Stefanie Lang
09.10.2015
Der INKA-Test
Altern im Auftrag der Qualität

Bei Audi hat INKA nichts mit der indigenen Kultur in Südamerika zu tun. Vielmehr steht die Abkürzung für einen der härtesten Tests, die ein Audi durchlaufen muss: den Ingolstädter Korrosions- und Alterungstest.

Altern im Auftrag der Qualität

Gut für die Haut? Im INKA-Test bekommen alle Modelle ein Schlammbad.

 

Ein bisschen tut der neue Q7 Heiko Pries schon leid. Nagelneu steht das Fahrzeug vor ihm, frisch vom Audi Forum in Ingolstadt auf das geheime Prüfgelände angeliefert. Doch es hilft nichts: „Ohne Kratzer, kein Ergebnis“, sagt der 36-Jährige und setzt das Messer an die Vordertür des gleichmäßig silbern lackierten Neuwagens an. Ein kurzes Kreischen, als die Klinge die vier Lackschichten durchdringt, schon ist der erste Schritt – beziehungsweise Schnitt – getan.

Der Leiter der Werkstofftechnik Karosserie, Korrosion und Fügetechnik Ingolstadt bereitet den SUV auf einen der härtesten Tests bei Audi vor: Im Ingolstädter Korrosions- und Alterungstest (kurz INKA-Test) wird in gerade einmal 19 Wochen ein zwölfjähriges Autoleben simuliert. Bereits in der Vorserienphase testet die Technische Entwicklung die Audi-Modelle auf Korrosion, Alterung und Verschleiß. Die Audi Qualitätssicherung prüft nach dem Start der Serienproduktion noch einmal unter Kundenbedingungen: Wie überstehen die Fahrzeuge im Zeitraffer die verschiedenen klimatischen Bedingung aus aller Welt – die klirrende Kälte am Polarkreis ebenso wie die sengende Sonne in der Wüste?

Die vier Phasen des INKA-Tests

Vor fast 40 Jahren hat Audi den INKA-Test erfunden, der alle Modelle durch Sonne, Schlamm und Schotter schickt. Jeder Audi muss dabei fünf Test-Phasen durchlaufen: In einer Klimakammer werden die Modelle bei über 35 Grad mit Salzwasser besprüht und anschließend feuchter Hitze ausgesetzt – bis zu 50 Grad bei 100 Prozent Luftfeuchtigkeit. In der dritten Phase simuliert ein künstliches Licht die schonungslose Sonne der Sahara, die das Fahrzeug auf fast 90 Grad aufheizt. Danach folgt der Kälteschock: Bei minus 35 Grad wird das Fahrzeug auf dem Prüfstand durchgerüttelt, um die Belastungen auf schlechten Wegstrecken darzustellen.

Altern im Auftrag der Qualität

Lichtgestalt: In der Klimakammer wird die Sonneneinstrahlung der Sahara-Wüste simuliert.

 

Die letzte Phase spielt sich immer wieder zwischendurch auf dem Freigelände ab: Testfahrer jagen die Autos über Schotterpiste, durch Schlammbäder und Salzwasser. „Am nächsten Tag geht dann alles wieder von vorne los“, erklärt Heiko Pries. „Nach 19 Wochen zerlegen wir das gesamte Auto dann in seine Einzelteile und suchen nach möglichen Schwachstellen.“ Dabei steht immer die Frage im Fokus: Wie haben die Abdichtungen und Schweißnähte, der Motor und die Elektronik die Tortur des INKA-Tests überstanden?

Altern im Auftrag der Qualität

Geschüttelt nicht gerührt: Auf der Rüttelstrecke muss das Fahrwerk einiges aushalten.

 

Die Audi Experten entwickeln den Test immer weiter und passen die Prüfungen individuell auf die steigenden Anforderungen an. Der neue Q7 etwa muss den so genannten Wat-Test bestehen und dabei einen halben Meter Wasser durchfahren. Heiko Pries drückt auf einen Knopf des Wasser-Prüfstandes. In kürzester Zeit ist das Becken vollgelaufen. Der Test kann beginnen: Langsam gleitet der Q7 durchs Wasser, schiebt dabei eine Bugwelle vor sich her. Diesen Weg muss er sich jetzt täglich bahnen – 19 Wochen lang.

INKA

Neu im INKA-Test: Der Wat-Test für den Audi Q7.

 

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Audi Q7:
Kraftstoffverbrauch kombiniert in l/100 km: 6,2-5,5**;
CO2-Emission kombiniert in g/km: 163-144**//www.audi.de/DAT-Hinweis.

**Angaben zu den Kraftstoffverbräuchen und CO2-Emissionen sowie Effizienzklassen bei Spannbreiten in Abhängigkeit vom verwendeten Reifen-/Rädersatz.


Eine Antwort auf Altern im Auftrag der Qualität

  1. Thomas Klüh 18.10.2015 um 17:54 #

    Sehr interessant!

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