwood Festival of Speed

Über 185.000 Besucher verfolgen dieses Wochenende das Renngeschehen in Goodwood

Vorsichtig schieben Bauch und seine Kollegen den Silberpfeil durch die Menschentrauben, in den engen Gassen keine leichte Aufgabe. Zumal die Zuschauer so nah wie möglich an das Auto rankommen wollen. Mit dabei als wichtigstes Utensil: ein kleiner, silberner Metallkoffer. „Damit wir notfalls eingreifen können, wenn das Auto nicht anspringt“, erklärt Mechaniker Bauch. „Eine kaputte Zündkerze können wir zum Beispiel in fünf Minuten auswechseln.“

Soweit kommt es nicht. Der Silberpfeil und sein Fahrer – Pink Floyd Drummer Nick Mason – starten ohne Probleme und jagen den Goodwood-Hügel hinauf. Nach dem Lauf ist Rockstar und Auto-Enthusiast Mason glücklich: „Ich fahre den Silberpfeil jetzt schon ein paar Jahre, aber ich habe das Gefühl, dass das Auto immer besser wird. Die Mechaniker machen da wirklich einen großartigen Job!“

Gerade einmal 1,86 Kilometer ist die Rennstrecke lang, die kurvenreich den Hügel auf dem Landsitz von Gastgeber Lord March erklimmt. Hier geht es nicht um die schnellste Zeit und Streckenrekorde, sondern nur um Autos und Fahrer, die Geschichte geschrieben haben und, um die Fans, die sie hautnah erleben wollen.

Goodwood Festival of Speed

Karl-Heinz Schlund hilft Allan McNish in Sekundenschnelle ins Auto

Auch die Audi-Mechaniker stehen im Fokus. „Wir müssen viele Fragen rund um den Le Mans-Renner beantworten: zur Technik, zu den Schaltern im Cockpit und am Lenkrad, aber auch, ob das wirklich der echte ist“, erzählt Motoreningenieur Timo Hartmann. „Bei einem echten Rennen um Zeit kommen wir den Fans leider nie so nahe, da ist alles viel zu hektisch. Und für die machen wir das alles hier ja eigentlich auch.“ Das mache für ihn auch den besonderen Reiz von Goodwood aus.

Audi-Werkfahrer und Le Mans-Sieger Allan McNish sieht das genauso: „Ich habe mal Zeit für ein kurzes Gespräch. Auch mit den Mechanikern“, so der Brite. „Bei einem Event wie in Goodwood lernt man sich von einer ganz anderen Seite kennen. Hier ist es im Vergleich zum 24-Stunden-Rennen natürlich etwas relaxter und spaßiger.“ So relaxt, dass der Rennfahrer fast seinen Einsatz am Nachmittag verpasst hätte. Während bereits reihenweise Rennwagen starten, stehen die Audi-Mechaniker noch etwas ratlos neben dem Audi R18 e-tron quattro.

Das Auto ist bereit, die Mechaniker haben ihren Job gemacht, bloß Allan McNish ist noch nicht da. Nur gut, dass beim „Goodwood up the hill“ die Autos nacheinander starten und die Reihenfolge spontan geändert werden kann. Plötzlich kommt McNish angerannt, die Zuschauermenge jubelt, Karl-Heinz Schlund hilft ihm in Sekundenschnelle in das enge Cockpit: Sicherheitsgurt an, Tür zu, Gas durchtreten, weg ist er. Später zurück im Paddock reicht McNish jedem Mechaniker einzeln die Hand: „Guter Job, auf euch ist Verlass Jungs!“


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