Verena Väth
28.06.2015
Audi Sport TT Cup
Mit Markus Winkelhock über den Norisring

In dieser Saison feiert der Audi Sport TT Cup Premiere. Wie es sich anfühlt, mit der Rennsport-Version des TT über den Norisring zu fahren? Autorin Verena Väth hat neben Audi Sport TT Cup-Coach Markus Winkelhock Platz genommen und es getestet.

Mit Markus Winkelhock über den Norisring

Verena Väth und Markus Winkelhock vor einem TT Cup Fahrzeug.

 

Nicht mal drei Minuten dauern die zwei Runden auf dem Norisring, aber sie waren der Hammer! Es geht schon beim Umziehen los: aus den Jeans raus,in den  knallroten Rennanzug rein – Norisring, ich komme! An der Strecke folgt die restliche Ausrüstung: Sturmhaube, Motorradhelm und HANS-System zum Schutz der Halswirbelsäule. Cool! Etwas ungelenk (schon einmal versucht, mit Motorradhelm direkt vor einem auf den Boden zu schauen?) bahne ich mir den Weg zum Audi TT cup-Taxi, in dem Markus Winkelhock schon auf mich wartet.

Der Profirennfahrer ist schon seit 17 Jahren im Motorsport aktiv und steht dem jungen Nachwuchs im Audi Sport TT Cup mit Rat und Tat zur Seite. Zentral ist beim Coaching die Auswertung der Telemetriedaten: später bremsen, früher aufs Gas gehen, einen anderen Gang einlegen – kleine Veränderungen können für den entscheidenden Zeitvorsprung sorgen. Mit zwei Geraden, einer Schikane und zwei Spitzkehren ist der Norisring vom Layout her nicht die schwierigste Strecke der Saison. „Aber er ist tückisch“, sagt Winkelhock: „Die Runde ist hier so kurz, dass die Zeitabstände zwischen den Rennautos minimal sind. Wenn du ein oder zwei Zehntel langsamer bist, kann das bis zu acht Positionen ausmachen.“

Mit Markus Winkelhock über den Norisring

Alles Roger: Mit Rennanzug, Sturmhaube, Motorradhelm und HANS-System bin ich startklar.

 

An der Strecke krabbele ich in den Käfig des Audi TT cup und quetsche mich in den engen Beifahrersitz. Mit den Renngurten bin ich fest in den Sitz geschnallt und habe das Gefühl, dass ich mich keinen Millimeter mehr bewegen kann. Fühlt sich so Klaustrophobie an? Winkelhock drückt das Gaspedal durch und fährt auf die Gerade auf. Ich werde in den Sitz gepresst und für einen kurzen Moment macht sich ein flaues Gefühl in der Magengrube breit. Oh nein! Jetzt weiß ich wieder, warum ich nie Achterbahn fahre. Was mache ich hier bloß?! Mir bleibt keine Zeit, länger darüber nachzudenken, weil der Rennfahrer bei 230 km/h die Bremse rein haut. Steilkurve. In dem vermeintlich engen Sitz werde ich nach rechts geschleudert, als der Rennwagen um die Kurve jagt.

Zu den Schwierigkeiten des Norisringes gehört, dass es keine Kiesbetten an der Wegstrecke gibt, wie das bei permanenten Rennstrecken der Fall ist. Wer hier fliegt, knutscht die Mauer. Ich bekomme in der Steilkurve einen ersten Eindruck davon. Das Lenkrad schlingert hin und her, als Winkelhock den TT um die Kurve steuert. Er fährt innen so eng vorbei, dass ich befürchte, er nimmt die Leitplanke mit. Dann kommt er so weit nach rechts außen, dass ich Angst um den Außenspiegel habe. Im Vorbeifahren kann ich die bunten Farbabriebe der Rennfahrzeuge an der Streckenmauer sehen. Mir läuft ein kurzer Schauer über den Rücken. „Ich bin nicht am Limit gefahren“, sagt Winkelhock hinterher und grinst. Aahja – denke ich mir. „In einem Rennen fahre ich auf Risiko – da fliegt schon mal ein Spiegel weg“, ergänzt er. Nach der Steilkurve folgt die Schikane mit einer Rechts- und Linkskurve. Wieder fliege ich in meinem Sitz hin und her, bevor Winkelhock auf der Geraden wieder Vollgas gibt.

