Marlon Matthäus
09.07.2015
Interview
Ranga Yogeshwar über die Zukunft der Mobilität

Das Audi Blog hat den bekannten Wissenschaftsjournalisten auf der IdeenExpo in Hannover zum Interview getroffen. Zuvor hatte Yogeshwar die Gelegenheit genutzt, am Steuer des Technikträgers Audi A7 piloted driving concept Platz zu nehmen.

Ranga Yogeshwar über die Zukunft der Mobilität

Bitte lächeln: Ranga Yogeshwar macht noch ein schnelles „Selfie“ bevor es auf die Autobahn geht.

 

Herr Yogeshwar, Sie waren gerade mit unserem Technikträger zum pilotierten Fahren auf der Autobahn unterwegs. Ihre Meinung?
Ich bin begeistert von der Komplexität, die hier verarbeitet wird. Im Gegensatz zum Autopiloten im Flugzeug muss das System auf der Straße mit ganz anderen Herausforderungen umgehen können. Dazu zählen dichter Verkehr und unerwartete Handlungen der übrigen Verkehrsteilnehmer.

Haben Sie sich wohl gefühlt?
Dank meines Berufs gehöre ich zu denjenigen Menschen, die viel mit Technik zu tun haben und daher wahrscheinlich auch eher der Technik vertrauen. Aber dieser Moment, als ich das Lenkrad losgelassen habe, das war schon ungewöhnlich. Ich habe mir vorgestellt, wie viele Signale jetzt gerade gesammelt, gebündelt und verarbeitet werden müssen. Als Physiker bleibt man natürlich skeptisch und fragt sich, inwiefern sich zum Beispiel Lichtreflexionen oder Schattenwürfe auf die Berechnung der optimalen Fahrweise auswirken. Das alles ist nicht gerade trivial.

Hört sich nicht gerade an, als hätten Sie eine entspannte Fahrt gehabt…
(lacht) … doch, die hatte ich auf jeden Fall. Ich konnte mich wunderbar mit meinen Beifahrern unterhalten. Aber es ist klar, dass es beim pilotierten Fahren eine Gewöhnungsphase geben muss. Vergleichen lässt es sich damit, wenn Kinder Fahrradfahren lernen. Da laufen die Eltern auch erst einmal hinterher. Beim Auto ist es ähnlich, du willst die Hände am Lenkrad haben. Wir müssen lernen, loszulassen.

Ist das pilotierte Fahren der Megatrend der Zukunft?
Definitiv. Wir werden in den nächsten Jahren einen Paradigmenwechsel erleben. Das Auto, so wie wir es kennen, steht vor einer fundamentalen Veränderung. Eigentlich nutzen wir das Auto seit über 100 Jahren sehr irrational, denn wir stehen mit unseren Autos im Stau und kommen oft nur langsam voran. Diese Zeit geht uns verloren. Intelligente Algorithmen können uns davon befreien. Wenn ich zum Beispiel in Zukunft pilotiert zu einem Termin fahre, dann kann ich unterwegs arbeiten. Am Ziel angekommen, sucht sich das Auto dann selbstständig einen Parkplatz. Das gilt übrigens nicht nur für den klassischen Personentransport, sondern auch für den Güterverkehr.

Ranga Yogeshwar über die Zukunft der Mobilität

Gruß vom Fahrersitz: Rund um Hannover erlebte Ranga Yogeshwar das pilotierte Fahren mit dem Technikträger der Vier Ringe.

 

Also werden wir Mobilität neu definieren?
Davon gehe ich aus. Anstelle von Pferdestärken und Hubraum wird ausgetüftelte Elektronik, intelligente Vernetzung und innovative Informationsverarbeitung an erster Stelle stehen. Ich würde sogar soweit gehen und sagen, dass wir vor einem Kulturwandel stehen. Dabei müssen wir wissen, dass die großen Player der einen Kultur nicht unbedingt die Gewinner der neuen Kultur sein werden. Das ist die große Herausforderung an die Autobauer – sie müssen das Auto neu denken und dürfen dabei wichtige Fragen zum Datenschutz nicht außen vor lassen.

Wie sieht Ihre Vision der Mobilität der Zukunft aus?
Wenn ich in die Zeit meiner Enkel eintauche, dann stelle ich mir Städte vor, in denen öffentliche Verkehrsmittel nach wie vor eine wichtige Rolle spielen. Gleichzeitig wird eine ganze Flotte automatisierter oder pilotierter Fahrzeuge unterwegs sein. Ich bin auch davon überzeugt, dass in Zukunft die Nutzung des Autos wichtiger sein wird als der eigentliche Besitz…

…wie meinen Sie das?
Nehmen wir eine Megacity wie Shanghai. Hier ist der individuelle Besitz eines Autos heute schon problematisch, da es einfach zu wenig Platz gibt. Hier sehe ich eine große Chance für pilotierte Systeme. Sie könnten für Entzerrung im Berufsverkehr sorgen und von mehreren Personen geteilt werden.

