29.01.2014
Motorsport
Voll auf Speed

2013 knallten für Audi in der Langstreckenmeisterschaft WEC und der DTM die Champagnerkorken. Dabei beweisen die Siegerautos R18 e-tron quattro und RS 5 DTM nicht nur den Vorsprung von Audi, sie helfen auch, die Serienmodelle zu verbessern.

Ehrenrunde: Dieter Gass und Chris Reinke messen sich mit ihren Rennwagen auf einer Carrerabahn.

Jubeljahr für den Audi Motorsport: Die Teams der Marke mit den Vier Ringen haben auch 2013 alles gegeben  und wurden dafür belohnt: In der WEC verteidigte das Audi Sport Team Joest mit dem Audi R18 e-tron quattro den Weltmeistertitel und gewann auch den Saisonhöhepunkt, die 24 Stunden von Le Mans, zum zwölften Mal. In der DTM holten Mike Rockenfeller und das Audi Sport Team Phoenix mit dem Audi RS 5 DTM sowohl den Fahrertitel als auch die Team-Meisterschaft.

Die Höchstleistungen sind das Ergebnis eines perfekten Zusammenspiels zwischen Rennfahrern, Einsatzteams und den Ingenieuren und Technikern bei Audi Sport. Die Siegerautos, der Audi R18 e-tron quattro und der Audi RS 5 DTM, mussten sich im Lauf der Saison großen Herausforderungen stellen und eroberten neues Terrain: Die DTM gastierte zum ersten Mal in Moskau, die WEC auf einer neuen Strecke in Texas.

Zugleich bildeten die Erfolge einen tollen Auftakt für Chris Reinke und Dieter Gass in ihren neuen Positionen bei Audi Sport. Seit Anfang 2013 verantwortet Reinke als Leiter LMP die Rennen der Le Mans-Sportprototypen, Gass als Leiter DTM den Einsatz bei den Deutschen Tourenwagen Masters. Seit Reinke als Student das erste Mal Le Mans besuchte, hatte er ein Ziel vor Augen: „Einmal einen Le Mans-Prototypen kreieren.“ Mit dem Audi R18 e tron quattro 2013 erfüllte sich sein Traum. „Hier kann ich meine Vision einbringen“, sagt er über die LMP-Klasse.

Das Reglement lässt den Ingenieuren viele Freiheiten: keine Gleichteile, unterschiedliche Antriebsarten, variable Zylinderzahlen und vieles mehr. In Sachen Chassis und Aerodynamik gibt es ebenfalls viele unterschiedliche Möglichkeiten in der Auslegung. Die Ingenieure haben den R18 e-tron quattro von 2013 gegenüber dem Siegerwagen von 2012 an vielen Stellen optimiert. Die Leistung der E-Maschinen stieg auf jeweils mehr als 80 kW.

An vielen Details wurde die Aerodynamik verbessert, was sich positiv auf die Rundenzeiten auswirkte. Wegen des eingefrorenen Reglements durften alle Teams ihre Autos nur begrenzt weiterentwickeln. Die DTM-Mannschaft von Audi Sport hat deshalb besonders genau hingeschaut. Bis zur kleinsten Schraube haben die Ingenieure mehr als 4.000 Bauteile durchleuchtet.

Alle für einen: Elf Mechaniker erledigen den Reifenwechsel am Audi RS 5 DTM von Meister Mike Rockenfeller.

„Die DTM bedeutet extremen Wettkampf“, erklärt Dieter Gass. „Das Publikum erlebt spektakuläre Zweikämpfe und packende Überholmanöver.“ Neben dem technischen Setup bestimmt die Rennstrategie über Platz und Sieg. Ein Geheimrezept dafür gibt es nicht: Den Erfolg ermöglicht eine Mischung aus fahrerischem Talent, Technik, Streckenverhältnissen und der Tagesform der Fahrer.

Audi Sport kommt dabei die langjährige Erfahrung in beiden Rennserien zugute: In 15 Jahren bei den 24 Stunden von Le Mans holte die Marke zwölf Gesamtsiege, in 16 Jahren DTM neun Meistertitel. „Zur Vorbereitung auf ein Rennen können wir zum Beispiel auf die Daten aus dem Vorjahr zurückgreifen“, erklärt Reinke. Die Fahrer lernen derweil im Rennsimulator den Kurs besser kennen. Vor Ort liefern Training und Qualifying zusätzliche Informationen. Falls möglich, sucht Reinke den direkten Kontakt zur Strecke: „Wenn ich es zeitlich schaffe, gehe ich sie vor dem Rennen zu Fuß ab.“

Auch Gass inspiziert den Kurs auf Unebenheiten oder anspruchsvolle Kurven, die den Fahrern zum Hindernis werden könnten. Erst am Abend vor dem Rennen steht die finale Strategie, und am Wettkampftag ist von allen Beteiligten maximale Konzentration gefordert. „Am wichtigsten ist der Start“, findet Gass. Dies ist der Moment, auf den das Team am wenigsten Einfluss nehmen kann, denn hier ist allein der Fahrer gefordert. Geschieht etwas Unvorhergesehenes, kann sich die Strategie jederzeit ändern – zum Beispiel, wenn das Wetter umschlägt.

