Barbara Wege
19.01.2015
Audi Lehrbeauftragte an Hochschulen
Die Wissensmacher

Erfahrung weitergeben, Kontakt zur Wissenschaft pflegen, am Puls der Zeit bleiben: Das sind nur einige der vielfältigen Motivationen, warum Audi Mitarbeiter an Hochschulen lehren. Audi fördert dieses Engagement gezielt – aus guten Gründen.

Audi-Mitarbeiter Georg Seitz hat für die TH Ingolstadt die Ringvorlesung „Das physikalische Bordnetz im Automobil“ entwickelt

„Mein Fachwissen dem Nachwuchs zu vermitteln, es zu dokumentieren und für andere zugänglich zu machen – das ist meine Leidenschaft“, sagt Georg Seitz. Der 58-Jährige ist Projektmanager für die Steuerung von Bordnetzsystemen in der Elektronik-Entwicklung bei Audi. In den vergangenen Monaten hat er das bundesweit erste Wahlfach speziell zum physikalischen Bordnetz im Automobil an einer Technischen Hochschule entwickelt. In diesem Semester ist die Veranstaltung an der TH Ingolstadt gestartet.

Georg Seitz ist einer von derzeit 115 Lehrbeauftragten bei Audi, die sich neben ihrer Tätigkeit bei dem Automobilbauer auch an Hochschulen engagieren. Audi fördert diesen Einsatz gezielt und unterstützt die Mitarbeiter dabei, beides miteinander zu verbinden. „Wir übernehmen hier als Unternehmen Verantwortung, unser Know-how weiterzugeben“, sagt Dr. Sonia Hornberger, die im Rahmen der Audi Wissenschaftskooperationen die Lehrbeauftragten betreut und berät. An den Hochschulen vertreten die Lehrbeauftragten Audi nach außen und leisten so einen Beitrag dazu, dass talentierte Nachwuchskräfte Kontakte zu dem Automobilbauer knüpfen.

Audi bietet den Lehrbeauftragten die Möglichkeit, ihre Vorlesungen, Seminare oder Projekte mit Studierenden während der Arbeitszeit durchzuführen. Der Einsatz an den Hochschulen ist dann natürlich ehrenamtlich. Wer für seine Veranstaltungen bezahlt werden will, hält sie während seiner privaten Zeit. Vorbereitung und Klausurkorrekturen erfolgten ohnehin in der Regel in der Freizeit, berichtet Hornberger. Regelmäßig veranstaltet Audi Treffen und Vorträge, bei denen sich die Lehrbeauftragen austauschen und weiterbilden. Da geht es dann zum Beispiel um die Didaktik des Lernens oder die Rolle des Humors in der Wissensvermittlung.

Die Lehrbeauftragten kommen aus allen Fachbereichen, von der Technischen Entwicklung über die Produktion bis zu Vertrieb und Finanzen. Das Interesse ist groß. Im Jahr 2009 begann Audi die Lehrbeauftragten gezielt zu fördern. Seitdem hat sich die Zahl der beteiligten Mitarbeiter mehr als verdoppelt, auch die Audi Vorstandsmitglieder engagieren sich in der Lehre. Die Lehrbeauftragten veranstalten ihre Vorlesungen, Seminare und Projekte an Hochschulen rund um den Globus – in Györ, Bratislava oder Changchun. Schwerpunkte bilden jedoch die näher am Unternehmenssitz gelegenen Hochschulen wie die TH Ingolstadt oder die TU München.

Lehrbeauftragten-Koordinatorin Hornberger hält selbst an der KU Eichstätt-Ingolstadt und an der TH Ingolstadt Vorlesungen zu Menschengerechter Arbeitsgestaltung. „Mein Fachwissen zu vermitteln ist mir ein persönliches Anliegen, das mir große Freude bereitet“, berichtet sie und weiß daher aus eigener Erfahrung: „Wir bieten den Lehrbeauftragen auch die Möglichkeit, sich durch Engagement an Hochschulen selbst zu verwirklichen.“

Georg Seitz legt Wert auf Praxisnähe und erklärt den Studierenden der TH Ingolstadt das Bordnetz im Automobil anhand eines Modells

Für Georg Seitz war die Arbeit mit Nachwuchskräften schon immer eine Herzensangelegenheit. In jungen Jahren bildete der gelernte Technische Zeichner und studierte Maschinenbauer selbst junge Menschen aus. Im Jahr 1998 kam Seitz als Entwicklungsleiter Leitungssatzkompontenten zu Audi. Später hielt er unter anderem Vorlesungen an der RWTH Aachen, der TU Karlsruhe und der TU Dresden.

