Maria Krause
30.01.2015
Nachhaltigkeit
Vom Auspuff zurück in den Tank

Audi geht einen weiteren Schritt in Richtung CO2-neutraler Mobilität. Gemeinsam mit Partnern von sunfire und Climeworks betreiben die Vier Ringe eine Pilotanlage, die aus Kohlendioxid, Wasser und Ökostrom synthetischen Diesel herstellt.

Vom Auspuff zurück in den Tank

Genügsam: Die Anlage arbeitet nach dem Power-to-Liquid-Prinzip. Sie benötigt lediglich Kohlendioxid, Wasser und Strom

Die Anlage in der Nähe von Dresden verwertet nicht fossiles Kohlenstoffdioxid und verwandelt es zu einem kostbaren Rohstoff für die Gewinnung von synthetischen Kraftstoffen. „Audi ist als Anwender dieses Kraftstoffs der ideale Partner für uns. Die Innovationen, die wir hier entwickeln, können so in die Praxis überführt werden“, erklärt sunfire-Mitbegründer Nils Aldag. Als Rohstoffe benötigt die sunfire-Anlage, die nach dem Power-to-Liquid-Prinzip arbeitet, Kohlendioxid, Wasser und Strom. Das Kohlendioxid wird zukünftig durch Direct-Air-Capturing – einer Technologie des Schweizer Partners Climeworks – direkt aus der Umgebungsluft gewonnen.

In der Pilotanlage möchte Audi mit seinen Projektpartnern beweisen, dass sich dieses Verfahren auch im industriellen Maßstab umsetzen lässt. Benzin, Diesel oder Kerosin sollen in einem dreistufigen Prozess synthetisch hergestellt werden. Der erste Prozessschritt, die Hochtemperatur-Elektrolyse, findet im Herzstück der Anlage statt. Unter hohem Druck von knapp 25 bar und Temperaturen von über 850 Grad Celsius wird Wasserdampf in Wasserstoff und Sauerstoff aufgespalten. Die Energie, die dazu benötigt wird, stammt aus regenerativen Quellen. Im zweiten Schritt erfolgt das sogenannte CO2-Recycling, bei dem der in der Elektrolyse erzeugte Wasserstoff mit CO2 reagiert und in Kohlenmonoxid umgewandelt wird. Nach dem Prinzip der Fischer-Tropsch-Synthese entsteht aus dem Kohlenmonoxid in Verbindung mit Wasserstoff ein hochwertiges  synthetisches Gemisch, auch „Blue Crude“ genannt.

Vom Auspuff zurück in den Tank

Guter Stoff: In der Anlage bei Dresden produziert Audi mit seinen Projektpartnern synthetischen Kraftstoff

„Bei diesem Prozess wird Wärme freigesetzt. Hier zeigt sich die Effizienz des Verfahrens. Wir nutzen die Wärme und erzeugen damit den Dampf, den wir wiederum für den ersten Schritt der Elektrolyse nutzen“, betont Aldag. Mit einem Wirkungsgrad zwischen 65 und 70 Prozent können so circa 160 Liter Blue Crude pro Tag hergestellt werden. Davon lassen sich wiederum bis zu 80 Prozent in synthetischen Diesel umwandeln. Dieser Kraftstoff – Audi e‑diesel – ist frei von Schwefel und Aromaten und weist zudem eine hohe Cetanzahl auf, ist also sehr zündwillig. Der produzierte Kraftstoff wird von Audi abgenommen, ein wichtiger Schritt für eine enge Kooperation.

Mit dem Pilotprojekt in Dresden möchten Audi und seine Partner auch in Zukunft ihre Expertise unter Beweis stellen. „Die Umsetzung des Verfahrens im industriellen Maßstab ist ab 2016 angedacht“, so Dr. Hagen Seifert, Leiter Umweltbilanzen, Erneuerbare Energien und Neue Werkstoffe der AUDI AG.

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Pioniere: sunfire-Mitbegründer Nils Aldag (links) und Dr. Hagen Seifert, Leiter Umweltbilanzen, Erneuerbare Energien und Neue Werkstoffe der AUDI AG

Die Marke mit den Vier Ringen engagiert sich seit 2009 für die Entwicklung CO2-neutraler Kraftstoffe. „Im niedersächsischen Werlte haben wir eine Audi e-gas-Anlage, die durch einen chemischen Prozess synthetisches Methan produziert und mit dem US-Unternehmen Joule erproben wir die Produktion von synthetischen Kraftstoffen mithilfe von Mikroorganismen. Die Anlage hier in Dresden ist ein weiterer, wichtiger Baustein in unserer Strategie der nachhaltigen Mobilität“, sagt Hagen Seifert.

 

 


3 Antworten auf Vom Auspuff zurück in den Tank

  1. Holger P 10.02.2015 um 09:16 #

    Blue Crude als alternativer Kraftstoff finde ich richtig gut. Leider ist der Aufwand für die Herstellung noch sehr hoch. Aber ein tolles Projekt…

    • Christian 10.04.2015 um 11:42 #

      Na ja, „Aufwand zu hoch“ ist realativ. Das Verfahren an sich gibt es schon lange und wird großtechnisch für aromatenfreie Benzine umgesetzt. Eine Interessante Betrachtung wäre allerding die Umsetzung direkt in einem Motor um die Reichweite zu erhöhen.

  2. Pamaku 11.06.2015 um 15:24 #

    Es klingt interessant aber ich denke es lohnt sich nicht wenn es um Geld geht…

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