Barbara Wege
24.03.2014
Technologiewettbewerb
Auf Augenhöhe mit Mike Rockenfeller

Bei „Formel 1 in der Schule“ lernen Schüler, worauf es im Job ankommt: Innovation, Teamarbeit, Zeitmanagement, Marketing. Und wer Glück hat, dem erklärt DTM-Champion Mike Rockenfeller nebenher, wie man gute Autos baut.

„Formel 1 in der Schule“

DTM-Champion Mike Rockenfeller fachsimpelt mit Leo Sandrisser und Büsra Sahin vom Team „Surge“ über den Rennwagen

Jetzt hat es Leo Sandrisser in der Hand. Seine Teammitglieder von „Surge“ stehen hinter ihm. Der Daumen liegt abdrückbereit auf dem Startknopf, die Augen fixieren die Lichter über dem Startbogen. Er lehnt den Oberkörper nach vorne, als wolle er selbst lossprinten. Endlich erlischt das Licht. Im Bruchteil einer Sekunde drückt Leo den Knopf, sein weißer Mini-Bolide schießt über die Strecke. Der Konkurrent auf Bahn zwei kommt nicht hinterher. 1,098 Sekunden, die Fans sind begeistert, eine sehr gute Zeit. Doch wird es reichen zum Titel?

Das muss der Wettkampftag noch zeigen. Denn beim Technologiewettbewerb „Formel 1 in der Schule“ im Audi Forum Neckarsulm geht es nicht nur darum, wer das schnellste Auto fährt. Die 16 Teams, die bei der Landesmeisterschaft in Baden-Württemberg starten, müssen die zwölfköpfige Jury auch in der Boxengasse und dem Konferenzraum mit guten Ideen und erfolgreichem Marketing überzeugen.

In den vergangenen Monaten haben die Teams ihre Boliden selbst gebaut. Angetrieben von Gaspatronen jagen sie mit bis zu 100 Stundenkilometern über die 20 Meter lange Strecke. In den Mannschaften hat jeder seinen Job: Teammanager, Ressourcenmanager, Entwickler oder Konstrukteur – wie im echten Leben. „Jeder muss sich auf jeden verlassen können“, sagt Leo vom Team „Surge“ des Mönchsee-Gymnasiums Heilbronn.

„Formel 1 in der Schule“

Volle Konzentration am Start: Sobald die Lichter über dem Startbogen erlöschen, drücken die Schüler den roten Knopf in ihrer Hand und die Mini-Boliden rasen los

„Bei dem Wettbewerb erleben die Schüler den gesamten Konstruktionsprozess, von der ersten Idee über die Produktentwicklung bis zur Fertigung und Vermarktung“, sagt Jurymitglied Christina Danzer, Koordinatorin für das Personalmarketing am Standort Neckarsulm: „So bekommen sie einen praxisnahen Eindruck von technischen Berufen.“

Wie auf einem Messestand zeigen die Teams der Jury in der Boxengasse ihre Produkte – mit Plakaten, selbst gedrehten Filmen und technischen Innovationen zum Anfassen. „Surge“ hat erstmals mit Carbon gearbeitet. „Falconnect“ vom Landesgymnasium für Hochbegabte Schwäbisch Gmünd stellte seine Front- und Heckspoiler mit einem 3-D-Drucker her. Entwickler Amin Anjileli erklärt jedem Besucher begeistert, wie präzise das Ergebnis ist. Warum ihn Technik fasziniert? „Sie bringt uns in unserem Alltag voran“, sagt der 15-Jährige.

Für die Präsentation im Konferenzraum tauscht „Surge“ seine Renntrikots gegen weiße Hemden. Acht Minuten haben die Teams Zeit, um die Arbeit von Monaten auf den Punkt zu bringen: Vom Projektplan und der Sponsorensuche über die ersten Entwürfe und Tests im virtuellen Windkanal bis zum Fräsen und der Lackierung des fertigen Autos.

„Formel 1 in der Schule“

Welche Form verspricht Bestzeiten? Die Teams bauen ihre Autos komplett selbst – vom ersten Entwurf bis zum fertigen Rennwagen

Am Ende ist es ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Bei den 16- bis 19-Jährigen setzt sich in der Gesamtwertung „Surge“ knapp durch. Neben der Qualifikation für die deutsche Meisterschaft gibt es für das Team noch eine besondere Belohnung: In der Box erklären sie DTM-Champion Mike Rockenfeller und GT-Fahrer Markus Winkelhock ihre Mini-Boliden. Die Rennfahrer haben zwei etwas Größere dabei: Den Audi R8 LMS ultra und den Audi RS 5 DTM. „Es ist faszinierend, wie professionell die Schüler ihre Teams führen“, sagt Rockenfeller: „Der Wettbewerb ist Motorsport im Kleinen: Man muss sich an das Regelwerk halten. Dann kommt es auf die Feinheiten und Details an und darauf, dass man ein gutes Team hinter sich hat.“

Als Schüler wäre der Wettbewerb auch etwas für die beiden Rennfahrer gewesen. „Ich bin selbst ein Modellbau-Freak und fahre sogar Rennen mit ferngesteuerten Autos“, sagt Winkelhock. Für Felix Harst, Entwickler und Konstrukteur bei „Surge“, jedenfalls hat sich die Mühe gelohnt: „Als die Zeit kurz vor dem Wettbewerb knapp wurde, hat mich zusätzlich motiviert, dass ich Mike Rockenfeller und Markus Winkelhock unseren Rennwagen zeigen kann.“ Der 17-Jährige will Ingenieur im Motorsport werden, eines Tages konstruiert er womöglich auch große Rennautos. Der erste Kontakt jedenfalls ist geknüpft: „Herr Rockenfeller, also Mike und ich: Wir sind jetzt per Du.“


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