Verena Väth
05.10.2015
International Symposium on Automotive Lighting
Branchentreffen der Lichtexperten

Auf dem International Symposium on Automotive Lighting (ISAL) treffen sich alle zwei Jahre die Lichtexperten der Automobilindustrie. Audi-Entwickler Stephan Berlitz gab Einblicke in die Entwicklung und Zulassung von neuen Lichtsystemen.

Branchentreffen der Lichtexperten

Die Messestände nutzen viele Kongressteilnehmer dazu, sich mit Kollegen auszutauschen.

 

Stephan Berlitz, Leiter Entwicklung Innovationen Licht/Sicht bei Audi läuft durch die Gänge des Darmstadtiums und sieht sich interessiert die verschiedenen Messestände der Unternehmen an, die hier ihre Lichttechnik präsentieren. An gefühlt jedem zweiten Stand sind Exponate von Audi zu entdecken: Frontleuchten, Heckleuchten, ganze Fahrzeugfronten. Mit vielen Entwicklern besteht seit Jahren eine enge Zusammenarbeit. Die meisten Experten kennen sich seit einer halben Ewigkeit. Berlitz kann keine zehn Schritte gehen, ohne auf ein bekanntes Gesicht zu treffen. „Ich bin hier einer der Stammgäste. Man sieht zwar immer mal ein paar neue Kollegen, aber die meisten kenne ich schon lange. Das ist wie eine große Familie hier“, sagt er.

International Symposium on Automotive Lighting

Das International Symposium on Automotive Lighting (ISAL) ist ideal zum Netzwerken. Ideal, um herauszufinden, wo man in der Lichtentwicklung steht und ideal, um neue Anregungen zu erhalten. Auf dem weltgrößten Kongress zum Thema Licht versammelt sich alles, was Rang und Namen hat: Automobilhersteller, Zulieferer, Dienstleister und Behördenvertreter. Über 800 Teilnehmer aus der ganzen Welt sind der Einladung der Technischen Universität Darmstadt in diesem Jahr gefolgt. Das internationale Symposium mit wissenschaftlichem Anspruch wird alle zwei Jahre vom Fachgebiet Lichttechnik der Universität organisiert. Zweieinhalb Tage lang hören sich die Experten Fachvorträge von Kollegen an, tauschen sich an Messeständen über aktuelle Entwicklungen aus und können so einschätzen, wo das eigene Unternehmen und wo der Wettbewerb gerade stehen. Das Horrorszenario von Berlitz: „Am schlimmsten wäre es, wenn ich hier feststellen würde, dass wir einen Trend verschlafen haben.“

Audi profitiert von enger interner Vernetzung

Branchentreffen der Lichtexperten

Auf der ISAL spricht Stephan Berlitz (rechts) mit Partnern über gemeinsame Projekte.

Aber auch in diesem Jahr bestätigt sich wieder für ihn: Audi bleibt Spitzenreiter in der Lichttechnologie. „Einige Hersteller arbeiten zwar an ähnlichen Technologien wie wir, aber sie sind noch lange nicht so weit“, so seine Einschätzung. Audi profitiert bei der Entwicklung seiner Lichttechnik davon, dass das Thema Licht in der Elektronik-Entwicklung angesiedelt ist. „Wir stellen nach und nach von mechanischen auf elektronische Lichtsysteme um. Wir haben also genau den richtigen Hintergrund, um die neuen Produkte schnell in Serie zu bringen“, so Berlitz.

Auch die enge Zusammenarbeit mit dem Design zahlt sich aus, wie der Lichtentwickler erklärt: „Schon sehr früh tragen sie Ideen an uns heran und zeigen uns, wie sie sich das Lichtdesign bei künftigen Modellen vorstellen. Und wir versuchen dann, das gemeinsam möglich zu machen.“ Berlitz ist schon seit 26 Jahren in der automobilen Lichttechnik tätig und immer noch ist er täglich aufs Neue begeistert von seiner Arbeit. „Die Lichttechnik entwickelt sich rasend schnell. Jede Neuigkeit eröffnet wieder mehrere Möglichkeiten. Der Blumenstrauß wird immer größer“, sagt er. „Wenn ich dann auch noch im Auto sehe, wie die Entwicklungen in Serie gebracht werden und wie zufrieden unsere Kunden sind…“

Branchentreffen der Lichtexperten

Erster Prototyp des BMBF geförderten Forschungsprojekts „R2D2“.

 

Bevor neue Technologien in Serie gehen können, müssen sie aber zugelassen werden. Deshalb ist Berlitz in allen relevanten Gremien vertreten, die über die Zulassung von neuen Lichttechnologien entscheiden, vom Kraftfahrt-Bundesamt über die EU bis hin zur UN in Genf. „Ich habe vor der UN unseren dynamischen Blinker präsentiert.  Ich konnte dort die Zustimmung für unsere Entwicklung erwirken. Das war sehr beeindruckend, ein unglaubliches Gefühl“, erzählt er. Dabei ist es nicht immer einfach, neue Entwicklungen durchzubringen. „Ich musste die UN-Vertreter vor allem davon überzeugen, dass es sich beim dynamischen Blinker nicht um eine Spielerei handelt. Im Vordergrund steht für uns immer der Sicherheitsaspekt. Die Leuchten liefern ein optisches Signal, das auch aus großer Entfernung oder schlechten Sichtverhältnissen klar und schnell erfassbar ist. Eine Verbesserung der Richtungserkennbarkeit um 38 Prozent konntem wir nachweislich erzielen.“

Die Arbeit der UN und der einzelnen Regierungen besteht anschließend darin, die neuen Technologien in die bestehende Gesetzgebung zu integrieren. Vor nicht einmal zehn Jahren hat Berlitz so den Einsatz von LED im Scheinwerfer vorangetrieben.

Zukunft des Lichts

Um diese lichtemittierende Diode wird sich in Zukunft fast alles drehen, so die Einschätzung des Experten. Zukünftig werden Laserdioden hauptsächlich für spezifische Funktionen eingesetzt, zum Beispiel beim Baustellenassistenten oder beim gezielt steuerbaren Ausleuchten weit entfernter Gegenstände. Für die optische Gestaltung setzt Audi auf OLEDs (organische Licht-emittierende Dioden). Sie bestehen aus organischem Material, lassen sich als Folie anbringen und so in verschiedene Formen bringen. Das Lichtdesign bleibt nicht mehr auf zwei Dimensionen beschränkt, sondern wird dreidimensional. Auf dem Lichtsymposium ist auch der Zulieferer vertreten, der Audi mit der OLED versorgt. Berlitz nutzt die Gelegenheit, um mit dessen Experten über laufende Projekte zu sprechen. „Ich habe der Firma gerade ein paar Anregungen gegeben. Hier auf der ISAL bekomme ich eine einfache Möglichkeit, in kurzen Gesprächen neue Projekte anzustoßen“, stellt Berlitz zufrieden fest.

 

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So könnte in Zukunft eine Audi-Heckleuchte mit OLEDs aussehen.


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