Julia Hecker
17.09.2015
Hinter den Kulissen
Blind Date: Fotoshooting mit einem Messestar

Wie entstehen die Fotos eines neuen Audi vor der Weltpremiere? Blog-Autorin Julia Hecker besuchte vor der IAA einen streng geheimen Fototermin und lernte die Kunst der Produktfotografie kennen. Das Model: der Audi e-tron quattro concept.

Shootingstar

Zahlreiche Lichtquellen und Blenden sind nötig, um die Reflexionen auf dem Showcar zu führen und es im besten Licht erscheinen zu lassen.

Ruhig und warm, sehr warm – das ist der erste Eindruck beim Betreten des Fotostudios im XXL-Format, einer großen Halle irgendwo in Deutschland. Wo genau, darf ich nicht sagen. Der Shooting-Star, das Showcar Audi e-tron quattro concept, ist noch streng geheim.

Hinter den Kulissen

Alles ist schwarz, von den Wänden über die Vorhänge bis zu den Türen und Stühlen wirklich alles – zumindest auf der einen Seite der Halle. Auf der anderen Seite hingegen sind Boden und Wände hellgrau, fast weiß gestrichen. Direkt über dem Audi versperrt eine weiß bezogene, höhenverstellbare Platte die Sicht zur Hallendecke – sie hängt so tief, dass wir gerade noch aufrecht stehen können. Darunter strahlen ihn dutzende Spots an, den geheimen Elektro-SUV.

Heute dreht sich alles um sein Innenleben – eineinhalb bis zwei Tage wird es allein dauern, den Innenraum des Autos abzulichten. Für die Fotos vom Exterieur wird noch mehr Zeit eingeplant. „Da muss jede einzelne Kante ausgeleuchtet werden“, erzählt der Fotograf, dessen Identität geheim bleiben muss. Und auch wenn die verschiedenen Perspektiven zwar für jedes Shooting ähnlich sind und vorab festgelegt werden, muss vor Ort das Besondere eines jeden Audi individuell in Szene gesetzt werden und das kann dauern, weiß das Fototeam.

Shootingstar

Auch der Innenraum wird fotografiert. Hier ist die Ausleuchtung eine besondere Herausforderung.

Höchste Präzision

Hier noch ein Spot an, dort noch einer aus, der Scheinwerfer dort drüben noch ein bisschen höher – bis zu 40 verschiedene Beleuchtungselemente müssen für ein Foto einzeln ausgerichtet werden. Via Tablet wirft der Fotograf einen prüfenden Blick durch die Kameralinse. An einem silbernen Kran, der in etwa so groß ist wie ich, also 1,70 Meter, hängt die Kamera auf der Fahrerseite halb durch die Tür ins Auto. Das erste Foto soll die Fahrerperspektive zeigen. Noch einmal kurz letzte Staubpartikel von den Flächen im Innenraum gewischt, dann ist der Audi bereit für das erste Bild. Der Fotograf drückt auf den Auslöser. Klick.

Mit der Speicherkarte geht es sofort zu den Arbeitsplätzen auf der anderen Seite der Halle. Drei Computer stehen dort bereit, damit die Fotos sofort betrachtet werden können. Auf dem Foto markiert der Fotograf alles rot, was ihn noch stört. Auf der Mittelkonsole sind noch Fingerabdrücke, das Veloursleder an der Beifahrertür muss noch einmal glatt gestrichen werden und auf der Motorhaube und im Lüftungsschlitz ist noch ein bisschen Staub. „Staub ist bei solchen Fotoshootings das größte Problem, denn durch das Staubwischen laden sich die Flächen elektromagnetisch auf und ziehen noch mehr Staub an“, erzählt der Fotograf.

Shootingstar

Von allen Seiten perfekt agestrahlt, staubfrei und glänzend. So kann das Shooting beginnen.

Der finale Schuss

Fingerabdrücke und Staub sind beseitigt, nun kann es endlich in die finale Runde gehen. Für das perfekte Foto darf sich jetzt nichts mehr am Set bewegen. Nicht das Auto, nicht die Spots und erst recht nicht die Kamera, keinen einzigen Millimeter, sonst muss das Team wieder bei null anfangen. „Einmal verschoben, immer verschoben“, sagt der Fotograf.

Die Schuhe in blaue Überzieher eingepackt, tapsen die Assistenten über den hellen Boden ums Auto und knipsen zwischen den einzelnen Aufnahmen verschiedene Scheinwerfer an und aus. Welche Spots das sein müssen, weiß der Fotograf haargenau. Er sitzt mit dem Tablet in der Hand auf dem Boden vor dem Auto. Der Ablauf wirkt wie eine sichere Choreographie: Anweisungen ans Team – Auslöser – Kontrollblick aufs Tablet – Anweisungen ans Team – Auslöser – Kontrollblick aufs Tablet. Das geht so lange, bis der Fotograf zufrieden ist und alle Fotos mit den verschiedenen Beleuchtungen im Kasten sind – sieben sind es am Ende.

Dann geht es wieder mit der Speicherkarte bewaffnet an die Arbeitsplätze. Der Fotograf ist zufrieden mit den Aufnahmen. Nach langen drei Stunden ist das finale Foto aus der Fahrerperspektive im Kasten. Fertig ist das Foto damit aber noch lange nicht. Es steht nämlich noch die zeitaufwendige Retusche an. Erst jetzt dürfen Kamera und Scheinwerfer wieder bewegt werden. Nächstes Foto heute: die Perspektive aus Sicht des Beifahrers.


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