Die neue Ringvorlesung zum Bordnetz im Automobil hat Seitz selbst konzipiert. Adressaten sind unter anderem Studierende der Fakultäten Elektrotechnik und Maschinenbau an der TH Ingolstadt. Beim Bordnetz geht es um alle elektrischen Komponenten im Fahrzeug wie Steuergeräte, Verkabelungen und Sensoren. Die Vorlesungsinhalte reichen von der Bordnetzentwicklung und den Komponenten über die Konfektion bis zum Fahrzeugeinbau. „Zu den einzelnen Elementen wie Sicherung, Kontaktsysteme oder Verbindungstechnologien gab es natürlich Vorlesungen und Literatur“, berichtet Seitz: „Aber wir bündeln die Themen erstmals in Bezug auf das Automobil.“

Sechs Vorträge innerhalb der Ringvorlesung hält der Bordnetz-Experte selbst. Hinzu kommen sechs Referenten aus den Audi-Fachbereichen Technische Entwicklung, Produktion und Qualitätssicherung sowie sieben Vertreter von Zulieferern wie Nexans oder G&G. Praxisnähe ist also garantiert.

„Jedes Mal bringen die Referenten Teile mit, über die sie sprechen. Da hat man etwas in der Hand und kann sich das Ganze leichter vorstellen“, sagt Dominik Friedrich, der bei Audi seine Ausbildung zum KfZ-Mechatroniker gemacht hat und jetzt Elektro- und Informationstechnik an der TH Ingolstadt studiert. Georg Seitz bringt in seine Vorlesungen zum Beispiel gern das Modell eines Bordnetzes im Audi A4 mit und zeigt so, wo welches Teil im Auto eingebaut wird. Er genießt den Ruf, komplexe Themen durch Strukturierung anschaulich zu machen. „Die Verbindung zum Alltag ist mir besonders wichtig“, berichtet der Familienvater.

Der Austausch zwischen Studierenden und Audi Vertretern aus der Praxis ist für beide Seiten in vielerlei Hinsicht ein Gewinn. Der Nachwuchs erfährt, wie das Wissen aus der Universität später im Beruf Anwendung findet. Und auch die Audi Vertreter nehmen viel mit: „Man wird konfrontiert mit der jungen Generation: Wie denken sie? Wie ticken sie? Wie arbeiten sie?“, sagt Dr. Hans-Joachim Gergs. Der 49-Jährige ist interner Berater im Veränderungsmanagement bei Audi und lehrt nebenbei an der TU München, der University of London und der Universität Heidelberg.

„Durch die Lehre an der Universität halte ich mich selbst innovativ“, sagt Audi-Mitarbeiter Hans-Joachim Gergs

An der Universität Heidelberg arbeitet er mit Bachelor-Studierenden, an der TU München und der University of London sind es MBA-Studierende aus der ganzen Welt. „Die Internationalität inspiriert mich und erweitert meinen Horizont. Als Lehrender lernt man auch eine Menge und bringt dem eigenen Unternehmen viel zurück“, sagt Gergs: „Es fordert mich heraus, mich immer mit neuen Themen zu beschäftigten. Durch die Lehre an der Universität bleibe ich selbst innovativ.“

Auch Bordnetz-Experte Georg Seitz hat seine nächste Herausforderung bereits im Blick: „Ich habe diesen inneren Drang, es immer noch ein bisschen besser zu machen.“ Der 58-Jährige möchte die Inhalte der Ringvorlesung zum Bordnetz in Richtung einer Zertifikatsausbildung weiterentwickeln, die dann bei Audi und anderen Firmen zur Qualifizierung von Mitarbeitern genutzt werden kann. Wissen weitergeben, dokumentieren und zugänglich machen – seine Mission eben. „Immer das Gleiche“, sagt er: „Das ist nichts für mich.“


2 Antworten auf Die Wissensmacher

  1. Tim Christopher Gasse 20.01.2015 um 20:02 #

    Guter Artikel, viele gute Infos.

    Danke und beste Grüße aus Hannover,

    Tim

  2. Sattelberger 13.06.2016 um 12:52 #

    Lieber Herr Dr.Gergs,
    Danke für das gute Buch
    Ihr
    Thomas Sattelberger
    TS-athome@t-online.de

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