So geschehen am 18. August auf dem Nürburgring: Als kurz nach dem Start starker Regen einsetzte, entschieden sich die Ingenieure von Audi Sport für einen Boxenstopp außerhalb des vom Reglement vorgesehenen Zeitfensters. Ein Risiko, das Audi-Pilot Rockenfeller zunächst Zeit kostete. Zurück im Rennen machte er den Verlust mehr als wett und arbeitete sich mit den neuen Regenreifen binnen fünf Runden von Platz 20 an die Spitze. „Wir müssen das Rennen lesen und in der Kürze der Zeit die richtigen Entscheidungen treffen“, erklärt Dieter Gass. In der WEC unterliegen Fahrer und Teams extremen Bedingungen. Auch das in den Rennwagen verbaute Material hat während der mindestens sechsstündigen Langstreckenrennen deutlich höheren Belastungen standzuhalten.

Siegerauto: Der Audi R18 e-tron quattro in
der Box von oben betrachtet.

Die härteste Bewährungsprobe musste der R18 e-tron quattro 2013 beim Saison-Höhepunkt bestehen. Die 81. Ausgabe der 24 Stunden von Le Mans fand unter ständigem Wetterwechsel statt, dazu gab es zwölf Safety-Car-Phasen. Durch eine Reglementänderung mussten die Audi-Piloten zudem mit einem deutlich kleineren Kraftstofftank auskommen als ihre Mitbewerber. Umso mehr galt es, die Standzeiten in der Box auf ein Minimum zu reduzieren und schnellere Rundenzeiten zu absolvieren. Trotz allem lag Audi letztlich in 344 von 348 Runden vorn.

Im japanischen Fuji, dem drittletzten Rennen der Saison, sicherte sich Audi vorzeitig die Markenweltmeisterschaft. Beim vorletzten Rennen in Shanghai konnte das Fahrer-Trio Loïc Duval, Tom Kristensen und Allan McNish dann auch die Fahrermeisterschaft für sich entscheiden. Mike Rockenfeller konnte ebenfalls schon vor dem Finale in Hockenheim über den Gewinn der Fahrermeisterschaft jubeln. In Zandvoort, wo er 2011 seinen ersten DTM-Sieg überhaupt einfuhr, erreichte „Rocky“ den zweiten Platz und war damit für die Konkurrenz von BMW und Mercedes nicht mehr einzuholen.

Motorsport ist Teil der Audi-DNA, als solcher aber kein Selbstzweck. „Hier können wir testen, was technisch möglich ist“, erklärt LMP-Leiter Reinke. Viele interessante Beispiele belegen, wie Motorsport-Technologie von Audi erfolgreich in Serie gegangen ist. 2001 feierte der TFSI-Antrieb in dem LMP-Rennwagen Audi R8 in Le Mans Premiere, seit 2006 hilft der Motorsport Audi, die TDI-Technologie weiterzuentwickeln. Innovative Assistenzsysteme wie auch Dynamikprogramme für Fahrwerk-, Motor- und Getriebesteuerung wurden im Motorsport erprobt. Jüngstes Beispiel für den Serientransfer sind die Matrix LED-Scheinwerfer aus dem Audi R18 e-tron quattro, die im Herbst 2013 ihre Premiere im neuen Audi A8 feierten.

Ein Umbruch in der WEC verspricht für 2014 weitere Innovationen: Das neue Reglement stellt Effizienz über reine Leistung. „Der Input der Energie wird begrenzt“, erklärt Reinke. Derzeit entsteht daher in Ingolstadt und Neckarsulm ein komplett neuer Rennwagen. Zudem kehrt 2014 der 16-malige Le Mans-Gewinner Porsche zurück an die Sarthe. „Für uns bedeutet das erhöhten Wettbewerb. Es ist Privileg und Herausforderung zugleich.“ Auch die DTM-Autos werden sich 2014 wieder stärker verändern. Gleichzeitig wird die Rennserie internationaler: Ein neuer Stadt-Kurs im chinesischen Guangzhou wartet darauf, von den Rennfahrern erobert zu werden. Auf seinem inzwischen weltweit wichtigsten Absatzmarkt hat Audi viele Fans. Ein gutes Zeichen? „Wir wollen auf alle Fälle den Titel verteidigen“, zeigt sich Gass selbstbewusst. Auch Reinke weckt Vorfreude: „2014 wird ein ganz besonderes Jahr.“

Der Text ist im Audi-Technologiemagazin 2014 erschienen, das weitere spannende Einblicke in die verschiedensten Technologie-Themen bei Audi liefert.


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