Marlon Matthäus
30.09.2015
Industrie 4.0 bei Audi
Mit Quick-Check-In schneller ans Ziel

Rund 650 Transporte kommen täglich bei Audi in Ingolstadt an. Bislang ist die zentrale Lkw-Leitstelle der erste Anlaufpunkt für alle Fahrer. Eine neue GPS-App soll das ändern – und die Anlieferung bei den Vier Ringen deutlich schneller machen.

Mit Quick-Check-In schneller ans Ziel

Vorausschauend: Dank der App weiß der Fahrer schon unterwegs, welche Halle er im GVZ ansteuern muss – die Anmeldung an der LKW-Leitstelle entfällt.

 

Ulf Frenzel ist mit seinem Lkw unterwegs in Richtung Ingolstadt. Auf der Ladefläche befinden sich 15 Tonnen Material. Sein Zeitplan ist eng kalkuliert und minutiös getaktet. Um sechs Uhr in der Früh hat Frenzel in Utting am Ammersee den Audi-Zulieferer Webasto angesteuert, bereits um elf Uhr wird er an der Entladestelle im Ingolstädter Güterverkehrs-Zentrum (GVZ) erwartet. Seine Rückfahrt ist auf zwölf Uhr terminiert.

Auf der Autobahn schaut er auf sein Smartphone. Die App „LKW Quick-Check-In“ hat ihm gerade seinen Abladeplatz mit der Nummer GR3 zugewiesen. „Ich muss jetzt nicht erst zur Leitstelle fahren, aussteigen und mich anmelden sondern kann direkt in die entsprechende Lagerhalle fahren. Das spart mir Zeit“, sagt er und bestätigt seine Ankunft ganz einfach auf dem Touchscreen.

Zukunftsmusik, die schon bald Normalität ist?

Ulf Frenzel leistet Pionierarbeit. Er ist einer von derzeit 25 Lkw-Fahrern, die das neue, über GPS-Navigationssatelliten gesteuerte Teile-Anlieferungssystem von Audi auf Herz und Nieren testen – unter Alltagsbedingungen. „Mit der intelligenten Software verkürzen wir die durchschnittliche Durchlaufzeit eines Lkw um eine halbe Stunde. Das ist sehr viel“, erklärt Lutz Roth, Leiter der Transportsteuerung bei Audi in Ingolstadt. „Damit optimieren wir unseren Wareneingang und sorgen für eine gleichmäßige Auslastung im GVZ.“ Positiver Nebeneffekt: Die Anzahl der Transporte in der Region Ingolstadt kann reduziert werden, die Infrastruktur wird insgesamt entlastet.

Zum normalen Ablauf gehört es bislang, dass jeder Lkw zunächst die Leitstelle im GVZ ansteuert. Dort sucht sich der Fahrer einen freien Parkplatz und geht mit seinen Lieferscheinen an einen der Schalter. Audi-Mitarbeiter überprüfen im Anschluss die Dokumente und steuern den Lkw an eine der 65 Entladestellen. Das Prozedere kostet Zeit.

Mit Quick-Check-In schneller ans Ziel

Ganz schön smart: Die App „Quick-Check-In“ vereinfacht die Materialanlieferung bei Audi.

„Vor allem Montags geht es bei uns zu wie beim Sommerschlussverkauf“, sagt Roth und muss dabei lachen. „LKW Quick-Check-In“ soll hier Abhilfe schaffen – die Leitstelle wird zum Tower, die Mitarbeiter zu Lkw-Lotsen. „Wie am Flughafen können wir in Echtzeit verfolgen, wo die einzelnen Transporter sind, was sie geladen haben und ob sie pünktlich bei uns ankommen.“ Eine logistische Meisterleistung, immerhin erreichen auf 650 Transportern unzählige Teile von etwa 1.800 Zulieferern aus ganz Europa das Werk – jeden Tag.

Wie es funktioniert

Und so funktioniert „LKW Quick-Check-In“: Nach der Beladung beim Spediteur scannt der Fahrer mit der Kamera des Smartphones den Barcode der Lieferscheine. Für die Kollegen in der Leitstelle bei Audi bedeutet es, dass er unterwegs ist. Ist der Fahrer noch 50 Kilometer vom Werk entfernt, durchquert er den ersten von drei imaginären Radien. Die Software kontrolliert jetzt, ob der Transporter pünktlich ankommen wird. Ist mit einer größeren Abweichung zu rechnen, bekommt er automatisch einen neuen Platz zu einem späteren Zeitpunkt zugewiesen. „Damit entzerren wir den Verkehr rund ums Werk und vermeiden Verkehrsspitzen“, erläutert Roth.

20 Kilometer vor dem Ziel prüft Quick-Check-In die Ladeliste auf ihre Richtigkeit. Bei Unstimmigkeiten wird der Lkw zur Leitstelle gelotst, dort kümmert sich dann ein Audi-Mitarbeiter um den weiteren Entlade-Prozess. Einen Kilometer vor dem Audi-Werk durchfährt der Transporter dann den letzten Kontrollring – die Ware wird automatisch verbucht. „Damit sparen wir uns jede Menge Papierkram, heute buchen wir noch durchschnittlich 5.000 Lieferscheine am Tag manuell“, so Roth.

Mit Quick-Check-In schneller ans Ziel

Beschleunigung: Mit dem intelligenten System kann die Durchlaufzeit eines Transporters um rund eine halbe Stunde verkürzt werden – das spart Zeit und Geld.

 

Ulf Frenzel ist mittlerweile an der Abladeposition GR3 in einer der weitläufigen GVZ-Hallen angekommen. Ein Staplerfahrer steht schon bereit, auch er wurde über das System informiert. Die Entladung der Teile kann ohne Verzögerung beginnen. Im Anschluss wird sein Lkw noch zur Beladung mit leeren Behältern gelotst. Nach etwas über einer Stunde ist Ulf Frenzel dann schon wieder unterwegs in Richtung Lieferant.

Noch befindet sich das System in der Startphase, pilotiert wurde es 2013. Lutz Roth und seine Kollegen verfolgen jedoch einen ehrgeizigen Zeitplan. „Bis Ende 2016 planen wir täglich bis zu 350 Lkw-Lieferungen mittels ‚LKW Quick-Check-In‘ abzuwickeln.“ Dann soll die intelligente Software auch im gesamten Volkswagen Konzern zum Einsatz kommen.


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