Barbara Wege
10.11.2014
Audi Urban Future Award 2014
Datensammler aus Mexiko City machen das Rennen

Das Team Mexiko City hat den Audi Urban Future Award 2014 gewonnen. Mit seinem „Betriebssystem für die urbane Mobilität“ legt das Trio um Harvard-Professor José Castillo die Basis, um den Verkehr in der Megacity zum Fließen zu bringen.

Rupert Stadler, Vorstandsvorsitzender der Audi AG, mit den strahlenden Siegern des Teams Mexiko City (von links) José Castillo, Gabriella Gomez-Mont und Carlos Gershenson

So sehen Sieger aus – und so sehen Teamplayer aus! José Castillo, Gabriella Gomez-Mont und Carlos Gershenson liegen sich in den Armen, stecken die Köpfe zusammen und bilden einen eingeschworenen Kreis. Neun Monate haben die Drei auf diesen Moment hingearbeitet, nun steht fest: Die Mexikaner haben den weltweit höchst dotierten Preis für innovative Mobilitätslösungen gewonnen und nehmen 100.000 Euro mit nach Hause. Mit ihrem „Betriebssystem für die urbane Mobilität“ setzten sie sich gegen die Konkurrenz aus Berlin, Boston und Seoul durch.

Unter dem Motto „Auto findet Stadt“ haben die vier interdisziplinären Teams seit Februar Konzepte für die urbane Mobilität von Morgen erarbeitet. „Bei der Mobilität der Zukunft geht es darum, Freiheit zurückzugewinnen und zu erhalten“, erklärte Rupert Stadler, Vorstandsvorsitzender der AUDI AG bei der Award-Verleihung in Berlin. Angesicht von Staus und Parkplatznot in den Städten gehe es darum, neue Effizienzformeln zu finden – mit denen Raum, Zeit und Ressourcen so klug wie möglich genutzt werden.

Das Siegerteam aus Mexiko hat eine App entwickelt, über die Pendler ihre Mobilitätsdaten bereitstellen können

Die Gewinner aus Mexiko City setzen dabei auf Datenspende: Das Team hat eine Datenplattform geschaffen, in die Pendler, die Stadt Mexiko City und Firmen wie Microsoft oder HP Mobilitätsdaten einspeisen. Ziel ist eine Mobilitätsdatenbank, die die Verkehrssituation in der Stadt in Echtzeit abbildet. So könnten Städte bedarfsgerecht reagieren und Autofahrer ihre Pläne flexibel anpassen, indem sie zum Beispiel eine halbe Stunde später losfahren. Der renommierte Architekt und Stadtplaner José Castillo, IT-Experte Carlos Gershenson und die Leiterin des Innovationslabors von Mexiko City, Gabriella Gomez-Mont, sind sich sicher: „Das Automobil kann genau die Probleme lösen, die es selbst verursacht hat.“

Mit diesem Konzept überzeugten die Mexikaner die neunköpfige, interdisziplinär zusammengesetzte Award-Jury. Die Juroren aus den USA, England, Kolumbien, China und Deutschland trafen ihre Entscheidung entlang von Parametern wie Innovationskraft, Umsetzungsfähigkeit, Nachhaltigkeit und Übertragbarkeit auf andere Städte. „Die Ideen der Teams waren so vielfältig wie die Städte, aus denen sie stammen. In allen Vorschlägen stecken spannende Ansätze“, sagte Prof. Dr. John Urry, Direktor des Zentrums für Mobilitätsforschung der Lancaster University und Vorsitzender der Jury. Er ist sich sicher, dass viele Komponenten aus den Konzepten der Teams zukünftig in urbanen Kontexten umgesetzt werden. „Letztlich haben wir uns für Mexico City entschieden, weil das Projekt bereits in die Umsetzung geht und konkrete und vor allem auch bezahlbare Lösungen für die drängenden Mobilitätsprobleme in den Megacitys der Schwellenländer liefert“, berichtet Urry.

