Barbara Wege
07.10.2014
Audi Urban Future Award
Auto hilft Stadt

Pilotiertes Parken, intelligente Ampeln und Car-to-X-Kommunikation: Beim Audi Urban Future Award zeigt das Team Boston am Beispiel der US-Stadt Somerville, was es bringt, wenn Auto und Stadt sich vernetzen.

Audi Urban Future Award

Stadt mit Zukunft: Das Team Boston will dafür sorgen, dass das Geld in die Projekte fließt, die den Menschen helfen

Hilft der Stadt ein weiteres Parkhaus? Wie viel Raum und Zeit spart pilotiertes Parken? Zahlt sich ein intelligentes Ampelsystem aus? Fragen wie diese umtreiben das Team Boston beim Audi Urban Future Award 2014. Stadtplaner Philip Parsons und seine Kollegen wollen Städten und der Automobilindustrie Daten liefern, die ihnen helfen, die richtigen Investitionsentscheidungen zu treffen. „Die Zukunft von Städten wird nicht in Gebäuden, sondern auf dem Weg von A nach B entschieden“, sagt Parsons.

Der ehemalige Harvard-Dekan leitet eines der vier Teams, die 2014 um die Auszeichnung kämpfen. Die Konkurrenz kommt aus Berlin, Mexiko City und Seoul. In diesem Jahr lautet das Leitmotiv des Wettbewerbs zur urbanen Mobilität der Zukunft „Auto findet Stadt“. In der Initiative befasst sich Audi seit 2010 im Dialog mit internen und externen Experten mit der Mobilität von morgen.

Das Team Boston folgt der Prämisse, dass die Grenzen zwischen Mobilität und Immobilität aufgehoben werden. Es geht unter anderem darum, wie urbane Technologien wie das pilotierte Parken in den Städten Raum und Zeit sparen können. „Der Fortschritt liegt darin, dass unsere Technologien nicht nur dem Auto, sondern auch der Stadtentwicklung dienen“, sagt Audi-Chef Rupert Stadler. Beim diesjährigen Award sind deshalb Lösungen für konkrete Stadtentwicklungsprojekte gefragt.

Das Bostoner Team beschäftigt sich mit Somerville, einer 90.000-Einwohner-Stadt nördlich von Boston, deren Schicksal seit jeher an seiner Verkehrssituation hängt: Einst ging es der Region gut, weil sich dank der guten Eisenbahnanbindung viele Firmen hier ansiedelten. Als dann die Autobahnen ins Hinterland gebaut waren, zogen die Unternehmen in diese günstigeren Quartiere. Somerville verkam zusehends und handelte sich in den 1980er-Jahren den Spitznamen „Slummerville“ ein.

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Das Team Boston: Federico Parolotto, Janne Corneil und Philip Parsons

Aktuell ist die Stadt aber wieder voll im Aufwind. Damit das so weitergeht, müssen jetzt die richtigen Mobilitätsentscheidungen fallen, die eine komfortable Anbindung an die Metropolregion sichern. Hier kommt das Team Boston ins Spiel: Mit hochmodernen Simulationsprogrammen will das Trio zeigen, wie sich Investitionen in Straßen oder Technologien in den kommenden Jahrzehnten auswirken. Das soll eine solide Basis für Investitionsentscheidungen schaffen, die längst nicht mehr nur die Städte allein treffen.

„In Zeiten des rasanten technologischen Wandels sollten Städte nicht mehr am Reißbrett, sondern im intensiven Dialog mit Bewohnern, Unternehmen und Investoren, Soziologen und Ökonomen, Mobilitätsanbietern und Technologieexperten geplant werden“, sagt Teamleiter Parsons. Passend zu diesem Konzept sind die Teams beim Audi Urban Future Award interdisziplinär zusammengesetzt. Der Stratege Parsons trifft auf Federico Parolotto, Experte für die Simulation von Verkehrsflüssen, und die Stadtdesignerin Janne Corneil.

