02.11.2015
Namensvettern bei Audi
Thomas Müller, der Brasilianer

Was im ersten Moment für Gelächter sorgt, trifft auf einen Audianer tatsächlich zu. Ein Gespräch über Deutschlands häufigsten Männernamen und den viel diskutierten „Standarddeutschen“.

Rund 50.000 tragen ihn in Deutschland. Das macht Thomas Müller zum häufigsten deutschen Männernamen. Der Standarddeutsche isst außerdem rund 60 kg Fleisch/Wurst und genauso viele Kartoffeln im Jahr. Er ist 42 Jahre alt, ca. 1,79 Meter groß und seine Haarfarbe ist dunkelblond.

Ich treffe den Audianer Thomas Müller, Leiter für die Entwicklung von Brems-, Lenk- und Fahrerassistenzsystemen, und muss sagen, einhundertprozentig trifft diese Beschreibung nicht zu. Er ist zwar dunkelblond, aber in Brasilien geboren und aufgewachsen. Und seinen Namen musste er dort regelmäßig buchstabieren.

Thomas Müller, der Brasilianer

Ein ganz normaler Arbeitstag: Thomas Müller und der pilotiert fahrende Audi RS 7 concept in China.

 

Mit 19 Jahren zog Müller zum Studieren nach München. Nachdem er sich für das Telefonverzeichnis in der Universität registriert hatte, war er äußerst verwundert. „Ich musste mehrere Seiten umblättern, bevor ich mich zwischen all den Thomas Müllers gefunden hatte“, erzählt der 39-Jährige. Hier in Deutschland gab es auch bei der Schreibweise keine Probleme mehr. „Einmal wurde ich gefragt, ob es Möller oder Müller heißt, ansonsten bin ich hier recht anonym unterwegs“, sagt Müller.

Bei Audi ist er einer von 14

Den nächsten Überraschungsmoment hielt sein Einstieg bei Audi bereit. „In meiner E-Mail-Adresse stand hinter meinem Namen eine acht, also gab es im Unternehmen bereits eine Vielzahl von Kollegen, die den gleichen Namen wie ich tragen.“

Heute gibt es im Audi Adressbuch 14 Treffer, wenn man nach seinem Namen sucht. Die Thomas Müllers bei Audi verteilen sich über das Unternehmen, sind sowohl in der Technischen Entwicklung, der Produktion als auch im Vertriebsbereich zu finden.

„Leid tut mir der Kollege, der die erste Thomas-Müller-Mail-Adresse bekommen hat. Der bekommt sicher den größten Teil an falschadressierten Nachrichten“, sagt Müller und lacht. Auch er habe bereits einige Mails bekommen, die nicht an ihn gerichtet waren. „Eine Zeit lang bekam ich regelmäßig Rechnungen für Mietfahrzeuge, die ich nie genutzt hatte“, so Müller. Da musste der richtige Thomas Müller erst noch gefunden werden.

Thomas Müller, Der Brasilianer

„Somos campeões do mundo“ (Wir sind Weltmeister) – Das konnten die Seleção-Fans Familie Müller im vergangenen Jahr nicht bejubeln.

 

Jetzt werde es besonders spannend, da im selben Bereich im Büro nebenan ein zweiter Thomas Müller angefangen hat, mit ihm tausche er sich regelmäßig aus. Müller schmunzelt und sagt, „den gleichen Namen zu tragen hat etwas familiäres, man fühlt sich gleich verbundener.“ Im Familienurlaub saß Müller einst mit seiner Frau und seinen Kindern an einem Tisch, der mit seinem Namen gekennzeichnet war. Kurz darauf stand eine weitere Familie vor dem Tisch. Der Vater hieß ebenfalls Thomas Müller. „Abends haben wir uns an der Bar zusammengesetzt und über lustige Verwechslungen ausgetauscht“, erzählt Müller.

Der Zwiespalt zur Fußball-WM

Die Fußball-Weltmeisterschaft 2014 war ein schwieriger Wettbewerb für den Audianer Thomas Müller. „Ich habe die erste Hälfte meines bisherigen Lebens in Brasilien verbracht, deshalb bin ich Fan der Seleção“, sagt Müller. Besonders hart war es natürlich, dass ausgerechnet sein Namensvetter in der deutschen Nationalmannschaft den Torreigen eröffnete. „Bekannte schickten mir lauter Trauernachrichten. Ein wenig Genugtuung hat uns der Sieg der deutschen Nationalelf gegen Brasiliens Erzrivalen Argentinien verschafft“, so der Entwickler.

Auch wenn das Profil des Standarddeutschen nicht ganz passt, so bestehen doch einige Parallelen zwischen Müller und dem Nationalspieler: „Auch ich strebe nach Ergebnissen, mit denen wir weit vorne liegen – und sehe vieles mit einem Augenzwinkern.“


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