Tina Steck
07.04.2014
Hinter den Kulissen
Hintermänner im Vordergrund

Sie reparieren, tüfteln und warten die Anlagen: Tausende Mitarbeiter kümmern sich im Audi-Werk in Ingolstadt darum, dass die Produktion immer reibungslos läuft. Ein Besuch bei den Kollegen, die im Hintergrund aktiv sind.

Hintermänner im Vordergrund

Werkzeugmacher Klaus Mosauer gilt als „Herr der Platten“

Es riecht nach Öl und Stahl, im Hintergrund hört man das Wummern der riesigen Pressenstraßen. Klaus Mosauer liebt seine Werkstatt im Presswerk II. Alles ist etwas größer als zu Hause im Keller, wo er in seiner Freizeit alte Mopeds restauriert. Seit fast 30 Jahren hantiert der Instandhalter hier mit Werkzeugen im XXL-Format – mit einer Presse, mit Schleifgeräten und mit überdimensionierten Schraubenschlüsseln. Er bearbeitet die tonnenschweren Platten aus Grauguss, auf denen Presswerkzeuge angebracht werden.

„Unsere Pressenstraße 18 ist sehr flexibel“, sagt Mosauer. „Wenn eine andere im Werk ausfällt, können wir einspringen. Und dann muss das Werkzeug auf eine geeignete Platte.“ Eine Aufgabe wie geschaffen für einen Tüftler wie Mosauer: Auf fünf Hundertstel Millimeter genau muss alles passen. Der Gruppensprecher kümmert sich nicht nur um die richtigen Keile und Bolzen, er bringt auch System in die Welt der Platten.

„Wenn wir für jedes Werkzeug eine Platte haben, müssen wir nicht so viel umbauen“, so der 51-Jährige, den seine Kollegen „Platten-Mosi“ nennen. Von seiner Arbeit profitieren die Einrichter an den Pressenstraßen. Kritisch wird es, wenn ein Werkzeug zu brechen droht. „Einmal war es ganz schön knapp“, erinnert sich Mosauer. „Da sind wir mit der Reparatur gerade noch fertig geworden. Sonst wäre der Karosseriebau gestanden.“

Rund 1.750 Instandhalter sorgen im Audi-Werk in Ingolstadt rund um die Uhr dafür, dass alle Anlagen und Maschinen einwandfrei funktionieren. Die Produktionstechnik wird immer komplexer, eine gute Qualifikation und ständige Weiterbildung sind daher nötig. Die Mitarbeiter vom zentralen Instandhaltungsservice kümmern sich um 185 Aufzüge, 500 Paternoster, 750 Werkzeugmaschinen, 830 Hebebühnen, 1.060 Krananlagen und um rund 7.400 Schraub- und Montagewerkzeuge – in allen Bereichen der Produktion.

Hintermänner im Vordergrund

Das wichtigstes Werkzeug von Elektrotechnikermeister Xaver Bauer: ein 20.000-Volt-Spannungsprüfer

Dass alle Teile des Werks mit Strom versorgt sind, das ist die tägliche Herausforderung für Xaver Bauer. Er und seine Kollegen warten 38 Schaltanlagen, 486 Trafostationen und knapp 1.900 Hoch- und Niederspannungsleistungsschalter. Unglaubliche 4.500 Kilometer Stromkabel ziehen sich durchs Werk – meist unterirdisch. „Instandhaltungsarbeiten erledigen wir nur in der produktionsfreien Zeit“, sagt Bauer, während er mit einem Messstab die Spannung an einer der 20.000-Volt-Anlagen prüft. Die Berechtigung, in dem Hochspannungsbereich zu arbeiten, haben nur ganz wenige Mitarbeiter.

Hightech auch wenige Meter weiter, im A3-Karosseriebau: Hier dominieren 850 Roboter das Geschehen. Sie greifen, tragen und schweißen, sie schrauben und kleben die Einzelteile zur fertigen Karosserie zusammen. Direkt an den Fertigungszellen arbeiten die Straßenführer, etwas weiter im Hintergrund die Männer vom Instandhaltertrupp. Wenn am Schutzzaun eines der 86 Kleberoboter ein rotes Lämpchen blinkt, dann packt Peter Hahn seine Werkzeugtasche und „geht auf Störung“, wie er es nennt.

