Britta Nijhof
25.09.2013
Hinter den Kulissen
Wer nichts hören will, muss fahren

Knacken, knarren, klappern – Geräusche gehören bei Günter Klos zum Handwerk. Der Leiter des Knister-Knaster-Teams und seine Kollegen legen sie sich im Fahrzeuginneren auf die Lauer und finden heraus, wo es knarzt.

Das Knister-Knaster-Teams der Qualitätssicherung

Die Knister-Knaster-Strecke simuliert verschiedene Bodenbeläge

Bevor die Suche nach Störgeräuschen losgeht, herrscht im Auto absolute Ruhe. Mit leisem Surren schließt Günter Klos das Fenster und schaltet Lüftung und Radio ab. Denn jedes noch so leise Nebengeräusch kann die Suche nach störenden Geräuschen beeinträchtigen. Erst jetzt kann die Erprobungsfahrt beginnen.

Der eigens dafür präparierte Audi Q5 kommt ins Rollen und bewegt sich langsam über die Rüttelstrecke im Audi-Werk in Ingolstadt. Die Fahrbahn ist mit verschiedenen Belägen wie holprigem Kopfsteinpflaster oder einem gewellten Betonbelag ausgestattet. „Wir wollen hier alle möglichen Gegebenheiten auf den Straßen simulieren, nur so können wir den Störverursachern auf den Grund gehen“, erklärt der Leiter des Knister-Knaster-Teams der Qualitätssicherung während der Fahrt.

Wird ein Geräusch entdeckt, hilft entweder das Ausschlussprinzip oder eine Analyse auf dem Prüfstand. Auf einer 4-Stempel-Hydropulsanlage wird dann genau die Frequenz über die Räder in das Fahrzeug eingeleitet, die die Fehlerquelle zum Schwingen anregt und somit das Störgeräusch dauerhaft entstehen lässt. Im Gegensatz zur Fahrt auf der Straße hat der Experte im Auto dann Zeit, in Ruhe die Störquelle zu lokalisieren.

Das Knister-Knaster-Teams der Qualitätssicherung

Auf dem Prüfstand werden die Geräusche unter Laborbedingungen analysiert

„Die Gründe für Klappern oder Klirren können vielfältig sein, oftmals sind bewegliche Bauteile, etwa Sitze, Türen oder Handschuhkästen Auslöser dafür“, sagt er. Schwieriger ist es, die Geräusche abzustellen, die erst bei bestimmten Temperaturen, Geschwindigkeiten oder Kilometerlaufleistungen auftreten und den Kunden auf die Nerven gehen können.

Deshalb finden in der Qualitätssicherung weltweit unzählige Tests statt – wie zum Beispiel Fahrten bei großer Kälte oder in der Wüste. Die Geräusche werden regelrecht „herausgefahren“, bis im Innenraum nur noch die normalen Fahrgeräusche zu hören sind. „Störgeräusche verursachen bei mir fast schon Ohrenschmerzen, die dürfen einfach nicht sein“, macht Klos deutlich. „Man wird im Laufe der Zeit durch die Arbeit ganz schön sensibilisiert und hört jedes noch so kleine Geräusch.“

Und genau deshalb sind die Qualitätssicherer, die intern auch als „Geräuschepolizei“ bezeichnet werden, vom Anfang an in den Entwicklungsprozess eines Autos eingebunden. Bereits drei Jahre vor Produkteinführung sind sie in den Entstehungsprozess involviert und können schon beim Blick auf die digitalen Konstruktionsdaten mit ihrer Berufserfahrung auf potentielle Störquellen hinweisen und Verbesserungsvorschläge ausarbeiten.

Das Knister-Knaster-Teams der Qualitätssicherung

Auch bei Extremtemperaturen wird im Auto nach Geräuschen gesucht

„Wir sehen beispielsweise schon aus unserer Erfahrung, dass bestimmte Materialpaarungen kritisch und ohne zusätzliche Maßnahmen aus Sicht der Störgeräuschentwicklung nicht akzeptabel sind“, sagt Klos. Das können etwa Zwischenlagen aus Dämmstoffen sein.

Für die Arbeit benötigen Klos und seine Kollegen viel Geduld. „Die Suche nach den Störquellen ist aufwändig und oft sehr zeitintensiv“, merkt Peter König, ein Kollege der Geräuschanalyse, an. Die Erprobungsfahrten dauern sechs bis zwölf Tage und erfordern großen Einsatz. Während ein Kollege das Auto fährt, macht sich der zweite im ganzen Fahrzeug auf die Suche nach der akustischen Störquelle . „Wir kriechen überall im Auto herum, lauschen in jede Ecke. Einmal haben wir uns auch auf die Motorhaube gesetzt und das Ohr so lange gespitzt, bis wir den Verursacher schließlich lokalisieren konnten“, erinnert sich König.

