Barbara Wege
19.08.2015
Interview
Die Gipfelstürmer

Möglich machen, was unmöglich scheint. Dieser Anspruch verbindet die Huberbuam und Audi Produktionsvorstand Hubert Waltl. Ein Gespräch über Visionen, Leidenschaft, Risiken, Rückschläge – und den Moment, für den es sich einfach lohnt.

Die Gipfelstürmer

Hubert Waltl, Vorstand Produktion AUDI AG, im Gespräch mit Alexander (links) und Thomas Huber. Foto: Katrin Ebner.

Wir treffen uns heute in der Rübezahl-Alm am Wilden Kaiser. Was bedeutet Ihnen dieser Ort?

Hubert Waltl: Der Wilde Kaiser strahlt für mich eine ungeheure Kraft aus. Ich kenne ihn in- und auswendig vom Skifahren und vom Wandern. Doch jedes Mal, wenn ich ihn sehe (schaut aus dem Fenster), denke ich wieder: Was für ein starker Berg. Kantig, rau, ehrlich.

Thomas Huber: … mit allem, was ein guter Berg braucht. Ein paar Kilometer von hier hat die Geschichte der Huberbuam begonnen. Auf der Gaudeamushütte am Fuß der Törlspitzen haben Alexander und ich unseren ersten Kletterurlaub ohne Eltern gemacht. Ich war sechzehn, er vierzehn. Da hieß es jeden Abend daheim anrufen. Am Ende dieser Woche war unsere Seilschaft besiegelt.

Seitdem klettern Sie die gefährlichsten Routen der Welt, steigen auf die höchsten Berge, laufen bis ans Ende der Welt, nach Patagonien und bis zur Antarktis, bei minus 54 Grad. Was treibt Sie an?

Alexander Huber: Die Berge bedeuten Abenteuer. Das habe ich von Anfang an gespürt. Inmitten des zivilisierten Europa sind sie bis heute etwas Wildes. Ich erinnere mich noch genau, wie ich mit dreizehn bei Schneesturm auf dem Gipfel des Kleinen Watzmann stand. Wohl nie wieder habe ich die Ausgesetztheit so intensiv erlebt wie damals. Wer das einmal hatte, will es wieder.

Hubert Waltl: Bei mir ist es wohl vor allem meine Neugier, die mich motiviert. Schon als Kind wollte ich immer wissen, wie alles funktioniert. Mein Spielzeug habe ich auseinander- und wieder zusammengebaut. Manchmal blieb etwas übrig (lacht). Bald hat mich dann interessiert, was man noch besser machen könnte. So wie Ihr mit Eurem Körper an die Grenzen geht, tun wir es mit der Technik. Wir stellen uns ständig von Neuem die Frage: Wie können wir bisherige Grenzen verschieben – möglich machen, was unmöglich scheint?

Alexander Huber: Die erfolgreichsten Bergsteiger sind diejenigen mit der größten innovativen Kraft. Nicht unbedingt die physisch Stärksten. Entscheidend ist die Vision, als machbar anzusehen, was andere sich nicht vorstellen können. Wenn wir heute aufbrechen in Richtung Himalaya oder Antarktis, dann reizt mich nach wie vor dieser Aufbruch in eine unbekannte Welt. Der Gedanke, Pionier zu sein.

Heimat – was ist das für Sie?

Thomas Huber: Ich bin mit Leib und Seele in der ganzen Welt unterwegs, kann mir keinen schöneren Beruf vorstellen. Aber wenn ich in Berchtesgaden die Haustür aufmache, weiß ich: Hier bin ich zu Hause.

Hubert Waltl: Meine Familie, Bayern mit seiner erfolgreichen Kombination aus Laptop und Lederhose und natürlich Audi – all das ist meine Heimat. In unserem Ingolstädter Werkzeugbau habe ich vor knapp 39 Jahren als Lehrling angefangen. Wenn damals der Vorstand kam, haben wir schon zwei Wochen vorher die Werkstatt gefegt (lacht). Nie hätte ich mir vorstellen können, dass ich das selbst einmal werde. Als 2009 Volkswagen-Chef Martin Winterkorn zu mir sagte, ich werde Produktionsvorstand bei VW, war meine erst Reaktion: „Kann ich das überhaupt?“

Sie konnten.

Hubert Waltl: Es wurden fünf klasse Jahre bei Volkswagen. Zig Produktanläufe, neue Werke in Russland und Indien, die Begegnung mit Kulturen rund um den Globus – all das bereichert als Mensch und als Manager. Für mich macht es die Kombination aus internationaler Erfahrung und Bodenständigkeit. Deshalb gebe ich zu: Wenn ich damals am Audi Werkzeugbau vorbeigefahren bin, war ich jedes Mal ein bisschen traurig, nicht einfach hineingehen zu können.

Heute geht das wieder. Seit vergangenem Jahr sind Sie zurück bei Audi. Den Volkswagen Konzern haben Sie nie verlassen. Wird man nach vier Jahrzehnten nicht betriebsblind?

Hubert Waltl: Wer interessiert ist und über den Tellerrand schaut, dem passiert das nicht. Weil ich ständig mit neuen Ideen kam, hat mein früherer Chef einmal gesagt: „Wenn ich lauter solche Mitarbeiter wie Dich hätte, würde ich aufgeben“ (lacht).

Alexander Huber: Auch wir machen jetzt seit 30 Jahren Bergsport und haben uns immer wieder neu erfunden. Sonst wären wir heute weg vom Fenster. Mit 28 Jahren war ich Weltspitze im Sportklettern, der Sprintdisziplin des Bergsports. Aber es war klar, dass die ganz Jungen nachkommen. Also habe ich mich den größeren Bergen zugewandt, wo Erfahrung und Ausdauer zählen. Das war ein strategischer Umbau in meinem persönlichen Konzern.

Hubert Waltl: Querdenken lautet die Devise. Ich frage mich bei meinem Dorfschmied genauso wie während der Kuratoriumssitzung der Fraunhofer-Gesellschaft ständig: Was können wir daraus für Audi lernen? Wie können wir das auf die Produktion übertragen? Die Idee für meine Doktorarbeit kam mir übrigens auch hier in Ellmau in der Skigondel. Ich unterhielt mich mit einem Kollegen darüber, wie der Skilift funktioniert. Als wir oben waren, hatte ich den Gedanken, ein intelligentes Presswerkzeug zu bauen.

Weiterlesen? Das ganze Interview finden Sie im neuen DIALOGE Magazin der AUDI AG. Auf Scribd können Sie sich das komplette Magazin herunterladen – oder sie stöbern ein bisschen in der digitalen Version.


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