Mit Markus Winkelhock über den Norisring

Im Renntaxi mit Profirennfahrer Markus Winkelhock.

 

Die Nachwuchsfahrer des TT Cup haben sich am Rennwochenende in Nürnberg gut geschlagen – auch unter erschwerten Bedingungen: Am Samstag hat es während der Runden geregnet. „Sie sind fehlerfrei gefahren, von ein paar Feindberührungen mal abgesehen. Aber das gehört dazu.“ Sie haben die Anweisung des Profis befolgt und sich auf der nassen Fahrbahn langsam an die Geschwindigkeit herangetastet. Auch bei den ersten beiden Rennen in Hockenheim stellten sie ihr Talent unter Beweis. „Das Potenzial ist bei einigen auf jeden Fall da“, sagt Winkelhock. Bis sich ein Rennfahrer aber bis zur DTM hochgearbeitet hat, können mehrere Jahre vergehen. „Das ist ein harter, steiniger Weg. Aber bei einigen der Fahrerinnen und Fahrer lohnt es sich aus meiner Sicht, ein Auge auf sie zu haben.“

Ich habe inzwischen meine Augen auf die nächste Steilkurve gerichtet. Wieder geht Winkelhock bei voller Fahrt in die Eisen, um den Audi TT cup um die Kurve zu manövrieren. Ich rutsche in meinem Sitz nach rechts, um kurz darauf wieder nach hinten gepresst zu werden. Wir sind wieder auf der ersten Geraden angekommen. Die zweite Runde beginnt. Kein Nachdenken mehr, einfach nur Action pur! Hinterher stellt sich nur noch eine Frage: Wo kann ich mich als Rennfahrerin anmelden?

Auf der Facebook-Seite von Audi Sport gibt’s weitere Einblicke hinter die Kulissen und alle News zum Renngeschehen.


8 Antworten auf Mit Markus Winkelhock über den Norisring

  1. Andreas 02.11.2015 um 17:13 #

    Hallo, sehr interessant geschriebener Artikel!

    Beste Grüße,

    Andreas

  2. Alex 03.07.2016 um 13:28 #

    Also da kann man schon neidisch drauf sein 🙂 Schön, dass du die Chance hattest, das zu erleben.

  3. Isabelle 10.07.2016 um 17:27 #

    Wow da wird man schon ein wenig neidisch 😛 Klingt nach einem tollen Erlebnis das Verena da machen durfte

  4. Marla 28.07.2016 um 00:37 #

    Wirklich krass, da hätte ich auch lust drauf. Ich bin des öfteren mal am Noris ring, bin dort auch schon mal mit einem Ringtaxi gefahren, HAMMER ERLEBNIS!!!

  5. Juergen Obermeier 04.10.2016 um 00:25 #

    Sehr schöner Bericht! Der Audi Sport TT Cup ist echt ein geniales Event.

  6. Pete 31.01.2017 um 23:52 #

    Einmal über den Norisring heizen wäre schon genial 🙂

  7. Hans 12.02.2017 um 18:18 #

    Ein wirklich toller Artikel 🙂
    Wäre auch mal ein Traum von mir, den ich mir bald hoffentlich erfüllen kann.

  8. Daniel 26.02.2017 um 16:32 #

    Ein wahnsinns Event 🙂
    Finde euren Bericht darüber wirklich toll und als Audi Fahrer und absoluter Fan freue ich mich jedes Mal über neue Berichte.

Schreibe einen Kommentar

Benötigte Felder sind markiert. *

Nach dem Absenden Ihres Kommentars wird dieser durch die Redaktion überprüft und freigegeben.

Wenn Sie zum ersten Mal im Blog kommentieren, müssen Sie einmalig Ihre Identität bestätigen. Dazu erhalten Sie eine E-Mail mit einem personalisierten Link, den Sie für die Verifizierung Ihrer Angaben bitte aufrufen. Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht oder an Dritte weitergegeben.