Das Team Mexiko und ihre Sparringspartner aus dem Audi Urban Insight Team haben bei der Projektarbeit die Erfahrung gemacht, „dass der Datenstau in Mexiko City einen gesellschaftlichen Paradigmenwechsel ausgelöst hat“, erklärt Annegret Maier, Head of Data Intelligence bei Audi: „Die Menschen teilen freiwillig ihr Daten, um weniger Zeit im Verkehr zu verlieren. Sie glauben daran, dass aus ihren Daten eine effiziente Verkehrsplanung entsteht.“ Klar sei aber auch: „Wenn Menschen Daten spenden, haben sie auch ein Recht, dass die daraus entstehende Datenplattform der Allgemeinheit zur Verfügung steht.“ Das Audi Urban Insight Team besteht aus Audi-Experten, die sich regelmäßig mit den Wettbewerbsteams zu Themen wie Design, pilotiertem Parken oder vernetzter Mobilität austauschen.

Max Schwitalla vom Team Berlin präsentierte das Konzept einer intermodalen Premiummobilität am Beispiel der Anbindung der Urban Tech Republic an die Berliner City

Wo Auto und Stadt sich vernetzen, schafft das für die Bürger einen Zugewinn an Raum, Zeit und Effizienz – das machen auch die Wettbewerbsbeiträge aus Berlin, Boston und Seoul deutlich. Das Team um den Architekten Max Schwitalla hat ein Konzept zur Anbindung der Urban Tech Republic an den Flughafen Tegel entwickelt. Ansetzend an der bestehenden Infrastruktur sollen dabei individuelle und öffentliche Transportmittel nahtlos ineinander greifen. „Wenn die Verkehrssysteme einer Stadt streng voneinander getrennt funktionieren, entstehen automatisch Wartezeiten an Haltestellen und Engpässe auf der Straße“, erklärt Schwitalla: „Wir wollen die Vorteile der einzelnen urbanen Transportmittel kombinieren und die Anschlusslücke auf der letzten Meile schließen.“ Im Zentrum steht die frühere Siemens-Hochbahn-Trasse. Pilotiert fahrende Autos sollen die Menschen von der Urban Tech Republik zum U- und S-Bahnhof Jungfernheide bringen.

Das Team Boston um Stadtplaner Philip Parsons will einen „multimodalen Marktplatz für Mobilität“ schaffen, der für Städte berechenbar macht, was Investitionen konkret bringen. Die komplexe Software „Urban Dashboard“ simuliert den Einsatz von Zukunftstechnologie und zeigt deren Auswirkungen auf die Stadtstruktur. Am Beispiel von Somerville, einer prosperierenden Stadt nahe Boston, zeigt das Team, dass 2040 dank moderner Mobilitätstechnologien die Steuereinnahmen um elf Prozent steigen, die Pendelzeiten um 30 Prozent sinken und neue Jobs entstehen könnten. „Unser Marktplatz für moderne Mobilitätslösungen beweist, dass neue Chancen für Städte entstehen, wenn die Stadtplanung das Potential intelligenter Mobilität nicht nur kennt, sondern schwarz auf weiß berechnen kann“, erklärt Parsons.

Das Team Seoul um den Designer Sung Gul Hwang hat aus koreanischer Perspektive Ideen entwickelt zur User Experience in pilotiert fahrenden Autos. Die Entwürfe basieren auf ethnografischen Erhebungen im Szeneviertel Gangnam. Koreanischen Trendsettern ist Unterhaltung enorm wichtig, sie kommunizieren vorwiegend digital und wollen darauf auch unterwegs nicht verzichten. Digitale Helfer, so die Ansätze des Trios aus Seoul, müssten das Auto entsprechend zum „Movable“, zum Social Device und zur virtuellen Erlebnismaschine machen.

Umweltbewusstes Fahren könnte dann gefördert werden, wenn es die Leistungsbereitschaft und das Statusbewusstsein der Koreaner anspricht. Wer vorbildlich fährt, könnte mit digitalen Prämien belohnt werden, die auf dem Exterieur des Autos zur Schau gestellt werden. „Um das Auto der Zukunft neu zu erfinden, müssen wir verstehen, welche Rolle es in unserer Gesellschaft einnimmt, welche Werte und Emotionen es transportiert und wie es mit der Stadt und den Menschen kommuniziert“, erklärt Ethnograph Hwang.

Die Erkenntnisse aus dem dritten Audi Urban Future Award münden in die neue „Urbane Agenda“ von Audi. Dabei startet das Unternehmen Entwicklungspartnerschaften mit Städten und geht dabei den nächsten logischen Schritt in Richtung urbane Mobilität der Zukunft.

Weitere Infos zum Award und zur Audi Future Initiative finden Sie hier: audi-urban-future.com


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