Marlon Matthäus
31.08.2015
Interview
Windesteile – Aerodynamik trifft auf Design

Bei Aerodynamik und Design geht es meist um wenige Millimeter – oft unter sehr unterschiedlichen Vorzeichen. Designer Frank Lamberty und Aerodynamiker Beat Heinzelmann erklären, wie man beim neuen Audi A4 gemeinsam eine optimale Lösung fand.

Windesteile – Aerodynamik trifft auf Design

Schnittiges Designstück: Der neue Audi A4 verbindet das Beste aus zwei Welten – einen geringen cw-Wert und innovative Designfeatures.

Herr Lamberty, Herr Heinzelmann. Wenn Sie alleine entscheiden könnten, wie würde Ihr perfektes Auto aussehen?

Heinzelmann: Für mich als Aerodynamiker muss ein Auto schlank und windschnittig wie das Flügelprofil eines Flugzeuges sein. Die Räder am Auto sind voll verkleidet. Die Gestaltung ist dabei an die Stromlinienfahrzeuge vom Typ C aus den 1930er-Jahren angelehnt. Damit hätte das Fahrzeug den optimalen cw-Wert.

Was sagt der Designer dazu?

Lamberty: Meine Wunschvorstellung sieht anders aus. Mir geht es in erster Linie um gute und starke Proportionen. Dazu gehören unter anderem breite Schultern und kräftige Radhäuser, um unsere quattro-Gene zu betonen.

Das sieht nach einer schwierigen Zusammenarbeit aus …

Lamberty: Am Ende müssen ein tolles Design und ein entsprechender cw-Wert das Resultat unserer Arbeit sein. Und gerade durch das konstruktive und intensive Miteinander erreichen wir gute Ergebnisse. Bestes Beispiel ist doch der neue A4. Die Limousine kommt auf den cw-Wert 0,23, der Avant auf 0,26. Das sind Spitzenwerte, ohne dass dafür Abstriche beim Design gemacht wurden.

Heinzelmann: Das sehe ich genauso. Es gibt natürlich viele Themen, bei denen wir uns anfangs nicht einig sind. Da wird dann auch hart und lange gerungen, aber am Ende suchen wir den Schulterschluss und finden eine optimale Lösung. Wir wollen schließlich beide ein ausgezeichnetes Auto auf die Straße bringen (lacht).

Werden Sie also vom Konkurrenten zum Kollegen?

Lamberty: Überspitzt formuliert könnte man es so ausdrücken. Für uns Designer ist erst einmal die grundsätzliche Idee wichtig. Wir wollen ein neues, ein tolles Auto schaffen. Selbstverständlich ist die Aerodynamik dabei ein wichtiger Baustein, aber das darf mich am Anfang nicht einschränken. Zu Beginn zählt nur die Kreativität.

Heinzelmann: Eine gemeinsame Basis zu finden, das ist manchmal gar nicht so einfach. Aber genau aus diesem Grund arbeiten wir von Anfang an sehr eng zusammen. Wir gehen schon früh mit den ersten maßstabsgetreuen Designmodellen in den Windkanal und tauschen uns aus. Jeder hat gewisse Vorstellungen, und über die Arbeit an den Modellen nähern wir uns an.

Lamberty: Da erleben wir oft interessante überraschungen. Eine Form, von der wir dachten, dass sie in puncto Aerodynamik kritisch sein könnte, funktioniert dann auf einmal wunderbar.

Windesteile – Aerodynamik trifft auf Design

Balanceakt: Beim A4 wurde gerungen und diskutiert – am Ende entstand eine perfekte Symbiose aus Design und Aerodynamik.

Sie waren maßgeblich an der Entwicklung der neuen Generation des Audi A4 beteiligt. Wo mussten Sie die größten Kompromisse eingehen? Wo wurde am meisten diskutiert?

Heinzelmann: Wenn es ausschließlich nach den Designern gegangen wäre, dann hätte der A4 eine deutlich breitere Spur bekommen. Da lagen unsere Vorstellungen schon mal 20 Millimeter auseinander. Vom Standpunkt der Aerodynamik aus gesehen sind das Welten.

Lamberty: Wie schon gesagt, wir sind beim A4 mit viel kräftigeren Schultern ins Rennen gegangen. Ein breites Auto ist für uns ein sportliches Auto.

Heinzelmann: Das war für uns natürlich problematisch. Wird das Auto breiter, dann wird es automatisch schwerer, eine verlustarme Umströmung zu gestalten. Am Ende leiden sowohl der cw-Wert als auch die Stirnfläche, und somit steigen Kraftstoffverbrauch und Emissionen.

Lamberty: Wir haben auch sehr lange über die Frontschürze und die seitlichen Lufteinlässe diskutiert. Wir wollten alles sehr plastisch dargestellt haben. Beat Heinzelmann stand deshalb vor der Herausforderung, die auftretenden Verwirbelungen in den Griff zu bekommen.

Heinzelmann: Glatte Flächen sind einfacher zu beherrschen. Keine Frage, die Front beim A4 ist super geworden, ein kantiges und sehr scharfes Design. Aber je plastischer ein solches Detail am Auto gestaltet wird, desto unkontrollierter wird die Luftströmung. Wir haben dann mit einem einfachen Luftkanal in den seitlichen Einlässen gearbeitet. Damit konnten wir den Fahrtwind ohne Wirbel um die Frontschürze leiten und gezielt an den Rädern vorbei ausblasen.

Windesteile – Aerodynamik trifft auf Design

Strömungskunde: Dank ausgefeilter Technik am Unterboden wird die Luft optimal um die hinteren Räder geführt.

Mit welchen Tricks haben Sie noch gearbeitet, um Design und Aerodynamik zu vereinbaren?

Heinzelmann: Frank Lamberty und seine Kollegen wollten beim Avant unbedingt eine schmale und sehr stark geneigte D-Säule umsetzen.

Lamberty: So schmal ist sie doch gar nicht geworden (lacht). Wir haben extra noch eine Linie eingesetzt, um sie dünner wirken zu lassen. Mit dieser „schnellen“ D-Säule lehnen wir die Heckscheibe nach vorne, was den Heckabschluss dynamisch und sportlich macht. Das unterscheidet einen Avant von einem Kombi. Für die Aerodynamik ist es jedoch nicht optimal, da sich die Abrisskante am Heck verkürzt.

Weiterlesen? Das ganze Interview finden Sie im neuen DIALOGE Magazin der AUDI AG. Auf Scribd können Sie sich das komplette Magazin herunterladen – oder sie stöbern ein bisschen in der digitalen Version.


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