Julian Fritsch
17.10.2015
DTM-Finale am Hockenheimring
„Bitte bereit halten“

Ratternde Schlagschrauber, röhrende Motoren und quietschende Reifen – in der DTM-Boxengasse herrscht Adrenalin pur. Besonders unter Strom stehen die Mechaniker, die das perfekte Auto liefern wollen. Aber wie fühlt man sich als Teil der Boxencrew? Das Audi-Blog wirft einen Blick hinter die Kulissen.

„Bitte bereit halten“

Jubel bei Timo Schneider. Doch der Sieg gebührt nicht nur dem Fahrer.

Timo Scheider stemmt den Siegerpokal in die Höhe. Gerade hat der 36–jährige das Samstagsrennen des DTM-Finales in Hockenheim gewonnen. Unter dem Podium steht das gesamte Audi Sport Team Phoenix und feiert den Triumph. Gemeinsam mit den Mechanikern mache ich eine Laola-Welle, schwenke eine Audi-Fahne und freue mich über den Sieg. Was war das für ein Rennsamstag, der hinter mir liegt.

Ein Tag als DTM-Mechaniker

Um 5:55 Uhr reißt mich der Wecker aus dem Schlaf. Die Versuchung sich noch einmal umzudrehen und weiterzuschlafen ist groß. Doch dann schießt mir durch den Kopf: Um halb acht beginnt mein Tag als DTM-Mechaniker. Also raus aus dem Bett, rein in die Klamotten und ab zur Rennstrecke.

Am Hockenheimring angekommen empfängt mich vor der Box Nummer 39 Dirk Theimann. Er ist Teammanager des Audi Sport Team Phoenix und heute mein Chef. In der Box stehen die Autos von Mike Rockenfeller und Timo Scheider – an beiden wird schon geschraubt. „Das ist Nicki Kirst, der Chefmechanik von Timo Scheider“; stellt mir Dirk den Mann vor, der gerade ein Flügelteil am schwarzen Audi RS 5 DTM mit der Nummer 10 anbringt. „Sein Team wirst du heute unterstützten.“

„Bitte bereit halten“

Über Funk bekommen die Mechaniker Anweisungen vom Renningenieur.

 

Nicki weist mich gleich ein: „Zwei Mann arbeiten an der Vorderachse, zwei Mann an der Hinterachse. Ich kümmere mich um den Innenraum. Schauen wir mal, wie du uns helfen kannst.“ Die Vorbereitungen für das freie Training sind schon im Gange. Das Auto wir aufgebaut, der Motor angelassen und getestet. Alle Teile werden gründlich überprüft. Pünktlich um neun Uhr geht es los. Ich bekomme Kopfhörer, über die ich den Boxenfunk höre. Laurent Fedacou, Scheiders Fahrzeug-Ingenieur, gibt über den Teamkanal Anweisungen: „Bitte bereit halten. Okay, Heizdecken ab und raus.“ Jetzt ist Action drin. Rasant reißen die Mechaniker die Heizdecken von den Reifen, schrauben die Pneus auf die Felgen, lassen das Auto runter und Scheider gibt Gas. Nach 30 Minuten schafft er die schnellste Rundenzeit aller Fahrer, ein guter Auftakt.

Das Qualifying beim DTM-Finale

Nach dem Training startet sofort die Vorbereitung für das Qualifying. Mein Job ist es, die Reifen zu waschen. Jedes Rad kommt in eine spezielle Spülmaschine, um es vom Bremsstaub zu befreien. Das garantiert, dass die Radmutter sich beim Reifenwechsel schnell lösen und festziehen lässt. Ein sehr guter Boxenstopp liegt bei 2,5 bis 3 Sekunden. „Die DTM ist ein sauberer Sport, alle Teile sind immer geputzt“, erklärt mit Sven Lohse, Reifenbetreuer im Audi Sport Team Phoenix.

Im Qualifying läuft es richtig gut für mein Team. Timo Scheider holt mit einer Zeit von 1:32.711 den zweiten Startplatz. Sein Teamkollege Mike Rockenfeller startet von Position sechs. Die Stimmung im Team ist spitze, das Wochenende geht gut los.

„Bitte bereit halten“

Audi Blog-Autor Julian Fritsch zeigt Audi Sport Team Phoenix Fahrer Mike Rockenfeller seine aktuelle Platzierung im freien Training.

Mit vorgewärmten Reifen zum Rennen

Kurz vor Rennstart steigt die Spannung. Die Autos werden für den Roll-out bereit gemacht und fahren in die Startaufstellung. Wir bepacken einen Vorstartwagen mit vorgewärmten Reifen und Werkzeug. Damit rollen wir zu unserem Auto. Auf der Start-Ziel-Gerade tummeln sich Teams, Journalisten und Schaulustige – es ist eine Menge los. Meine Kollegen sind angespannt. Laurent bekommt über Funk ständig neue Informationen. „Das ist die letzte Möglichkeit, um den Reifendruck anzupassen. Deswegen erhalten wir ständig neue Berichte über das Wetter und die Temperatur“, erklärt mir der Fahrzeug-Ingenieur. Kurz darauf müssen wir auch schon wieder in die Box, Zeit für den Start.

Ein intensives Rennen folgt. Beim Start kann Timo Scheider seinen zweiten Platz verteidigen, kurz darauf macht er auch schon Druck auf den Führenden. In der zweiten Runde ist es dann soweit: In Kurve sechs erwischt Scheider die bessere Linie, geht am Führenden vorbei und gibt den ersten Platz bis zum Ende nicht mehr her. Kurz vor der schwarzweiß karierten Flagge rennt das gesamte Audi Sport Team Phoenix auf die Boxenmauer und jubelt ihrem Sieger bei der Zieldurchfahrt zu. Dann folgen Siegerpokal, Champagnerduschen und Jubelgesänge. Der perfekte Abschluss für meinen ersten Tag als Boxenmechaniker in der DTM.


Eine Antwort auf „Bitte bereit halten“

  1. Ekkehard Fritsch 19.10.2015 um 21:25 #

    Sehr schöne Beiträge!!!!
    Weiter so!!!
    Dein stolzer Vater

Schreibe einen Kommentar

Benötigte Felder sind markiert. *

Nach dem Absenden Ihres Kommentars wird dieser durch die Redaktion überprüft und freigegeben.

Wenn Sie zum ersten Mal im Blog kommentieren, müssen Sie einmalig Ihre Identität bestätigen. Dazu erhalten Sie eine E-Mail mit einem personalisierten Link, den Sie für die Verifizierung Ihrer Angaben bitte aufrufen. Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht oder an Dritte weitergegeben.