Sabrina Kolb
28.07.2014
Audi Tradition
Der Trick von Stig

Rund um Daun wird die größte historische Motorsportrallye Deutschlands ausgetragen. Die Audi Tradition ist dabei – und mit ihnen die Rallyelegenden Harald Demuth und Stig Blomqvist in den originalen Rennwagen von 1984.

Der Trick von Stig

Stig Blomqvist am Steuer des Audi Rallye quattro A2. Mit diesem Auto wurde er 1984 Weltmeister

Der Geruch von Öl und Benzin hängt in der Luft und zieht sich konsequent durch die Stadt. Egal, wohin man geht, es riecht nach alten Autos und ich bekomme einen ersten Eindruck von dem Spektakel, auf das ich mich eingelassen habe. Die Stadt Daun in der Vulkaneifel beherbergt bereits zum vierten Mal das Eifel Rallye Festival, das seit seinem Debut im Jahr 2010 kontinuierlich gewachsen ist. Dieses Jahr haben die Teilnehmer 150 Rallyewagen angemeldet. Sie teilen sich auf in 37 verschiedene Marken und 98 Autotypen.

Wegen zwei ganz besonderer Typen bin ich hier. Die Rede ist vom Audi Rallye quattro A2 und dem ein Jahr jüngeren Audi Sport quattro Rallye. Die Kollegen der Audi Tradition haben die beiden Sportwagen nicht als Ausstellungsstücke mitgebracht, sondern als VIP-Teilnehmer angemeldet. Es geht also nicht um Zeit oder Punkte, sondern um das Beherrschen des Autos und die Freude am Motorsport. Kaum jemand verkörpert sie besser als zwei ehemalige Meister ihres Fachs, die sich heute hinter das Steuer setzen werden.

Kein geringerer als Harald Demuth fährt den originalen 1985er Audi Sport quattro Rallye von Walter Röhrl und Christian Geistdörfer. Demuth hat seither noch bei keinem Eifel Rallye Festival gefehlt und startet in diesem Jahr als Nummer drei. Er feiert ein besonderes Jubiläum: 1984 wurde er zum zweiten Mal deutscher Rallyemeister.

Der Trick von Stig

Stig Blomqvist begann 1964 mit dem Rallyefahren und erhielt 1969 seinen ersten Vertrag

Hinter dem Steuer des Audi Rallye quattro A2 sitzt Stig Blomqvist, der in genau diesem Auto vor 30 Jahren Weltmeister wurde. Neben Blomqvist sitze ich und habe keine Ahnung, was mich gleich erwartet. Kurz vor dem Start steige ich in einen feuerfesten Rennanzug, bekomme einen Helm aufgeschnallt und werde so fest in die Gurte verzurrt, dass ich mich nicht mehr bewegen kann. Nach vorn lehnen, um das Fenster aufzuschieben, wird zum Kraftakt.

Ein Kollege drückt mir eine Straßenkarte in die Hand. Die Teams müssen selbst den Weg zu den Startpunkten der einzelnen Prüfungen finden und die Aufgabe, die Karte zu lesen, liegt normalerweise beim Copiloten. Also mir. Zweifelnd schaue ich zu Stig Blomqvist, doch er zwinkert mir nur zu. Zeit zu protestieren, bliebt ohnehin nicht. Wir rollen zum Start. Harald Demuth winkt uns nach. „Viel Glück!“, ruft er.

Der Motor heult auf und wir schieben uns in Schrittgeschwindigkeit nach vorn. Immer wieder halten Fans Bücher, Kappen oder Flyer zu Stig ins Auto. Insgesamt 35.000 Besucher sind gekommen und viele tummeln sich auf der großen Einkaufsstraße, die kurzerhand zum Fahrerlager umfunktioniert wurde. Ohne den Blick von der Straße abzuwenden, unterschreibt Stig und ich blättere in der Landkarte vor und zurück. Dann senkt sich die Fahne auf die Motorhaube und uns bleiben noch fünf Sekunden bis zum Start. Dann noch vier, drei. Zwei. Und los!

Der Motor heult auf und wir sind unterwegs. Während wir auf dem Weg zur ersten Wertungsprüfung sind, bewegen wir uns im normalen Straßenverkehr. Für mich eine Schonfrist. Ich lerne den Audi und ein Fahrgefühl kennen, das so komplett anders ist als alles, was ich kenne. Es ist laut, ruckelt, riecht nach Benzin. Bei keinem der Knöpfe im Cockpit erschließt sich mir die Funktion. Stig beantwortet geduldig meine Fragen.

Der Trick von Stig

Rund 35.000 Zuschauer sind am Wochenende in die Eifel gekommen, um beim 4. Eifel Rallye Festival dabeizusein

Schneller als gedacht erreichen wir den Startpunkt der ersten Wertungsprüfung. Wir starten als zweite, vor uns ist nur noch Walter Röhrl im Porsche 911. Dann beginnt die eigentliche Rallye. Mit unglaublicher Kraft drückt die Beschleunigung mich in den Schalensitz. Stig Blomqvist fährt durch abgesperrte Straßen in Ortschaften, über Feldwege, durch den Wald und zwar stets 50 oder 70 Stundenkilometer schneller als ich mich das auf derselben Strecke getraut hätte. Gebremst wird in Ausnahmefällen und wenn, dann nutzt Blomqvist den linken Fuß. Der rechte Fuß bleibt auf dem Gaspedal.

Durch diesen Trick bricht der Audi Rallye quattro A2 hinten aus und Stig kann schneller um die Kurven fahren. So gewinnen wir einige Sekunden. Alles geht unglaublich schnell. Während ich mich noch orientiere und nach den nächsten Richtungsanweisungen auf der Strecke suche, hat Stig Blomqvist bereits das Lenkrad eingeschlagen. Er weiß, was er tut. Später frage ich ihn nach dem Linksbremsen. „Es ist keine große Sache, man muss sich eben daran gewöhnen“, antwortet er mir schulterzuckend. Er ist kein Mann großer Worte.

Insgesamt absolvieren wir am Vormittag drei Wertungsprüfungen. Sie wiederholen sich am Nachmittag, aber dann überlasse ich jemand anderem meinen Platz neben dem Weltmeister. Die einzelnen Abschnitte werden immer schwieriger. Waren wir anfangs nur auf Straßen und Kies unterwegs, kommen in den letzten Abschnitten Schotter, Wasser und noch engere Kurven hinzu. Die Manöver werden waghalsiger, doch mit jeder Bewegung merkt man: Stig Blomqvist hat seinen Audi unter Kontrolle. Auch wenn wir gerade mit 160 Stundenkilometern durch den Wald jagen.

Und dann haben wir auch die dritte Wertungsprüfung geschafft, ohne uns dabei zu verfahren. Wir erreichen das Fahrerlager und das Mechanikerteam der Audi Tradition überprüft den Audi gewissenhaft auf Schäden. Stig ist sofort wieder umringt von Rallyefans und ich schaue mir einige Fotos an, die man während der Fahrt von uns geschossen hat. Es sieht spektakulär aus.


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