Sabrina Kolb
03.11.2014
Audi Urban Future Award
Das Auto als virtuelle Erlebnismaschine

Die reale Welt kann von der virtuellen lernen, glaubt das koreanische Team des Audi Urban Future Award. Es untersucht Wünsche und Bedürfnisse asiatischer Trendsetter und gleicht sie mit den technischen Möglichkeiten von Stadt und Auto ab.

Auto findet Stadt

In Korea ist das Internet vier Mal schneller als im weltweiten Durchschnitt und omnipräsent. Jeder Koreaner hat Zugang zum Breitband-Netz, 80 Prozent nutzen ihr Smartphone online, 66 Prozent sind Mitglied in sozialen Netzwerken

Längst hat das Internet den Alltag der meisten Menschen durchdrungen. Smartphones und Tablets sind zum ständigen Begleiter geworden und haben sich als nützliche, jederzeit einsetzbare Informationsquellen etabliert. Die Adresse des Restaurants vergessen, in dem man sich mit Freunden zum Abendessen trifft? Der Verkäuferin schnell ein Bild des Mantels zeigen, den man sucht? Ein fremdsprachiges Verkehrsschild übersetzen? Kein Problem mehr.

„Realität und Virtualität verschmelzen“, lautet die Ausgangshypothese des koreanischen Teams des Audi Urban Future Award 2014. In dem mit 100.000 Dollar dotierten, interdisziplinären Wettbewerb untersuchen vier Teams aus vier Kontinenten wie Mobilität der Zukunft aussehen kann und welche Rolle Daten dabei spielen. Konkrete Stadtentwicklungsprojekte dienen als Forschungsobjekt und sind zugleich Impulsgeber für die Suche nach den Trends von morgen.

Passend zu dem interdisziplinären Charakter des Wettbewerbs bestehen auch die Teams aus Experten der unterschiedlichsten Fachrichtungen. In Seoul arbeiten Stadtplaner Taig Youn Cho, Produktdesigner und Creative Director Yeongkyu Yoo sowie Sung Gul Hwang, seines Zeichens Ethnograph, Experience Strategist und Kopf des Teams.

Auto findet Stadt

Team Seoul: Ethnograph und Experience Strategist Sung Gul Hwang, Jiyoun Yong und Stadtplaner TaigYoun Cho. Nicht im Bild: Yeongkyu Yoo, Prduct Designer und Creative Director

Sung Gul Hwang beschäftigt sich vor allem mit der Frage, was Menschen sich wünschen. Er schaut insbesondere auf das Szeneviertel Gangnam der rund zehn Millionen Einwohner großen Stadt Seoul. Hier entstehen die Lifestyletrends, die die asiatischen Märkte prägen. Auf 42 Quadratkilometern drängt sich eine halbe Million Stadtbewohner. Die Straßen sind gesäumt von Edelboutiquen, Wellnesstempeln und Karaokebars. Nachts drängen sich Luxuslimousinen auf die mehrspurigen Straßen. Schnelle, teure Wagen sind eines der wichtigsten Statussymbole in Asien.

Koreas Leistungsgesellschaft orientiert sich vor allem in eine Richtung: nach oben. Das gilt für die eigene Karriere ebenso wie für den Autokauf. Das klassische „immer mehr“ ist in Asien noch immer ein Zeichen des Erfolges: mehr PS, mehr Hubraum, die teure Luxusausstattung im Innenraum. Doch in Zukunft wird auch das sich verändern, glaubt das koreanische Team. „Wir denken über neue Möglichkeiten nach, Auto und Status zu verknüpfen. Das können innovative Services sein, die ein Hersteller seinen Kunden anbietet, oder auch bestimmte Erkennungszeichen wie etwa Clubmitgliedschaften, die sowohl im digitalen, als auch im realen Raum sichtbar sind“, sagt Sung Gul Hwang.

Das betrifft auch den Fahrspaß von morgen. Sung Gul Hwang und sein Team glauben, dass sich auch das Autofahren verändern wird. Einerseits betrifft das die kontinuierliche Weiterentwicklung der Fahrerassistenzsysteme wie das pilotierte Fahren. „Die Menschen werden die Wahl haben, das Steuer selbst zu übernehmen, wenn sie Lust dazu haben. Im Stau oder bei längeren Touren übernimmt die Technik – der Fahrer kann entspannen, arbeiten oder sich unterhalten.“ Auch verschiedene Fahrmodi wie einen Achterbahn-Modus, der mit den Insassen um die Kurven driftet, oder einen Romantik-Modus mit künstlichem Kerzenschein und abgedunkelten Fenstern kann sich das Team vorstellen.

Auto findet Stadt

Fast jedes relevante Objekt wird in Zukunft eine IP-Adresse besitzen. Das Auto wird als ultimatives mobiles Device in der Lage sein, mit seiner Umwelt zu kommunizieren

Andererseits entwickeln sich auch Infotainment und digitale Serviceangebote im Auto weiter. Sung Gul Hwang, TaigYoun Cho und Yeongkyu Yoo entwerfen Designkonzepte, die das Auto als mobiles Interface, als virtuelle Erlebnismaschine und als soziales Device an der Lebensader der Stadt sehen. Das Team glaubt, dass das Auto der Zukunft auf ganz neuen Wegen mit seiner Umgebung kommunizieren wird.

„Heute trennt uns das Auto noch von unserer Umgebung, morgen wird es zum digitalen Interface“, sagt Teamleiter Sung Gul Hwang. In seinen Designskizzen ist die Frontscheibe im Auto demnächst ein volldigitales Display, das dem Fahrer Informationen über die Orte liefert, an denen er vorbeifährt. Das kann die Speisekarte des Restaurants sein, in dem man sich mit Freunden zum Abendessen verabredet hat, die Sonderangebote in der Boutique oder Daten zur Verkehrslage auf der eigenen Strecke.

„In der Stadt warten unendliche Informationen auf uns. Unser Auto kennt uns, es weiß, wo wir hin wollen und was wir gerne machen, es kann diese Information für uns filtern und uns das Leben erleichtern“, glauben die Koreaner. Ganz ähnlich denkt auch Audi-Chef Rupert Stadler: „Unsere Städte müssen die Schnittstellen zur Virtualität schaffen. In einer Welt des Internet of Everything, in dem alle relevanten Objekte eine IP-Adresse erhalten, wird das Auto mit allen diesen Objekten kommunizieren und unser Leben einfacher und planbarer machen.“

In den vergangenen Wochen haben wir Ihnen im Audi Blog die vier Teams vorgestellt, die am Audi Urban Future Award 2014 teilnehmen. Weitere Informationen zum Wettbewerb finden Sie unter audi-urban-future.com sowie auf Twitter unter dem Hashtag #AudiUrbanFuture. Die Preisverleihung findet am 10. November in Berlin statt.


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