Cornelia Boehm
08.07.2014
Audi Sommerkonzerte
Emotionen und die richtige Technik

Am Donnerstag startet das „Vorsprung-Festival“ der Audi Sommerkonzerte. Das Auftaktkonzert gestaltet Kent Nagano gemeinsam mit der Audi Jugendchorakademie. Wir haben zwei Sängerinnen besucht, die von den Proben mit dem Dirigenten erzählen.

Vorsprung-Festival Jugendchorakademie

Kent Nagano stand schon mehrfach mit der Audi Jugendchorakademie auf der Bühne. Man sieht ihn hier bei CD-Aufnahmen mit dem Bayrischen Staatsorchester und der Chorakademie in München

„Wir haben sehr viel Respekt vor dem Stück“, gesteht Cordelia Bergmann, eine langjährige Sängerin der Audi Jugendchorakademie. Mit dem Stück meint sie die „Auferstehungssinfonie“ von Gustav Mahler, die am Donnerstagabend in Ingolstadt im Mittelpunkt des Auftaktkonzerts des „Vorsprung-Festivals“ steht. „‘Die Auferstehung‘ ist stimmlich sehr anspruchsvoll. Aber es ist toll, weil man aus sich herausgehen kann und es voller Emotionen ist“, begeistert sich auch Madeleine Hofstetter, die mit der Audi Jugendchorakademie und Kent Nagano als Dirigenten bereits vor Papst Benedikt XVI gesungen hat.

Die originale Textvorlage für den Schlusssatz von Mahlers 2. Sinfonie stammt von dem deutschen Dichter Gottlieb Klopstock. Der Komponist hatte den Text umgeschrieben und nach seinen Vorstellungen neu vertont. Am 10. Juli stehen nun die rund 100 Sängerinnen und Sänger der Audi Jugendchorakademie vor der Herausforderung, den Schlusssatz des 80-minütigen Werks auf ihre Weise zu interpretieren – zusammen mit dem ChorwerkRuhr.

Vorsprung-Festival Jugendchorakademie

Cordelia (ganz rechts) bei den Proben zu Mahlers „Auferstehung“

Dem Konzert gingen anstrengende Probenphasen voraus. Martin Steidler, Künstlerischer Leiter der Audi Jugendchorakademie, hat das Ensemble intensiv vorbereitet „Wir sind schließlich ein Laienchor“, lacht Cordelia, die Musik auf Lehramt studiert hat und auch im Madrigal-Chor der Hochschule München singt. Gerade weil der 2008 gegründete Chor nicht nur aus professionellen Musikern, sondern auch aus Schülern und Studenten der verschiedensten Richtungen besteht, fasziniert sie dessen Ausdrucksstärke und Professionalität immer wieder. Außerdem seien alle mit Begeisterung und Leidenschaft dabei.

Motivation ist wichtig, schließlich ist mit dem Treffen der richtigen Töne die Arbeit noch nicht getan: „Es muss an der Intonation gearbeitet werden und daran, dass jeder die gleiche Vokalfärbung hat“, erklärt Madeleine. Noch finden sich bei einigen grobe Bleistiftkringel in den Noten. Diese Stellen muss jeder für sich noch vor dem Konzert üben.

Für Kent Nagano ist die Arbeit mit jungen Stimmen etwas Besonderes. Kein Chormitglied ist älter als 28. Sie kommen aus ganz Deutschland und Österreich. Die Musik verbindet – untereinander genauso wie mit dem Dirigenten. Und die Sänger profitieren von ihrer langjährigen Arbeit mit dem erfahrenen Musiker. Madeleine erinnert sich an ihre allererste Probe mit Kent Nagano: Er dirigierte in einem unglaublichen Tempo und wir machten natürlich voll mit und sangen fleißig ganz schnell.“ Hinterher winkte er ab und stellte verblüfft fest, dass die „Deutschen doch so schnell Deutsch sprechen und singen können“. Gelächter und die Sympathie des Chores waren ihm nach dieser Aktion sicher.

Vorsprung-Festival Jugendchorakademie

Madeleine freut sich auf den Auftritt mit Kent Nagano

Madeleine hat auch ein Beispiel für Kent Naganos bildhafte Erklärungen, die der gebürtige Amerikaner immer wieder einsetzt, um ein bestimmtes Klangergebnis zu erzielen. „Wir sollten uns vorstellen, dass wir zunehmen, dass wir dick wären, damit wir einen vollen Klang erzeugen.“ An solchen Tricks erkenne man die Erfahrung des Dirigenten im Umgang mit Chören erklärt die 19-Jährige und muss schmunzeln. „Man merkt, dass er Vieles an uns weitergeben will“, stellt auch Cordelia fest: „Er erwartet nicht, dass wir schon alles wissen und die Hintergründe des Stückes kennen. Man merkt, dass er sich auf unsere Ebene begibt.“

Bei Mahlers Auferstehungssinfonie gehen die Sänger an die Grenzen ihrer stimmlichen Leistungskraft. Damit die Stimme bis zum Konzert durchhält, muss sehr umsichtig mit ihr umgegangen werden. Durch gezielte Einzelstimmbildung wird jedes Mitglied im Rahmen der Probenphasen individuell vorbereitet. Cordelia und Madeleine sind gespannt auf den gemeinsamen Auftritt mit ChorwerkRuhr, der Tschechischen Philharmonie und Kent Nagano. Mit Dvořáks Requiem zeigt die Jugendchorakademie am 13. Juli außerdem, dass sie auch die leisen Töne perfekt beherrschen.

Das „Vorsprung-Festival“ ist auch Bühne für renommierte Musiker wie den Pianisten Rudolf Buchbinder (16. Juli), den Tenor Ian Bostridge (11. Juli) oder das Ensemble ChorWerk Ruhr (12. Juli). Weitere Informationen zum Festival, den einzelnen Konzerten sowie der Veranstaltungsreihe Audi Sommerkonzerte finden Sie unter www.sommerkonzerte.de.


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