Aus Sicherheitsgründen finden deshalb einige Fahrten auf abgesperrten Teststrecken statt – obwohl für die Ursachenforschung nur wenige Hilfsmittel benötigt werden: Taschenlampe, Stethoskop und hauptsächlich die eigenen Sinne. „Auch wenn ich in den Urlaub fahre, meine Ohren sind immer gespitzt. Mich entspannt zurücklehnen und die Fahrt genießen, während ein störendes Geräusch im Auto zu hören ist, kann ich schon lange nicht mehr“, sagt Klos. „Aber mir macht das Detektivspiel richtig Spaß.“


7 Antworten auf Wer nichts hören will, muss fahren

  1. Sergej Müller 25.09.2013 um 12:02 #

    Ich könnte auch ein Knister-Knaster-Team-Mitglied werden, denn ich höre in meinem Audi auch jeden Geräusch. Leider meint die Werkstatt jedes mal zu mir, es sei alles normale Geräusche und gehören praktisch zum Auto. Und das ist eigentlich sehr schade, würde die Fahrt sehr gerne in totaler Ruhe geniessen.

    • Britta Meyer 25.09.2013 um 15:22 #

      Hallo Herr Müller, unsere Kundenbetreuung prüft gerne Ihr Anliegen. Bitte senden Sie dazu eine E-Mail an socialmedia@audi.de unter Angabe der Ticketnummer 9040176, der Fahrgestellnummer Ihres Audi, Ihrer Telefonnummer und der Daten Ihres Audi Partners (inkl. Ansprechpartner).

  2. Thilo Obenhoff 25.09.2013 um 13:33 #

    Interessanter Artikel! Auch wenn noch ein wenig mehr von „Hinter den Kulissen“ gezeigt werden könnte, wird offensichtlich was für ein Aufwand hinter dem Bau eines Autos steckt. Und zumindest für meinen Audi kann ich sagen: schnurrt wie ein Kätzchen, ohne jegliches klappern und knarren 🙂

  3. Lorenz 27.09.2015 um 17:13 #

    Habe einen Audi A6, 4G im März diesen Jahres bei einem grossen Audi Zentrum gekauft. Leider bereits seit Kauf mit einem Fahrgeräusch, am ehesten ausgehend von der Beifahrer-Seite, A-Säule, hörbar ab 80 km/h. Leider konnte der Audi-Service bisher nicht herausfinden (bereits 2x in der Werkstatt), woher das Geräusch kommt. Mir wurde fälschlicherweise das Radlager erneuert (zu 50% Eigenbeteiligung!!). Das Geräusch trat einen Tag später erneut auf. Gibt es denn auch in grösseren Audi-Zentren keine Ingenieure/Konstrukteure, welche herausfinden, woher die Störgeräusche kommen. Auch die Audi-Kundenbetreuung lehnte eine Weiterleitung einer dokumentierenden Sounddatei an entsprechend qualifizierte Ingenieure ab. Werde wohl Auto-Bild oder die VOX-Autodoktoren um Rat fragen müssen.

    • Agnes Happich 06.10.2015 um 08:26 #

      Hallo Lorenz, wir bedauern Ihren Entschluss, bitten Sie jedoch gleichzeitig um Verständnis, dass wir aus der Ferne keine Diagnose stellen können. Hierbei ist Ihr Audi Partner der richtige Ansprechpartner. Sollte dieser nicht weiter wissen, hat er die Möglichkeit die Fachabteilung zu konsultieren. Herzliche Grüße aus Ingolstadt

      • Michael 29.07.2016 um 23:10 #

        Hallo Agnes,

        ich fahre auch einen A6 (Bj. 2012) und habe seit Oktober 2015 nun schon 6 Werkstattaufenthalte hinter mir, dennoch wird ein nerviges quietschendes Geräusch nicht gefunden und eliminiert.

        Trotz 5-Jahres-Garantie bemüht sich der Audi-Partner nicht um Support aus Ingolstadt. Wie kann ich denn von Euren Experten Hilfe anfordern, wenn der Audi-Partner es nicht tut?

        Viele Grüße
        Michael

        • Agnes Happich 01.08.2016 um 08:07 #

          Hallo Michael, wir bedauern, dass Sie nicht vollumfänglich mit Ihrem Audi A6 zufrieden sind. Gerne können Sie sich an unsere Kollegen von der Audi Kundenbetreuung wenden, damit diese sich Ihr Anliegen einmal näher ansehen können. Sie erreichen sie telefonisch unter der 0800 28 347 378 423 oder per E-Mail an kundenbetreuung@audi.de. Herzliche Grüße aus Ingolstadt

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