Arild Eichbaum
28.09.2015
Gastbeitrag
Der fantastische Vier

Blogger Arild Eichbaum sieht im Audi A4 den „neuen Maßstab der Mittelklasse“. Auf einer Probefahrt um Venedig testete er die Limousine auf Herz und Nieren.

Vier gewinnt: Blogger Arild Eichbaum testete die arablaue A4 Limousine in Italien.

Vier gewinnt: Blogger Arild Eichbaum testete die arablaue A4 Limousine in Italien.

 

Der neue Audi A4 sieht ja von außen fast aus wie sein Vorgänger, maulen manche – ja, Gott sei Dank tut er das, sonst wären all jene, die sich den A4 B8 unlängst zugelegt haben, auch zu Recht beleidigt, würden sie doch fortan ein veraltet aussehendes Auto fahren. Ohnehin schien in Ingolstadt die Verbesserung zahlloser Details weit wichtiger zu sein als eine revolutionäre Optik: Klar, der hexagonale Single Frame Grill und die zackig geschnittenen Scheinwerfer fallen auf den ersten Blick auf, doch so richtig interessant wird es erst bei dem, was hinter dem Scheinwerferglas steckt. Halogenscheinwerfer? Sind Geschichte. Xenon ist das neue Basislicht, Matrix-LED-Lampen gibt’s auf Wunsch.

Der Vergangenheit gehören auch die Trimmlinien Attraction, Ambition und Ambiente an, ab November darf der Kunde seinen A4 als design oder als sport ordern. Was subjektiv mehr gefällt? Wenngleich der um bis zu 110 kg leichtere neue Audi A4 mit seinem Fünflenker-Fahrwerk sowieso eine sportliche Note aufweist, die sich durch Goodies wie die schwer empfehlenswerte Dynamiklenkung noch toppen lässt, so ist der elegante A4 design, speziell in Form des zum unerhört edel aufgewerteten A4 design selection eine wirkliche Wohlfühloase. Dieser Eindruck könnte auch durch die gestalterische Nähe zum A8 begründet sein. Wie das Flaggschiff der Vier Ringe weist auch der neue A4 einen eher horizontal betonten Instrumententräger auf, während Fahrer und Beifahrer – nun mit elf beziehungsweise 24 Millimeter mehr Kopffreiheit beglückt – zuvor auf ein deutlich höher bauendes Cockpit schauten.

Interieur

"Tadellos verarbeitet und auch optisch wie haptisch ein Hochgenuss": Arild Eichbaum über das A4-Interieur.

„Tadellos verarbeitet und auch optisch wie haptisch ein Hochgenuss“: Arild Eichbaum über das A4-Interieur.

 

Was der nach Ansicht böser Zungen wie angespaxt aussehende MMI-Bildschirm im Tablet-Look soll? So lassen sich Pluspunkte beim Raumgefühl einheimsen, und zwar reichlich: Die Abkehr vom integrierten Monitor erlaubt eine wesentlich flachere Formgebung des Armaturenbrettes, und Brett ist beim neuen A4 keineswegs unzutreffend. Wie in Audis Größtem gibt’s auch hier feinstes Holz en mass, in unserem Fall die sehr geschmackvolle Eiche naturell im Verein mit atlasbeigem Nappaleder. Erwartungsgemäß tadellos verarbeitet und auch optisch wie haptisch ein Hochgenuss, doch kommt der wahre Komfort erst bei höherem Tempo zum Tragen: Ruhe. Wunderbare Ruhe. Dank deutlich optimierter Aeroakustik und vorderer Akustikverglasung fällt der Geräuschpegel im A4 auf A8-Niveau, auch bei 150 km/h ist allein das Abrollen der 245er Hankooks zu vernehmen. Windgeräusche? Fehlanzeige. Wäre ja auch noch schöner angesichts eines cW-Wertes von lächerlich niedrigen 0,23. Da zischt der neue Maßstab der Mittelklasse angenehm leise durchs venetiansche Hinterland. Jetzt doch eine Spur zu leise? Einfach mal das Bang & Olufsen-3D-Surroundsystem aufgedreht und heftigen Bässen und glasklaren Höhen gelauscht. Dass Bravo Hits 87 jemals irgendwo besser wiedergegeben wird, ist dank 19 clever platzierten Lautsprechern tatsächlich unwahrscheinlich.

Mit 252 PS in 5,8 Sekunden von 0 auf 100

Unwahrscheinlich flott: So beschreibt Arild Eichbaum das Fahrverhalten der A4 Limousine mit 2.0 TFSI im Dynamik-Modus.

Unwahrscheinlich flott: So beschreibt Arild Eichbaum das Fahrverhalten der A4 Limousine mit 2.0 TFSI im Dynamik-Modus.

 

Unwahrscheinlich flott ging auch unser arablauer Testwagen, ein 2.0 TFSI mit munteren 252 PS zu Werke – in 5,8 Sekunden auf 100 Kilometer pro Stunde und mit der Dynamiklenkung ein echter Kurvenkracher. Allerdings nur, soviel sei einschränkend gesagt, im drive select dynamik-Modus, ansonsten animieren die exakte Lenkung, der stramme Durchzug und die ein deutlich geringeres Tempo suggerierende Schallisolation zu mehr, als die Dämpfer in der Komfort-Einstellung vertragen. Aber alles halb so wild, diverse der 30 Fahrerassistenzsysteme beugten einem ungeplanten Halt im Weinberg erfolgreich vor. Kurzen Anranzer von Audi pre sense auf dem wie in TT und Q7 12,3-zölligen virtual cockpit kassiert und im Dynamik-Modus weiter, die Zielankunft naht. Schade eigentlich, dann muss der geschmeidig und unmittelbar beschleunigende Wellnesstempel wohl bald verlassen werden. Überhaupt geben der quattro-Antrieb, der Turbodirekteinspritzer und die Siebengang s tronic ein hell leuchtendes Dreigestirn ab, das die luxuriösen Annehmlichkeiten vom neuen A4 mit einem gehörigen Schuss Agilität krönt. Da verwundert auch der abschließende Ritterschlag zum fantastischen Vier nicht weiter.

Weitere Fahrtests und Berichte zum neuen Audi A4 gibt es unter anderem bei hashtagilovecars.de, ausfahrt.tvrad-ab.com und auf mein-auto-blog.de.

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Audi A4:
Kraftstoffverbrauch kombiniert in l/100 km: 6,3-4,4**;
CO2-Emission kombiniert in g/km: 144-114**//www.audi.de/DAT-Hinweis.

**Angaben zu den Kraftstoffverbräuchen und CO2-Emissionen sowie Effizienzklassen bei Spannbreiten in Abhängigkeit vom verwendeten Reifen-/Rädersatz.

 

 


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