Die Vision des Teams Boston ist ein digitaler Mobilitätsmarktplatz, auf dem Bewegung zur handelbaren Ware wird und das Geld in die Projekte fließt, die den Menschen dienen. Auf einem solchen Marktplatz, so die Idee, würde auch transparent, welche Technologien in Zukunft gefragt sind. Das pilotierte Fahren beispielsweise: Audi hat auf der Consumer Electronics Show CES Autos vorgestellt, die selbsttätig fahren können. Das Institute of Electrical and Electronics Engineers (IEEE) in New York geht davon aus, dass im Jahr 2040 drei Viertel der Autos pilotiert unterwegs sind.

Intelligente Technologien helfen den Städten und ihren Bewohnern, weil sie Raum und Zeit sparen. Mobilitätsexperte Federico Parolotto hat berechnet, dass mit pilotiertem Parken die nötige Parkfläche um zwei Quadratmeter pro Auto schrumpft. In einem Parkhaus würden so zweieinhalbmal so viele Autos unterkommen wie heute. Die so genannte Car-to-x-Kommunikation, also die Vernetzung von Autos mit anderen Autos, Parkhäusern oder Ampeln, kann den Verkehr künftig zudem sicherer machen. Wenn etwa Autos untereinander kommunizieren, kann der Vordermann den Hintermann vor Glatteis warnen.

Audi Urban Future Award

Das AUFA-Team untersucht unter anderem, wie viel Platz pilotiertes Parken spart

Mit dem Ampelphasenassistent gibt Audi zudem schon heute einen Ausblick darauf, welchen Beitrag Technologien in Zukunft zu mehr Nachhaltigkeit in den Städten liefern. Der Assistent teilt den Autofahrern mit, wie schnell sie jeweils fahren müssen, um auf der grünen Welle zu fahren. Die Fahrer passen ihre Geschwindigkeit an und bringen so den Verkehr zum Fließen. Teamleiter Parsons ist überzeugt: „Sobald Technologien als berechenbare Vorteile auf den Bildschirmen von Investoren, Stadtplanern und Mobilitätsexperten erscheinen, kommen sie auch zeitnah auf die Straße.“

Stadtdesignerin Janne Corneil geht gar davon aus, dass Technologien die Beziehung der Bewohner zu ihrer Stadt verbessern können – zum Beispiel wenn das Auto seinen Fahrer vor dem Büro absetzt und pilotiert zum Parkplatz am Stadtrand fährt. „Wenn sich das Auto selbst wegstellt und der Fahrer das Bürogebäude nicht mehr durch die Tiefgarage, sondern durch die Vordertür betritt, bekommt der Mensch wieder eine Chance, mit der Stadt in Verbindung zu treten“, sagt Corneil. „So kann pilotiertes Fahren letztlich auch das ,Erlebnis Stadt‘ verbessern.“ Urbane Mobilität, so ließe sich der Gedanke fortsetzen, ist eben nicht nur eine Frage von Raum- und Effizienzgewinnen. Es geht auch um ein Lebensgefühl.

Im Rahmen unserer Serie zum Audi Urban Future Award stellen wir Ihnen in den kommenden Wochen die Teams und ihre Projekte ausführlich vor. Weitere Informationen finden Sie unter audi-urban-future.com sowie auf Twitter unter dem Hashtag #AudiUrbanFuture.


Reaktionen aus dem Netz (Trackbacks)

  1. Von autonomen Taxis und anderen Utopien | Demografie-Blog - 14.11.2014

    […] New York im Jahr 2030: 20% mehr Einwohner als im Jahr 2014, trotzdem gibt es weniger Autos, weniger Verkehrstote und weniger Staus. Über digital angeforderte autonome Taxis fahren nur die Wege, die nötig sind, um einen Passagier aufzunehmen und ihn zum Ziel zu bringen. Danach fahren sie direkt zum nächsten Kunden oder steuern das nächstgelegene Parkhaus an, wo sie auf einen neuen Auftrag warten. Das bedeutet minimale Verkehrsbelastung und maximale Effizienz. Unrealistische Utopie? Oder logische Folge interdisziplinärer Studien und Arbeiten wie Audis „Urban Future Initiative“? […]

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