Sabrina Kolb
15.08.2013
Montage
Alles, was ins Auto muss

Ein Supermarkt in einem Autowerk? Was sich seltsam anhört, erklärt sich ganz schnell. Sabrina Kolb hat während ihrer Woche in der Produktion die Audi-Supermärkte kennen gelernt und verrät in ihrer Reportage, was es damit auf sich hat.

Serie Produktion

Betreuer Manuel hilft, das Münzsteckfach für die Mittelkonsole eines Linkslenkers zu befestigen

In der Montage hat „Supermarkt“ nichts mit Brot, Milch und Butter zu tun, auch wenn es dort kleine SB-Märkte gibt, in denen die Mitarbeiter sich Snacks und warme Mahlzeiten für die Pausen kaufen können. „Supermarkt“ bedeutet hier vor allem: die Sequenzierung aller Bauteile, die im und am Auto verbaut werden. Das betrifft sowohl sichtbare Elemente wie Klimabauteile und Sicherheitsgurte als auch zunächst unsichtbare wie Bremskraftverstärker oder Gelenkwellen. Als ich an meinem ersten Arbeitstag in der Frühschicht dort auftauche, habe ich von all dem keine Ahnung.

Es ist kurz nach 6 Uhr morgens und ich stehe den Kolllegen im Weg, die gerade ihre Übergabe machen. Zu Beginn jeder Schicht weist jeder seinen Nachfolger auf Überschüsse oder Bestellverzögerungen hin. Da ich noch keinen Arbeitsplatz besetze, muss mir niemand etwas übergeben. Danach aber begrüßt mich Verena, die Sprecherin der Gruppe, der ich heute zugeteilt bin. Schnell sind wir beim „Du“. Sie fragt nach meinen Erwartungen und Wünschen. Ich möchte gern Gabelstapler oder Zugmaschine fahren. Verena freut sich: „Echt, hast du einen Schein?“. Habe ich nicht. Also keine Zugmaschinen.

Stattdessen führt sie mich zu Sepp. Er ist schon seit fast 30 Jahren in der Logistik und zeigt mir seine Station: Antennen und die dazugehörigen Verstärker. Mich erstaunt, wie viele verschiedene Variationen es gibt. „Zuerst einmal sind die Farben verschieden, eben immer passend zur Farbe vom Auto. Dann kommt es noch auf die Radioanlage an; also normales Radio oder DAB und ob Navigation und Standheizung mitbestellt wurden“, erklärt mir Verena. Und letztendlich haben alle Modelle, vom A3 bis zum Q5, andere Derivate.

Serie Produktion

Behutsam befestigt Sabrina Kolb den Stecker für die Mittelkonsole

Sepp greift nach einer so genannten Pickliste, auf der vermerkt ist, welche Antennen und Verstärker für die nächsten Autos gebraucht werden. Es gilt: Eine Bestellung pro Behälter und immer zwölf davon in ein Übergaberegal. Das wird dann von einem Kollegen mit der Zugmaschine abgeholt und zur Montagelinie gebracht. Ich darf mich versuchen. Im Laufe der Woche packe ich Antennen, Gelenkwellen, Wagenheber, Bedienelemente für die Mittelkonsole, Motorsteuergeräte und noch etliche Teile mehr in den vorgesehenen Sequenzierwagen. Mir wird bewusst, wie viele Menschen eigentlich an der Entstehung eines Audi mitwirken, denn jedes Teil wird von einem anderen Mitarbeiter bereitgestellt.

An Tag zwei bin ich Manuelas Gruppe zugeteilt. Ich wiederhole meinen Wunsch nach der Zugmaschine, aber sie winkt lachend ab: „Das geht nicht. Da gibt es Sicherheitsstandards, die wir einhalten müssen. Klar, fahren geht recht einfach, aber an Wendekreis und Bremsverhalten muss man sich gewöhnen.“ Zu groß ist die Gefahr, dass ich mich erschrecke und aus Versehen meine Kollegen umfahre.