Ist unsere Gesellschaft überhaupt bereit, die Kontrolle abzugeben?
Wir leben doch schon längst in einer Zeit, in der vor allem junge Leute massiv mit Technik konfrontiert sind. Ich erlebe eine Kultur, die sehr offen für neues ist. Viel interessanter ist doch die Frage wo es hinführt, wenn wir die Kontrolle stellenweise an das Fahrzeug abgeben. Ich denke, dass es zu einer Rationalisierung des Fahrens kommen wird – mit weniger Unfällen und weniger Emissionen. Dazu müssen es die Automobilhersteller allerdings schaffen, den technischen Fortschritt für alle Käufer verfügbar zu machen – und nicht nur als teure Features in der Oberklasse anzubieten.

Auf der IdeenExpo in Hannover begeistert Ranga Yogeshwar das Publikum mit seinen Open-Air-Shows. Der Physiker geht der Frage nach, wie ein möglichst effizienter und sicherer Transport von Personen und Gütern möglich ist – und welche Rolle dabei das pilotierte Fahren spielen könnte.

 


4 Antworten auf Ranga Yogeshwar über die Zukunft der Mobilität

  1. Frithjof Wollbold, Dr.-Ing. 16.08.2017 um 08:35 #

    Dümmer geht´s nimmer Audi, oder? Da nehmt ihr euch einen Mainstream-Affen und glaubt die ganze Scheiße ist damit gegessen? Meinen 2010er TT habt ihr gerade um mindestens 5000€ entwertet. Ich kaufe sicher keinen Audi mehr. Tesla macht smarte Konzepte. Ihr verarscht nur noch eure Kunden! Nichts von der Innovation von Tesla ist bei euch auch nur ansatzweise feststellbar!

  2. Frithjof Wollbold, Dr.-Ing. 16.08.2017 um 08:40 #

    Und ihr werdet diesen Kommentar garantiert nicht freischalten, da wette ich drauf!

  3. Frithjof Wollbold, Dr.-Ing. 16.08.2017 um 08:48 #

    Und supergeil ist ja, bei alle den Jubelbildern mit Herrn Yogeshwar, daß im Kleingedruckten auf der Website steht: Fahrzeug steht nicht zum Verkauf. Blöder gehts nimmer. Dann kaufe ich doch lieber das Original, denn das läuft. Und heißt. TESLA

    • Stephanie Huber 16.08.2017 um 14:02 #

      Hallo Herr Wollbold,

      danke für Ihren Kommentar, den wir wie jeden Kommentar, der nicht gegen die Netiquette verstößt, freischalten. Wie im Artikel beschrieben war Ranga Yogeshwar im Jahr 2015 im Technikträger Audi A7 piloted driving concept unterwegs und hat eine Demonstration des Autobahnpiloten in unserem Forschungsfahrzeug erlebt. Systeme, die wir damals Ranga Yogeshwar im Technikträger gezeigt haben, haben wir inzwischen weiterentwickelt und für den Serieneinsatz vorbereitet. Eine erste Ausprägung des pilotierten Fahrens wurde jetzt für den neuen Audi A8 entwickelt. Mit dem Audi AI Staupilot präsentiert Audi das weltweit erste System, das hochautomatisiertes Fahren auf Level 3 ermöglicht. Das heißt, dass das Auto in bestimmten Situationen mit spezifischen Bedingungen (im Kolonnenverkehr auf der Autobahn bis zu 60 km/h) die Fahraufgabe übernehmen kann. Dabei muss der Fahrer – anders als bei Level 2 – nicht mehr permanent überwachen. Der Staupilot managt Anfahren, Beschleunigen, Lenken und Bremsen und beherrscht auch kritische Situationen wie nah einscherende Fahrzeuge. Die Grundvoraussetzung dafür ist eine lückenlose und permanente Erfassung der Umwelt durch das Auto. Auch hier setzt Audi neue Maßstäbe mit einer redundant aufgebauten Umfelderfassung durch Ultraschallsensoren, Infrarotkamera, Laserscanner (erstmalig im Automotive-Bereich im Serieneinsatz), Long-Range-Radar, Mid-Range-Radare und Umgebungskameras.

      Viele Grüße aus der Audi Online-Kommunikation

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