Sabrina Kolb
11.06.2014
Le Mans 2014
Mit knapp 100 PS zum 24-Stunden-Rennen

Am Abend vor dem Rennstart in Le Mans kommen die Kollegen der Audi Tradition zum Einsatz. Jedes Jahr beteiligen sie sich mit drei Modellen an der Oldtimer-Parade durch die Stadt. Wir haben sie bei den Vorbereitungen begleitet.

Mit knapp 100 PS zum 24-Stunden-Rennen

Auf Hochglanz poliert warten die Oldtimer auf ihren Einsatz: ein Audi 920 und das Horch 850 Pullman-Cabriolet

Le Mans ist das Mekka der Rennsportfans. Wer hierher kommt, erwartet Rennwagen mit über 500 PS und Höchstgeschwindigkeiten von über dreihundert Kilometern pro Stunde. Autos mit weniger Leistung werden in der Regel kaum eines Blickes gewürdigt. Eine Ausnahme machen Fans und Zuschauer am Freitagabend vor dem Rennen: Bei der alljährlichen Oldtimer-Parade durch die Stadt spielen Modelle aus der Vorkriegszeit die Hauptrolle.

„In den vergangenen Jahren waren immer um die 100.000 Zuschauer bei der Parade“, erzählt Peter Kober von der Audi Tradition. Die Strecke verläuft mitten durch die Stadt, Menschenmengen verstopfen nahezu jede Gasse des französischen Ortes. Mittendrin Kober und drei seiner Kollegen in den feinsten Schmuckstücken, die die Audi Tradition zu bieten hat. Dieses Jahr begleiten ihn Robert Mayerhöfer, Kevin Thiel und Marc Hufenbecher, die alle bereits Erfahrungen als Fahrer in Le Mans gesammelt haben – denn statt Renntempo ist hier Fahren in Schrittgeschwindigkeit angesagt. Berührungsängste mit den Oldtimern kennen die Zuschauer nicht. Neben den historischen Autos sind die Le Mans-Piloten das Highlight der Parade, die fleißig ihren Namen auf Mützen, Schals oder T-Shirts schreiben.

Mit knapp 100 PS zum 24-Stunden-Rennen

In Reih und Glied auf dem Weg zur Tankstelle: Der Horch 830 BL führt die Truppe an, ihm folgt der Audi 920. Aufgenommen im Horch 850 Pullmann Cabriolet

„Wir wählen jedes Jahr sorgfältig aus, welche Autos wir nach Frankreich mitnehmen“, erklärt Kobers Kollege Robert Mayerhöfer, der seit Jahren als Fahrer an der Parade teilnimmt. Ein wichtiges Auswahlkriterium: Es müssen Cabriolets sein. Dank des offenen Verdecks sind die Rennfahrer gut zu sehen und können Autogramme schreiben. Das Auto sollte außerdem einfach zu fahren sein, damit es dem mühsamen Stop-and-Go-Verkehr standhält. Denn eigentlich sind diese Schmuckstücke nicht für eine Parade im Schritttempo gemacht, da dann die Kühler schnell heiß werden. Als sie in den 1930er Jahren entwickelt wurden, waren Staus noch völlig unbekannt.

An der Parade selbst nehmen dieses Jahr ein Horch 850 Pullman-Cabriolet, ein Horch 830 BL, ein Horch 930 V und ein Audi 920 teil. Bereits seit dem frühen Morgen werden die Wagen geputzt und poliert. Erst, wenn sie richtig glänzen, sind die Kollegen zufrieden. Mit einem Stringo ziehen Robert Mayerhöfer und Marc Hufenbecher die Oldtimer vorsichtig aus dem Ingolstädter Traditionsgebäude ins Sonnenlicht, klappen die Verdecks weg und prüfen, ob die Motoren anspringen. Was in modernen Cabriolets nur Sekunden dauert, hält die beiden einige Minuten auf Trab. „Als wir beim Pullman das erste Mal das Verdeck öffnen wollten, hat das fast eine Stunde gedauert. Die ausgefeilte Konstruktion der Horch-Bauer von damals mussten wir erst einmal verstehen“, erinnert sich Peter Kober. Inzwischen sind die Handgriffe geübt und das Verdecköffnen des größten Horchs in der Sammlung der AUDI AG dauert nur noch einige Minuten.

Mit knapp 100 PS zum 24-Stunden-Rennen

Das Horch 850 Pullman-Cabriolet

Ähnlich schnell geht es bei den anderen Horchs – und dann geht auch schon die erste Fahrt zur Vorbereitung auf den Einsatz in Le Mans los: Die Testfahrt zur Tankstelle. Die Tanks müssen gut gefüllt sein, damit die Fahrer ohne Schwierigkeiten die Parade schaffen. Bereits auf dem Weg zur Audi-Tankstelle zieht der Trupp alle Blicke auf sich. Im normalen Stadtverkehr bei Tempo 50 halten die Oldtimer mühelos mit und fädeln sich so zügig in den Verkehr ein, als wären sie hier täglich unterwegs. „Das ist ein gutes Zeichen, wenn die so ruhig laufen“, sagt Kober. Die vier Männer sind guter Dinge, was den Einsatz ihrer Schätze in Le Mans angeht.

Das Tanken dauert nur wenig länger als bei heutigen Modellen. Die Zapfhahn passt problemlos in die Öffnung, seit damals hat sich da kaum etwas geändert. Auch hier wirken die Horch-Modelle wie ganz gewöhnliche Verkehrsteilnehmer. Und ebenso flott, wie auf dem Weg zur Tankstelle, sind sie auch auf dem Rückweg. Danach werden sie auf einen Transporter verladen und nach Frankreich gebracht, wo ein letzter Kontrollblick der geübten Audi-Traditionskollegen sie auf Fahrtüchtigkeit überprüft. Dann erst dürfen die Rennfahrer Platz in den drei Horchs nehmen.

Das vierte Modell auf dem Lkw, der Audi 920, wird auf der Parade keinen Fahrer, sondern den Le Mans-Siegerpokal präsentieren. Unmittelbar vor dem Rennen am Samstag hat dieser Audi dann seinen großen Auftritt: Der Pokal wird eine Stunde vor dem Rennen feierlich vorgefahren und dem Veranstalter zurückgegeben – in der Hoffnung, dass Audi ihn nach dem Rennen wieder mit nach Hause nehmen kann. Der Fahrer: kein geringerer als Audi-Vorstandsvorsitzender Rupert Stadler.


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