Aber Manuela tut mir einen Gefallen und lässt mich bei den Gelenkwellen helfen. Die werden von unseren Gruppenmitgliedern direkt an die Montage gebracht, sodass ich zumindest Beifahrer einer Zugmaschine sein kann. Mit maximal zwölf Stundenkilometern tuckern mein Kollege Roland und ich im 35-Minuten-Takt zum richtigen Bandabschnitt. Das bedeutet: Alle 35 Minuten müssen wir mit zwei komplett bestückten Wagen am Band sein und den leeren Behälter dort gegen unseren vollen austauschen.

Hier müssen wir aufpassen, dass wir niemandem den Weg versperren und gleichzeitig genügend Platz lassen, um die doch recht großen Transportwägen auszutauschen. Und da wir nicht die Einzigen sind, die direkt die Linie beliefern, dürfen wir auch nicht trödeln. Zur Herausforderung wird es dann, wenn wir aus dem Takt geraten sind, also wir im Stau stehen und nicht rechtzeitig zur Linie kommen. Dann müssen wir warten und möglichst niemandem im Weg stehen. In meiner Zeit dort kommt das allerdings nicht vor.

Serie Produktion

In jede Mittelkonsole wird ein Stecker eingebaut, um Handy oder Navigationsgerät zu laden, eines der wenigen Bauteile, die hier in jedem Audi gleich sind

Meine nächste und schwierigste Station sind die Bedienelemente für die Mittelkonsole. Weil sie komplex sind und aus verschiedenen Hebeln, Knöpfen, Schaltern und Zierleisten bestehen, die wir alle vormontieren, wird hier nach dem „Pick by Light“-System gearbeitet. Ich bin begeistert: Ich bekomme einen Wagen, auf dem drei Transportboxen für drei Autos stehen. Je einer in Gelb, Grün und Blau. Dann drücke ich an der Seite einen Startknopf und es geht los: Da, wo ich ein passendes Bauteil entnehmen muss, leuchtet eine kleine Lampe in der richtigen Farbe auf, damit ich nichts verwechseln kann. Habe ich das Teil entnommen, bestätige ich die Entnahme und kann mich auf den Weg zum nächsten Licht machen. So sollen Fehler vermieden werden.

Alle Optionen für die vier Baureihen, die wir bestücken, lassen sich in insgesamt 154 Kisten aufteilen: Links- und Rechtslenker werden je seitenverkehrt verbaut. Jedes Teil gibt es in mehreren Farben, falls der Innenraum nicht schwarz, sondern grau oder braun ist. Da kommt man schnell durcheinander. Auch ich verbaue einmal aus Versehen zwei Münzhalter in einer Mittelkonsole und dafür keine Handbremse. Ich habe vergessen, das Licht auszuschalten und deswegen das gleiche Bauteil zweimal entnommen. Aber zum Glück haben meine Kollegen Nachsicht mit mir und helfen, den doppelten Münzhalter auszutauschen.

Am Ende der Woche habe ich mich beinahe an das frühe Aufstehen gewöhnt und daran, dass diese Woche meine Mittagspause inklusive Mittagessen schon um 10 Uhr beginnt. Ich habe viele Stationen durchlaufen und so gut ich konnte mitgeholfen – eine spannende Erfahrung.

Die Volontäre der Audi Kommunikation waren eine Woche lang in der Produktion im Werk Ingolstadt im Einsatz und haben an verschiedenen Stationen selbst erlebt, wie ein Auto produziert wird. In unserer fünfteiligen Serie berichten sie von Ihren Erfahrungen.


Eine Antwort auf Alles, was ins Auto muss

  1. Matti 06.04.2017 um 10:43 #

    Hallo alle zusammen,
    vielen Dank für den hilfreichen Beitrag. Ich bin ebenfalls der Meinung, dass es ein Muss ist, dass mein Auto über Navigationssysteme verfügen muss. Ohne ein Navi bin ich nämlich aufgeschmissen und auf das kleine Handy-Navi habe ich schlichtweg keine Lust!

    Viele Grüße
    Matti

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