Sabrina Kolb
19.09.2013
Audi.torium
Quer durch Europa

33 Jobs in 33 Ländern innerhalb von 33 Wochen. Mit diesem Projekt will der Deutsch-Franzose Jan Lachner den europäischen Gedanken fördern. Beim Audi.torium in Ingolstadt erzählte er von seinen Erfahrungen als „Europäer 2.0“.

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Moderatorin Ann Harder im Gespräch mit Jan Lachner

Jan Lachner ist studierter Raumfahrtingenieur, zweisprachig aufgewachsen und hat sowohl einen deutschen als auch einen französischen Pass. Gute Voraussetzungen als Protagonist für das Projekt „Europäer 2.0“. Seine Tour quer durch Europa führte ihn innerhalb von 33 Wochen in 33 Länder – und dort absolvierte der 26-Jährige dann auch noch 33 verschiedene Jobs.

Rund 300 Besucher waren ins Ingolstädter Audi Forum gekommen, um Episoden aus Lachners über zwei Jahre andauernden Europa-Projekt zu hören. Ursprünglich hatte der nur Aufenthalte in zehn oder zwölf Ländern geplant. Aber was als Idee begann, wurde schnell konkreter. „In Europa kann man nahezu unbegrenzt arbeiten und leben. Warum also aufhören?“, antwortet Lachner auf die Frage der Moderatorin Ann Harder nach seiner Motivation.

„Je mehr man reist, umso intensiver schaut man sich die Landkarte an und bemerkt Flecken, die man vorher nie wahrgenommen hat“, erzählt Lachner. „Ich habe mir immer gedacht: Da leben doch auch Leute und sie haben garantiert einen Grund dafür, dort nicht wegzugehen. Warum sollte ich dort also nicht auch vorbeischauen, um ihre Lebensweise kennenzulernen?“, so der Deutsch-Franzose. Ein Jahr nahm er sich Zeit, um die Reise vorzubereiten. Sieben Jobs legte er noch vor Beginn fest, die übrigen organisierte er sich unterwegs.

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„Als Job-Hopper auf Europatour“ lautete der Titel des Abends

Seine erste Station führte ihn nach Malta. Dort wurde er Fischer und prompt seekrank. Auch die Ausfahrt selbst verzögerte sich, denn wegen des schlechten Wetters lag der Kutter länger als gedacht vor Anker. Fast hätte Lachner seine Idee von dem einen Job pro Wochen aufgeben müssen – aber dann klappte es doch. Diese erste Erfahrung war für den jungen Man eine der prägendsten: „Es ist wirklich ein Knochenjob, die Arbeit ist sehr hart, aber auch unheimlich ausfüllend“, sagt er.

„In jedem Land habe ich versucht, einen landestypischen Beruf auszuüben“, erklärt der Deutsch-Franzose seine Auswahl. Nicht immer hat das geklappt: „In England wollte ich unbedingt im Finanzsektor arbeiten, aber keine Bank wollte mich haben. Nicht mal als Fensterputzer.“ Per Zufall stieß er dann auf eine Anzeige als Fensterputzer für Aquarien – und kurze Zeit später wischte er Fenster im Haifischbecken eines Zoos.

In Irland lernte Jan Lachner, wie man Guinness zapft und in Luxemburg versuchte er sich als Immobilienmakler. In Spanien wurde er Flamenco-Tänzer, in Rumänien versuchte er sich als Landwirt und in Litauen sortierte er Bernsteine. Um neben der Arbeit auch ein Gefühl für das Leben zu bekommen, suchte er sich über verschiedene Couchsurfing-Websites Schlafplätze bei Privatleuten.

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Der Deutsch-Franzose Jan Lachner erzählt von seinen europäischen Job-Abenteuern

„Es ist einfach so, dass man erst vor Ort lernt, wie die Menschen sind, welche Vorurteile und Klischees es gibt und welche davon wiederum nicht zutreffen“, resümiert er. In Schweden sei er bei einem 62-jährigen Diplomaten unterkommen und habe viel über die schwedische Außenpolitik erfahren. Lachner empfiehlt daher jedem, unbedingt mal für einige Wochen den Wohnsitz in ein anderes Land zu verlegen – ob nun für ein Praktikum oder den Urlaub.

Auch das Publikum hatte zahlreiche Fragen an den Job-Hopper. Ein Gast wollte wissen, ob er sich auch im Vatikan beworben habe (hat er, doch die dortige Post nahm ihn nicht), ein anderer, in welchem Land die Arbeit am schönsten gewesen sei (Dänemark, wegen der legeren Kleidung und lockeren Atmosphäre).

Wie es mit dem jungen Raumfahrtingenieur nun weitergehe, wollte eine Besucherin wissen. Lachner lacht: „Aufgehalten hat mich eigentlich nur die Schwierigkeit, in außereuropäischen Ländern Arbeitsgenehmigungen zu bekommen. Sonst würde ich weitermachen. Denn ich habe gemerkt: Wir können ein Europa sein, trotz aller Unterschiede. Es ist wie bei Wahlen, auch wenn die Leute unterschiedliche Parteien bevorzugen, sind sie am Ende ein Volk.“


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