Camillo Pfeil
26.09.2014
Gastbeitrag
Entwicklung zum Anfassen

Beim Bloggertag Vernetzte Mobilität warfen die Gäste einen Blick hinter die Kulissen der Technischen Entwicklung bei Audi, besuchten die Labore, in denen Haptik, Sound oder Bediensysteme entstehen. Camillo Pfeil schildert seine Eindrücke.

Die Entwicklung ist ein sensibles Thema. Umso mehr hat es mich gefreut, dass Audi mir die Türen ein wenig geöffnet hat, um die Neuheiten nicht nur zu sehen sondern auch anzufassen und auszuprobieren.

Neben den technischen Informationen haben mich die Menschen hinter den Produkten begeistert, die mit Hingabe und Leidenschaft jedes noch so kleine Detail durchdenken und entwickeln und jeden Audi unverkennbar machen. Viele Dinge davon merken wir als Autofahrer nur beiläufig oder unterbewusst, umso interessanter ist ein Blick hinter die Kulissen.


Der Audi-Klick

Entwicklung zum Anfassen

Was macht den Audi-Klick aus? Die Blogger verglichen verschiedene Varianten von Schaltern und Knöpfen und prüften deren Haptik.

Ein besonderes Highlight war für mich deshalb der Bereich Haptik, der sich mit den verschiedenen Bedienelementen, etwa den Knöpfen für das MMI, der Klimabedienung, etc. beschäftigt. Nichts fühlt sich hierbei zufällig an, sondern wurde aufwändig „designt“. Drehräder und Regler klingen immer gleich. Knöpfe, bis auf Start/Stopp und Parkbremse, benötigen den gleichen Kraftaufwand zum Drücken, matte Flächen fühlen sich rau an.

Die Hand spielt dabei eine wichtige Rolle, denn sie liefert uns entscheidendes Feedback. In Kombination mit der Akustik des Knopfes oder Drehrades (der sogenannte Audi-Klick) erhält der Fahrer so eine Rückmeldung über seine Tätigkeit und weiß, dass etwas passiert ist. Mag die Entwicklung eines neuen Bediensystems zunächst trivial klingen, stecken hier beispielsweise für den aktuellen Audi A3 fünf Jahre Entwicklung vom ersten Muster bis zur finalen Serienfertigung. Auch die Tests im Simulator zur Usability neuer Systeme waren in diesem Zusammenhang sehr spannend.


Das Audi Tablet

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Das Audi Tablet war ein beliebtes Gesprächsthema zwischen Bloggern und Experten.

Ein weiteres Highlight war für mich das Audi Tablet, das bereits auf der CES vorgestellt wurde und die Lösung für das kommende Rear Seat Infotainment darstellt. Man hat also keinen fest installierten Monitor mehr, sondern nur noch eine Ladehalterung an der Kopfstütze. Das Tablet ist per WLAN mit dem Auto verbunden.

Als Basis ist auf dem Tablet die aktuelle Android 4.4 Version mit all ihren Funktionen installiert. Somit kann man für die Kinder beispielsweise Spiele installieren, das Tablet als Mobile Office oder einfach zu Hause auf dem Sofa zum Surfen nutzen. Darüber hinaus sind Audi-spezifische Anwendungen installiert, mit denen man etwa die Navigation steuern, Fahrzeuginformationen abrufen oder die Musikwiedergabe ändern kann. Ebenso ist es möglich, einen Film auf dem Tablet zu starten und den Sound über die Lautsprecher im Auto wiederzugeben. Die Art des Durchgriffs vom Tablet auf das MMI kann in mehreren Stufen beschränkt werden.

Entwicklung zum Anfassen

Ein Blick auf das neue Audi Tablet -Es basiert auf dem Betriebssystem Android,  ist crashsicher und temperaturunempfindlich.

Als ich das Tablet allerdings das erste Mal in der Hand hatte und mit meinem iPad Air verglich, dachte ich nur: was ein Klotz. Es ist schwer und dick. Aber die Mitarbeiter bei Audi waren gut vorbereiten und haben direkt den Grund geliefert. Das Tablet muss einen Crashtest überstehen. Und während Kopf auf iPad gleich ein kaputtes iPad und möglicherweise Verletzungen der Insassen bedeutet, bleibt das Audi Tablet heil. Weiterhin ist es im Auto auch anderen, insbesondere thermischen Anforderungen, ausgesetzt. Wo andere Geräte aussteigen, läuft das Audi Tablet weiter. Ein weiterer Vorteil ist das matte Display, das ein leichteres Ablesen ermöglicht und gerade im Auto durch die Reflexion des Sonnenlichtes von Vorteil ist.


Das Audi Sounddesign

Neben dem angesprochenen Klang der Knöpfe, Schalter und Drehregler gilt es im Fahrzeug auch die Musikwiedergabe zu gestalten. Das Auto stellt als solches einen schwierigen Klangraum dar, der nicht ohne weiteres bespielt werden kann. Gerade im Premiumsegment stellt es eine Schwierigkeit dar, die Bühne wirklich dort zu platzieren, wo der Höher sie erwartet. Nämlich genau vor sich. Die Demonstration des Bang & Olufsen Systems mit 3D-Sound mit einer Gesamtleistung von 2.000 Watt im Q7-Technikträger war hier gewaltig. Filigran werden einzelne Instrumente herausgearbeitet und die Stimme in all ihren Facetten wiedergegeben. Ein Konzertsaal auf vier Rädern ist hier definitiv nicht zu hoch gegriffen. Die Sounddesigner optimieren den Klang im Audi mithilfe der Referenzanlage im hausinternen Studio.

Entwicklung zum Anfassen

Der Akustikraum im Audi Soundlabor – hier wird das Ohr nur von den eigenen Körpergeräuschen abgelenkt.

Weiterhin besteht aber auch die Schwierigkeit, das System soweit abzustimmen, dass es nicht nur von hochwertigen Zuspielungen von CD gut klingt, sondern auch mit digitaler komprimierter Musik vom Smartphone. Ebenso werden über die Baureihen hinweg verschiedene Klangkonzepte verfolgt. Während in A1 und A3 der Fokus auf einer jüngeren Generation liegt, die ein wenig mehr „Spaß“ möchte und somit der Sound etwas knackiger mit mehr Bass ist, konzentriert man sich in höheren Baureihen auf einen erwachseneren Sound, der in der Wiedergabe neutral und klanggetreu ist.

Ein leicht beklemmendes Gefühl hatte ich im Akustikraum, in dem neue Lautsprecher eingemessen werden. Der Raum ist mit Schallschutz versehen und hat eine Ruhelautstärke von um die 25dB. Im Vergleich: Sitz man zu Hause auf dem Sofa und liest ein Buch und um einen herum ist es „ruhig“ liegt die Lautstärke in etwa bei 45 dB. Es fühlt sich ein wenig seltsam an, wenn es nicht zurückschallt, sondern alle Geräusche geschluckt werden. Es ist so, als wäre nichts um einen herum. Kein Leben. Kein gar nichts. Allerdings ist ein solch aufwendiger Aufbau nötig, um den Frequenzgang des Lautsprechers genau zu bestimmen. Des Weiteren wird z.B. auch durch eine Frequenzgang der Hub der Lautsprecher bestimmt, um Fehlfunktionen der Membran zu analysieren.

Für mich war der Tag nicht nur aus rein technischer Sicht interessant, sondern auch unter dem Aspekt der Wertschätzung, dem Vorsprung durch Technik und der Leidenschaft für jedes Detail.


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