Marlon Matthäus
14.09.2015
Interview
Unter Strom

Mit dem Audi e-tron quattro concept geben die Vier Ringe einen Ausblick auf ein künftiges Serienmodell. Das Audi Blog hat mit Entwicklungsvorstand Ulrich Hackenberg und Designchef Marc Lichte über das erste Großserien-Elektroauto von Audi gesprochen.

Unter Strom

Expertengespräch: Entwicklungsvorstand Ulrich Hackenberg gemeinsam mit Audi-Designchef Marc Lichte am Audi e-tron quattro concept.

Herr Hackenberg, warum präsentiert Audi ausgerechnet jetzt ein Elektro-SUV?

Das SUV-Segment wächst weltweit auf allen wichtigen Märkten sehr schnell. Mit einem rein elektrisch angetriebenen Sport-SUV können wir die Stärke unserer Marke perfekt darstellen. Der e-tron quattro concept vereint Sportlichkeit, Nutzwert, Komfort und Effizienz – und mit einer elektrischen Reichweite von mehr als 500 Kilometern ist das Auto dabei absolut langstreckentauglich. Das war uns sehr wichtig.

Wo lagen die großen Herausforderungen beim e-tron quattro concept?

Hackenberg: Zunächst verfolgen wir hier die gleichen Zielsetzungen wie bei jedem neuen Projekt. Wir wollen unsere Wettbewerber in allen wichtigen Kriterien übertreffen. Sei es bei der Fahrleistung, der Dynamik oder dem Design. Eine Herausforderung war es sicherlich, eine große elektrische Reichweite mit allen Vorzügen eines komfortablen SUVs, also eines relativ hohen und großen Autos, zu kombinieren. Dazu gehen wir zum einen mit der neuesten Batterietechnologie an den Start. Die verbaute Lithium-Ionen-Batterie hat 95 kWh Kapazität und ist damit die leistungsfähigste Batterie, die wir je konzipiert haben. Da mussten wir die Mannschaft erst einmal ranführen. Zum anderen haben wir sämtliche Fahrwiderstandseigenschaften optimiert. Beispielweise kommen wir beim e-tron quattro concept auf den hervorragenden Aerodynamik-Wert von nur 0,25. Der ist im SUV-Segment Benchmark.

Stichwort Aerodynamik. Herr Lichte, was macht den Audi e-tron quattro concept so besonders?

Der Grundkörper des Audi e-tron quattro concept ist komplett im Windkanal entstanden. Er ist quasi Aerodynamik pur. Wir haben dafür extra einen internen Design-Wettbewerb gestartet: Wer kann das aerodynamischste Auto zeichnen? Das ganze Team war hoch motiviert, im Windkanal haben wir an den Entwürfen tagelang gefeilt. Das Ergebnis: Die Proportionen des e-tron quattro concept unterscheiden sich deutlich von den übrigen Q-Modellen. Zum Beispiel ist die Front kürzer und das Heck zieht stark ein.

Was verbirgt sich hinter dem Aerodynamik-Konzept?

Lichte: Wir verbinden technische Maßnahmen zur Verbesserung des Luftwiderstandes  mit kreativen Designlösungen. Designer und Aerodynamiker haben in enger Zusammenarbeit eine neue Formensprache entwickelt, die neuen Freiraum für kreative Ideen schafft. Deutlich wird das beim e-tron quattro concept unter anderem am Heck, dort verlängern sich Spoiler und Diffusor bei höherem Tempo um einige Zentimeter, um die Luftströme aus der Dach- und Bodenzone perfekt zusammenzuführen. In den Schwellerleisten sorgen  dynamische Segmente der hinteren Verkleidung für eine Minimierung der Verwirbelungen an den Hinterrädern. Abgerundet wird das Aerodynamik-Konzept durch viele weitere Details wie zum Beispiel Kameras statt Außenspiegel, ins Blech versenkte Türgriffe und einem aerodynamisch-optimierten Unterboden.

Können Sie verraten, wie viel vom Showcar im Serienmodell zu finden sein wird?

Lichte: Wir verfolgen eine klare Philosophiem, die Serienautos werden genauso beeindruckend sein wie die Studien. Der Audi e-tron quattro concept sieht schon richtig gut aus, die Serienvariante wird aber noch einen Ticken schärfer (lacht).

Herr Hackenberg, neben der Reichweite spielt das Thema Ladezeiten eine große Rolle für die Kunden. Wie lange muss der e-tron quattro concept an die Steckdose?

Mit dem Combined Charging System CCS ist das Fahrzeug auch auf das schnelle Laden mit Gleichstrom ausgelegt. Bei einer Ladeleistung von 150 kW, die wir anstreben, speichert der große Akku in nur 30 Minuten Strom für mehr als 400 Kilometer Strecke. Das läuft alles sehr komfortabel ab. Gleichzeitig verfügt der e-tron quattro concept über ein zwei Meter langes Solardach, das zusätzlichen Strom in die Batterie einspeisen kann.

Audi bietet die Technologie fürs schnelle Laden an. Doch wie sieht es mit der notwendigen Infrastruktur aus?

Hackenberg: Das Thema Infrastruktur ist neben den Fahrzeugeigenschaften sicherlich das wichtigste Kriterium für den Kunden. Er muss ohne weitere Probleme tanken – also laden können. Egal ob er zuhause oder unterwegs ist. Im ersteren Fall sehen wir uns in der Position, unseren Kunden entsprechende Angebote zu machen. Für eine flächendeckende Versorgung auf Straßen und Autobahnen sind die großen Energiebetreiber Keyplayer. Gemeinsam mit der Politik müssen sie dafür Sorge tragen, dass ein entsprechendes Netz gebaut wird. Es gibt bereits erste Initiativen, bis 2017 in Deutschland rund 400 Ladestationen zu installieren, die für die Technologie des Schnellladens ausgelegt sind.

 


Eine Antwort auf Unter Strom

  1. Jens 14.09.2015 um 23:15 #

    In der Tat, die Seitenansicht und das Heck wirken sehr stimmig.
    An der zerklüfteten Front muß aber noch gearbeitet werden.
    Besonders gut gefällt der Innenraum wo die Bildschirme stimmig in den Armanturenträger integriert sind. Da hoffe ich ja das der fixe Flachbild Fernsehr im neuen A4 ein einmaliger Ausrutscher bleibt.
    Im Innenraum müßte auch mal neues Material her, ich sitze jetzt seit 20 Jahren auf Leder, da dürfte gerne mal was anderes kommen.
    Ein Wettbewerber hat ja bereits Seide in den Sitzmittelbahnen, der Ansatz ist garnicht schlecht.
    Überhaupt die Materialien, schön das jetzt alles so leicht ist.
    Aber wirklich neues gibts bisher nicht, ein Ladeboden aus Granit Laminat?! Technisch heute ohne weiteres machbar.
    Fußräume aus Holz? Sehen wir nur in Studien, aber nie in der Serie.
    Kann ja ruhig heftigen Aufpreis kosten, aber anbieten sollte man es doch mal.

Schreibe einen Kommentar

Benötigte Felder sind markiert. *

Nach dem Absenden Ihres Kommentars wird dieser durch die Redaktion überprüft und freigegeben.

Wenn Sie zum ersten Mal im Blog kommentieren, müssen Sie einmalig Ihre Identität bestätigen. Dazu erhalten Sie eine E-Mail mit einem personalisierten Link, den Sie für die Verifizierung Ihrer Angaben bitte aufrufen. Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht oder an Dritte weitergegeben.