Britta Meyer
05.01.2015
CES 2015
Mit Jack durch Kalifornien

550 Meilen vom Silicon Valley zur CES nach Las Vegas mit dem Audi A7 piloted driving concept: Tag eins der Tour führte von Stanford nach Bakersfield – und Jack hat die Testfahrt mir Bravour bestanden. Ein Reisebericht.

Audi Piloted Driving

Der Audi A7 piloted driving concept auf unterwegs auf der Interstate 5 Richtung Süden

Es ist kurz vor vier Uhr am Nachmittag, irgendwo auf der Interstate 5 Richtung Süden. Die Sonne steht bereits etwas tiefer am Himmel, die grünen Hügel links der Fahrbahn verschwimmen zu einer Silhouette. Vorne bremst Jack gerade hinter einem Lkw ab, die Bremslichter des Audi A7 piloted driving concept leuchten kurz auf. Der Verkehr ist dicht an diesem Sonntagnachmittag, mehr als 90 Stundenkilometer sind im Moment nicht drin.

Das Entwicklerteam hat es „Jack“ genannt, das pilotiert fahrende Auto, das heute seinen ersten öffentlichen Langstreckentest absolviert. Fünf Journalisten werden die 550 Meilen vom kalifornischen Stanford bis nach Las Vegas in Nevada fahren, jeder von ihnen sitzt für etwa 100 Meilen hinter dem Steuer. Als Erster hatte Jason Harper die Chance, als Beifahrer auf dem Fahrersitz Platz zu nehmen. Der Journalist schreibt unter anderem für das „Fortune Magazine“ und ist beeindruckt. Nur am Anfang sei es ungewohnt gewesen: „Es ist nicht einfach, bei diesem starken Verkehr nicht doch irgendwann nach dem Lenkrad greifen zu wollen“, beschreibt er das Gefühl auf dem Fahrersitz.

Jürgen Schmieder von der „Süddeutschen Zeitung“ ist den letzten Teil der Tagesetappe nach Bakersfield gefahren und sein Eindruck war ähnlich: „Am Anfang fühlt es sich an wie auf dem Beifahrersitz neben einem Fahranfänger – und nach ein paar Minuten stellst du fest: ‚Hey, der kann fahren!‘ Am Ende hätte ich am liebsten das Steuer gar nicht wieder übernommen.“ In einem neuen Auto, auf einer ungewohnten Strecke und das am Abend in der Dunkelheit – da kann ein autonom fahrendes Fahrzeug sehr hilfreich sein.

„Mit der Testfahrt von der Westküste Kaliforniens nach Las Vegas demonstrieren wir unsere Führungsrolle im Bereich pilotiertes Fahren“, sagt Entwicklungsvorstand Ulrich Hackenberg. In dem System, das der Audi A7 piloted driving concept nutzt, haben die Audi-Entwickler den neuesten Stand der Technik umgesetzt. Das Forschungsfahrzeug kann den Fahrer auf Autobahnen bei Geschwindigkeiten bis zu über 110 Stundenkilometern entlasten und selbständig die Spur wechseln oder überholen.

Außerdem kann der Audi A7 piloted driving concept von allein beschleunigen und bremsen. Vor dem Ausscheren nach links oder – wie in den USA erlaubt – nach rechts gleicht er sein Tempo an die Geschwindigkeit der Autos im Umfeld an. Wenn die Berechnung ergibt, dass Distanz und Zeit ausreichen, wechselt er zügig und exakt die Spur.

Audi Piloted Driving

Jürgen Schmieder von der „Süddeutschen Zeitung“ unterwegs als „Beifahrer“ mit Jack

Möglich machen das unterschiedliche Sensoren: Die Long-Range Radarsensoren der adaptive cruise control (ACC) und des Audi side assist (ASA) überwachen die Bereiche vor und hinter dem Auto. Je zwei Mid-Range-Radarsensoren an Front und Heck ergänzen die 360‑Grad-Rundumsicht. Im Singleframe-Grill und in der Heckschürze arbeiten Laserscanner. Eine hochauflösende 3D-Videokamera blickt in einem weiten Winkel nach vorne und vier kleine Kameras an der Front und am Heck beobachten die nahe Umgebung. Für die generelle Orientierung dienen Navigationsdaten.

In der Stadt stößt das System noch an seine Grenzen, dann fordert es den Fahrer aus Sicherheitsgründen auf, das Steuer wieder zu übernehmen. Farbige LEDs in der Windschutzscheibenwurzel, Anzeigen im Fahrerinformationssystem und einem speziellen Display geben Hinweise. Sollte der Fahrer diese Signale ignorieren, aktiviert das System das Warnblinklicht und bringt das Auto in einen Zustand minimalen Risikos – meist ist das der Stillstand am rechten Fahrbahnrand.

Auf dem Weg nach Bakersfield ist das am Sonntag natürlich nicht passiert. Jack hat erst am Abend auf dem Hotelparkplatz angehalten. Von dort geht es am frühen Montagmorgen weiter Richtung Las Vegas.

Verfolgen Sie auch den zweiten Teil der pilotierten Fahrt von Bakersfield nach Las Vegas am 5. Januar auf Facebook und Twitter.



6 Antworten auf Mit Jack durch Kalifornien

  1. Marko 05.01.2015 at 11:47 #

    pilotiertes Fahren könnte in Zukunft sehr hilfrich sein, um die zahlreichen Unfälle zu vermeiden. Aber in diesem Audi A7 hätte ich auch zu gerne eine Testfahrt gemacht

  2. Samy 09.01.2015 at 14:38 #

    Ich bin gespalten was das Pilotierte fahren angeht….Zumal wenn das in Serie geht werden mit Sicherheit die Taxifahrer arbeitslos….und nicht nur die….Darüber denkt dann aber keiner nach..Dann ist das Geschreie wieder gross…
    Lieber stecke ich mehr Geld als Unternehmer in meine Taxiflotte und hab die Kosten über paar Jahre wieder drin, wie wenn ich meine Fahrer bezahlen muss.

    Technik schön und gut aber irgendwann braucht man den Mensch garnichtmehr und dann werden nur noch Mechaniker gesucht zum instandsetzen der Maschinen, Fahrzeuge..

    Von dem Standpunkt aus gesehen finde ich es zum kotzen.

Reaktionen aus dem Netz (Trackbacks)

  1. Audi piloted driving (DE) | Ekalase.net - 14.01.2015

    […] Lesen Sie mehr dazu auch im Audi Blog: http://blog.audi.de/2015/01/05/mit-ja… […]

  2. Autonomes Fahren | Internet of Things - 26.02.2015

    […] http://blog.audi.de/2015/01/05/mit-jack-durch-kalifornien/ […]

  3. Gibt es ihn noch den "Vorsprung durch Technik"!? Seite 192 : @PPL-1 "ist die Frage wie Leistungsstark so ein Prozessor s... - 13.03.2015

    […] Link […]

  4. Rendezvous mit Jack - 27.05.2016

    […] Probefahren darf. Pilotiert. Der Jack, der praktisch ohne menschliche Hilfe 2015 fast 885 Kilometer quer durch Kalifornien gefahren […]

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