Hahn kümmert sich schon seit fast 14 Jahren darum, dass die Roboter mit dem richtigen Kleber versorgt sind, er repariert Klebepistolen und Dosierer in der Werkstatt. „Man braucht Erfahrung und muss sich bei Mechanik und Elektrik der Anlagen auskennen“, sagt Hahn. Fällt eine Klebestation aus, kann das die Zahl der Karosserien nach hinten werfen. Darum sind Hahn und seine Kollegen rund um die Uhr im Einsatz – ruhig und konzentriert.

Höhenangst? Keine Spur! Christoph Krammer zieht sein Multimeter aus der Hosentasche, das Messgerät für Spannung und Strom. Der 23-Jährige steht vor seinem ersten „Fall“ an diesem Arbeitstag – mehrere Meter über dem Boden, im Korb eines Gabelstaplers. Unter ihm liegen tonnenschwere Gussteile auf dem Boden, über ihm sind riesige Portalkräne zu sehen: „Ich mag die Spannung und den Nervenkitzel“, sagt der junge Audi-Mitarbeiter.

Hintermänner im Vordergrund

Christoph Krammer ist Elektroniker und sein wichtigstes Werkzeug das Multimeter

Das Hubwerk von Schwenkkran Nummer 319 funktioniert nicht mehr, deshalb haben die Kollegen aus dem Werkzeugbau den Instandhalter angerufen. Krammer muss das Seil des Krans wieder zum Laufen bringen. Der Elektroniker ist Experte für große Anlagen im Werk: für Lastaufzüge, Hebebühnen, Lagerpaternoster – und natürlich Krananlagen. „Jeder Arbeitstag ist anders“, weiß Krammer.

Mit Handbewegungen gibt er seinem Kollegen im Gabelstapler Zeichen: Der soll Krammer in die richtige Position zum Hubwerk des Krans bewegen. Ganz klar: Krammers Job ist abwechslungsreich. Und enorm herausfordernd. „Wenn im Presswerk ein Kran ausfällt, mit dem ein Werkzeug gewechselt wird, dann kann die Produktion zum Stehen kommen.“ Gefragt sind deshalb stets ein kühler Kopf, Fachwissen – und eine große Portion Vorsicht.

Einige Hundert Meter weiter, in der Lackiererei: Helmut Gottschall kennt jeden Winkel. Seit 30 Jahren arbeitet er hier, die letzten zwölf Jahre im Team der Spezialreiniger. Eine wichtige Aufgabe, denn: Sauberkeit ist in der Lackiererei das A und O. „Im gesamten Gebäude herrscht Überdruck, damit bei geöffneten Türen die Luft nach außen weicht – und keine Schmutzpartikel hereinkommen“, erzählt Gottschall. Dabei zieht er auf einer Putzmaschine seine Bahnen durch das 17-Meter-Geschoss der Lackiererei.

Jede der drei Lackschichten muss trocknen und in diesem Stockwerk wird die Luft in riesigen Anlagen erhitzt und dann in die Durchlauftrockner darunter geblasen. Dort reinigen die Kollegen in der Nachtschicht. Der „Großputz“ findet jeweils am Wochenende statt. Auch in der Flurförderzeugwerkstatt ist rund um die Uhr Betrieb. Martin Kramlich kniet auf einem Schaumgummi, rückt seine Brille zurecht und nimmt sich den Lenkzylinder an der Hinterachse eines Gabelstaplers vor. Rund 1.450 Stapler, Zugmaschinen, Schlepper und andere Fahrzeuge werden im Werk für die Logistik eingesetzt.

Kramlich und seine Kollegen kümmern sich um Wartung und Reparatur der Fahrzeuge – wie in einer Autowerkstatt. Der Kfz-Mechaniker macht seinen Job seit 38 Jahren, er hat die Entwicklung von den rußigen Dieselfahrzeugen zu den Hightech-Elektrogefährten miterlebt. Seit Kurzem stehen zwischen den Hebebühnen und Montagegruben auch Terminals für eine neue SAP-Software, mit der die Instandhaltung einen großen Schritt nach vorne macht. Entscheidend aber sind und bleiben die Menschen: Sie stellen im Hintergrund eine reibungslose Produktion sicher – überall im Werk.


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