Stefanie Lang
14.07.2013
Goodwood Festival of Speed
Mekka für Motorsportfans

Egal ob Le Mans-Renner, Silberpfeil oder Rallye quattro, die Besucher des Goodwood Festival of Speed eint die Begeisterung für schnelle Autos. Dafür reisen sie aus aller Welt an – einige tauchen selbst ein in den Geschwindigkeitsrausch.

Goodwood Festival of Speed

Legenden unter sich: Der Auto Union Typ C Rennwagen von 1936, gelenkt von Pink Floyd-Drummer Nick Mason

Die Landschaft sieht aus wie in einem Prospekt, der für Südengland als Reiseziel wirbt: grüne Hügel und Felder, schmale Alleen mit dichtem Blätterlaub, Ortschaften mit langen Hofeinfahrten und Cottages aus rotbraunem Ziegelstein. Beschaulich, still und unbekannt sind die Dörfer hier.

So wie Goodwood es wäre, hätte Lord March nicht vor 20 Jahren zum Festival of Speed auf seinen Familiensitz geladen. Seither ist es vorbei mit der Beschaulichkeit um die sanften Hügel um Goodwood. Für Motorsportfans auf der ganzen Welt ist dieses Wochenende im Juli zu einem Mythos geworden.

Auch Stefan Leimer wollte das legendäre Festival einmal hautnah miterleben und selbst eintauchen in die bunte Welt aus historischen Rennautos und Motorrädern, Fahrerikonen und Fans, die sich entlang der von Strohballen abgesperrten Strecke drängen.

Für den Baseler und seinen Sohn Nicolas ist es das letzte Etappenziel einer Englandreise, die auf den idyllischen Shettlandinseln mit „Erholungsurlaub und Vogelfotografie“ begonnen hatte und im Motorsportverrückten Goodwood mit dröhnenden Motoren und Benzingeruch endet.

Goodwood Festival of Speed

Rennlegenden hautnah erleben – nur Strohballen trennen die Zuschauer von der Strecke

„Eine vollkommen andere Welt“, findet Leimer. Er und sein Sohn waren schon bei einigen Bergrennen in der Schweiz, „aber ich glaube dieser Ort hier ist wirklich einmalig auf der ganzen Welt. So nah kommt man sonst nie an all diese tollen Autos ran.“ Wie etwa der Auto Union Typ C von 1936, den die Audi Tradition nach Goodwood gebracht hat und der von Pink Floyd-Drummer Nick Mason gefahren wird.

Schon auf dem Weg an den Start bleiben die Menschen stehen, fachsimpeln und fotografieren, wollen über die silberne Außenhaut streichen und ziehen dann doch im letzten Moment die Hand ehrfürchtig zurück. „Die Fans hier sind unglaublich respektvoll. Sie kommen nah ran an die Autos, aber sie fassen sie nicht an“, bewundert Audi-Werkfahrer Allan McNish das Verhalten der Besucher.

Der Brite hat an diesem Wochenende ein doppeltes Heimspiel, denn er fährt sein eigenes Le Mans-Siegerauto über die 1,86 Kilometer lange Strecke den Goodwood-Hügel hinauf. Der Audi R18 e-tron quattro von 2013, der Silberpfeil von 1936 – in Goodwood treffen Gegenwart und Vergangenheit aufeinander.

Und manchmal holt einen die Vergangenheit auch wieder ein. So wie Rennfahrer Hannu Mikkola. Vor 30 Jahren reichte in England beim letzten Lauf zur Rallye-Weltmeisterschaft der zweite Platz zum Gewinn der Weltmeisterschaft – im Rallye quattro A2. Vor Jahren schon hat Audi Tradition das damalige Siegerauto, gelenkt von Stiq Blomqvist, aufgespürt und jetzt in den Originalfarben restauriert.

Goodwood Festival of Speed

Wiedervereinte Weltmeister: Arne Hertz und Hannu Mikkola gewannen vor 30 Jahren den ersten Rallye Fahrer-Weltmeistertitel für Audi

In Goodwood hat der Bolide seine „zweite“ Jungfernfahrt – mit dem damaligen Weltmeisterduo Hannu Mikkola am Steuer und Arne Hertz auf dem Beifahrersitz. „Unglaublich, das Auto läuft, als ob es nagelneu wäre“, beschreibt Mikkola die Fahrt im Rallye quattro den Hügel hinauf.

Direkt nebenan ist eine Rallyestrecke, die zwei Meilen durch den Wald führt und ordentlich Staub aufwirbelt. Auch Privatfahrer, natürlich nur im entsprechenden Fahrzeug, können hier durchs Gehölz jagen. Pat Horan und seine Tochter Noelle nehmen bereits das dritte Mal teil. In diesem Jahr mit einem Audi Rallye quattro von 1981.

Noelle ist Motorsportfan wie ihr Vater. „Schon als kleines Kind hat mich das fasziniert“, sagt sie, während sie den Reisverschluss ihres schwarzen Rennoveralls schließt. Gemeinsam starten sie bei Rennen in ganz Europa – in zwei Wochen etwa bei der Eiffel-Rallye in Deutschland. „Es ist schön Zeit mit meiner Tochter zu verbringen. Und die hohe Geschwindigkeiten im Auto hält mich jung und fit,“ sagt Pat Horan schmunzelnd. Er steuert, Noelle navigiert.

Kurz vor dem Start zeigen die beiden noch stolz auf ein paar Erinnerungen an Motorsport-Meilensteine von Audi. Auf der Motorhaube und im Cockpit haben sich Fahrerlegenden wie Walter Röhrl, Harald Demuth und Michelle Mouton verewigt. Alle drei saßen selbst schon im Audi Rallye quattro von Familie Horan. Jetzt, 2013 beim Festival of Speed, drückt Pat Horan das Gaspedal durch und jagt in die erste Kurve. Gegenwart und Vergangenheit verschmelzen eben oft in Goodwood.


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