Julia Hecker
10.12.2015
Fahrwerkabstimmung- Teil 1
Fahrwerk hui, Magen pfui

Wer steckt eigentlich hinter dem Fahrwerk, durch das sich Audi auszeichnet? Und wessen Popometer entscheidet letztendlich über zu wenig Komfort oder zu viel Dynamik? Blog-Autorin Julia Hecker war mit einem Team der Audi-Fahrwerkentwicklung am Nürburgring – Teil 1.

Helm auf, feuerfester Anzug an – los geht’s! Respekt vor der Nordschleife? Den habe ich definitiv, zugeben würde ich das natürlich nicht – zumindest nicht vor den „Jungs“, wie Victor Underberg, Leiter Entwicklung Fahrwerkeigenschaften, Fahrdynamik/Fahrkomfort, sein Team nennt.

Auf die Frage, ob ich einen sensiblen Magen hätte, antworte ich meinen Kollegen bevor es losgeht: „Nein nein, Achterbahnfahren geht ja schließlich auch.“ Dass diese Frage tatsächlich eine der ersten in diesem Zusammenhang war, hätte ich in dem Moment wohl besser mal kritischer bewertet. Aber von vorn.

Unterwegs am Nürburgring

Bevor es für Julia Hecker auf die Nordschleife geht, ist die Welt noch in Ordnung und die Freude noch groß.

 

Trüb und grau ist es – für die Eifel aber nichts außergewöhnliches. Das Team, das ich am Nürburgring treffe, stammt aus der Audi-Fahrwerkentwicklung. Es ist verantwortlich für die richtige Auslegung der Fahrwerkeigenschaften, also das Maß an Dynamik und Komfort im Fahrverhalten. Es ist aber nur ein Team von Dutzenden, die am Fahrwerk des neuen Audi A4 arbeiten, denn für das perfekte Fahrgefühl zählt am Ende das Gesamtpaket. Neben den Grundeinstellungen haben unter anderem auch Reifen, Lenkung, Bremsen und Regelsysteme Einfluss auf das Fahrwerk. „Alles muss wie ein Uhrwerk funktionieren. Und passt nur ein Parameter nicht, macht dieser eine Punkt das ganze Auto kaputt“, verdeutlicht mir Gero Hackenberg, zuständig für die Fahrwerkabstimmung vom Audi A4, A5 und Q5.

Mit einem Prototypen auf Abstimmungsfahrt

Kaum angekommen, geht´s los – mit einem Prototypen auf meine erste Außenrunde, so nennen die Entwickler eine Abstimmfahrt quer durch die Landschaft rund um den Nürburgring vorbei an Wäldern, Wiesen und Kühen, durch 30er Zonen, Dörfer und über die Autobahn. Mein Platz: die Rücksitzbank – im Hagel von Fachbegriffen. 20er, 22er, 25er – es fallen Zahlen, viele Zahlen und noch viel mehr Fachbegriffe, mit denen ich nicht das Geringste anfangen kann. Auf dem Fahrersitz: Gero Hackenberg. Auf dem Beifahrersitz hat Markus Freitag Platz genommen. Seine Aufgabe ist es, im Anschluss an jede einzelne Abstimmungsfahrt kleinste Teilchen, Federn, Ventilscheiben und Kolben aus seinem mobilen Teilelager ins Fahrwerk – sprich dem Stoßdämpfer – einzubauen, auszubauen und zu variieren – solange bis das Popometer der beiden das Optimum auf den unterschiedlichen Strecken und bei unterschiedlichen Beladungen meldet.

Unterwegs am Nürburgring

Auch für den Audi A4 geht es für die perfekte Fahrwerkabstimmung quer durch die Landschaft rund um den Nürburgring.

 

Der Proszess der Fahrwerkabstimmung

Während das Team die Dämpfer neu bestückt, nimmt sich Gero Hackenberg Zeit, mir seine Arbeit zu erklären und das Geheimnis dahinter zu lüften – am Beispiel vom neuen Audi A4.

Ganz am Anfang der Fahrwerkentwicklung steht der A4-Auftrag vom Unternehmen: Schöner, runder Komfort bei Agilität und Sportlichkeit. Vier Jahre ist das her – vier Jahre! So lange hat es gedauert bis das A4-Fahrwerk basierend auf ersten Grunduntersuchungen tatsächlich zu dem wurde, wie wir es jetzt kennen.

Die ersten beiden Jahre davon gehen größtenteils auf das Konto der Entwicklung neuer Technologien im Fahrwerk. „Das Ziel ist immer technische Raffinesse – neue Technik um sich von der Konkurrenz abzuheben“, erzählt Gero Hackenberg.

Ab dem dritten Jahr kommen dann die Fahrwerkeigenschaften ins Spiel. Für mich sind es kleinste Feinheiten, für das Team, das ich heute begleite, sind es äußerst wichtige Details. Ihr Ziel: Das Audi-Fahrgefühl. Ihr Arbeitswerkzeug: verschiedensten Federn, Zusatzfedern und Stabilisatoren, sowie Funktionen und Parameter bei den geregelten Systemen.

Für jedes einzelne Derivat müssen die „Jungs“ das Fahrwerk individuell abstimmen, mehr Ladekapazität beim Avant, unterschiedliche Motoren und Leistungsklassen, Front- und Allradantrieb – alles muss bei der Abstimmung bedacht werden. Und auch ein Standard-Fahrwerk muss anders abgestimmt werden als sein sportliches Pendant oder das für ein S-Modell.

Von der ersten Planung am Schreibtisch bis zur finalen Abstimmung vergehen zwei Jahre. Zwei Jahre, in denen die „Jungs“ auf unzählige internationale Fahrten gehen – über Schwedens Schnee und Eis, auf Spaniens heißen Asphalt, über Berge und durch Täler in Österreich, über Chinas Straßen und Amerikas Highways sowie auf der Nürburgring-Nordschleife.

Unterwegs am Nürburgring

Mit der neuen Audi A4 Limousine geht es für Julia Hecker und das Team auf die Nordschleife.

 

Auf welche Details Gero Hackenberg bei der Abstimmungsfahrt konkret achtet und welche Rolle das individuelle Popometer sowie ein mehr oder weniger robuster Magen dabei spielen, lesen Sie im zweiten Teil von „Fahrwerk hui – Magen pfui“.

 

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Audi A4 Limousine TFSI quattro:
Kraftstoffverbrauch kombiniert in l/100 km: 6,3-5,9**;
CO2-Emission kombiniert in g/km: 144-136**//www.audi.de/DAT-Hinweis.
**Angaben zu den Kraftstoffverbräuchen und CO2-Emissionen sowie
Effizienzklassen bei Spannbreiten in Abhängigkeit vom verwendeten Reifen-/Rädersatz.

Eine Antwort auf Fahrwerk hui, Magen pfui

  1. Viraj Thakur 10.12.2015 um 17:53 #

    Seems to be a car for daily adventure!
    Would like to hear more about the development stages in detail.

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