Verena Väth
08.01.2016
Zukunftstechnologien
Mit HERE auf dem Weg zur Schwarmintelligenz

Mit der Beteiligung am Online-Kartendienst HERE legt Audi den Grundstein für Schwarmintelligenz und zahlreiche, neue digitale Angebote für Kunden. Peter Steiner, Geschäftsführer der Audi Electronics Venture GmbH*, erklärt im Interview, was es damit auf sich hat.

Herr Steiner, warum kaufen die drei Wettbewerber im Premiumsegment, Audi, BMW und Daimler, gemeinsam den Kartendienst HERE?

Hochauflösende Echtzeitkarten bilden für die gesamte Automobilindustrie eine wichtige Grundlage für ortsbezogene Dienste und die Weiterentwicklung von Fahrerassistenzsystemen bis hin zum pilotierten Fahren. Zudem bietet HERE eine hervorragende Datenbasis für neue Schwarmfunktionen. Wir Automobilhersteller möchten diese Kompetenz in den eigenen Händen behalten.

Mit HERE auf dem Weg zur Schwarmintelligenz

Peter Steiner ist Geschäftsführer der Audi Electronics Venture und gestaltet bei Audi die Elektronik im Auto.

 

Welchen Vorteil hat das Konsortium gegenüber anderen Anbietern?

Jedes Auto verarbeitet Unmengen von Daten aus der Umwelt, die es mit zahlreichen Sensoren, wie beispielsweise Ultraschall und Radar wahrnimmt. Im Prinzip sind unsere Autos fahrende Messstationen. Kein IT-Unternehmen ist imstande, eine solche Menge an Daten zu generieren wie wir Autohersteller. Das macht uns gerade im Kollektiv zu einem wichtigen Player. Insbesondere deshalb, weil unsere Daten sehr zuverlässig sind.

Welcher konkrete Nutzen ergibt sich daraus für den Audi-Kunden?

Mit Hilfe anonymisierter Daten verbessern wir bereits heute zahlreiche Funktionen für unsere Kunden. Beispielsweise treffen wir genaue Aussagen zu Staumeldungen oder Ankunftszeiten bei der Navigation, indem wir auf Echtzeit-Daten zurückgreifen. Künftig kann das Auto aufgrund der Echtzeit-Daten anderer Verkehrsteilnehmer und der verbauten Sensorik die zu fahrende Strecke vorhersehen – im Gegensatz zum Fahrer, der allein auf sein Sehvermögen angewiesen ist. Wenn ein Auto auf Glatteis gerät oder die Fahrbahn blockiert ist, können diese Informationen den nachfolgenden Autos mitgeteilt werden. Die Assistenzsysteme reagieren darauf und helfen dem Fahrer, das Fahrzeug sicher durch die Gefahrenstelle zu manövrieren. Das bedeutet Schwarmintelligenz.

Mit HERE auf dem Weg zur Schwarmintelligenz

Echtzeit-Daten liefern die Grundlage für Schwarmintelligenz.

 

Wie können diese Funktionen noch ausgebaut werden?

Mit personalisierten Daten gehen wir in Zukunft sogar noch einen Schritt weiter und berücksichtigen die Fahrgewohnheiten des Kunden: Fährt ein Kunde eher zurückhaltend, bremsen die Assistenzsysteme bereits frühzeitig vor einer engen Kurve ab. Bei einem sportlich fahrenden Kunden ist das hingegen nicht nötig. Das Auto wird so zu einem persönlichen Chauffeur, der seinen Kunden sehr gut kennt.

Das klingt viel versprechend für Autofahrer. Profitieren auch andere davon?

Definitiv. Ein wichtiger Partner werden beispielsweise Städte sein. Indem unsere Autos mit den Ampelsystemen kommunizieren, können wir auf einer grünen Welle durch die Städte fahren. Das vermeidet Staus und reduziert gleichzeitig Schadstoffausstoß und Verbrauch. Bereits mit dem Modelljahr 2017 werden wir dieses System mit dem Namen „Ampelinformation“ in den USA anbieten. Auch die Straßenbeschaffenheit können unsere Autos in Zukunft abtasten und die gesammelten Informationen an die relevanten Behörden weitergeben. So können aufgrund realer, aktueller Daten Entscheidungen darüber getroffen werden, wie und wann welche Straßenabschnitte erneuert werden müssen.

Kann der Kunde entscheiden: Meine Daten bekommt ihr nicht?

Selbstverständlich werden wir keine Daten verwenden, wenn der Kunde nicht einverstanden ist. Der Kunde entscheidet immer selbst, wie viel er von sich preisgibt. Dennoch basiert der Kerngedanke dieser Technologie auf einem Geben und Nehmen. Sind beispielsweise keine Echtzeit-Daten meiner Fahrposition ersichtlich, kann das System keine individuell für mich relevanten Informationen übermitteln. Der ganzheitliche Nutzen sowie auch der für jeden einzelnen Kunden ist daher mit dem Teilen der Daten eng verknüpft.

Das folgende Video erklärt, wie der Kartendienst HERE funktioniert:

 

*Audi Electronics Venture: Die 100-prozentige Audi-Tochter fungiert als Bindeglied zwischen den beiden Welten Automobil und Elektronik. Höchst flexibel setzt das Unternehmen auf Basis neuer Technologien für die AUDI AG Innovationen im Fahrzeug um. Dies erfolgt durch eigene Funktions- und Softwareentwicklung, Technologie-Scouting sowie ein breites Kooperationsnetzwerk.


Eine Antwort auf Mit HERE auf dem Weg zur Schwarmintelligenz

  1. Lisa 11.01.2016 um 14:57 #

    Klingt Spannend!

Schreibe einen Kommentar

Benötigte Felder sind markiert. *

Nach dem Absenden Ihres Kommentars wird dieser durch die Redaktion überprüft und freigegeben.

Wenn Sie zum ersten Mal im Blog kommentieren, müssen Sie einmalig Ihre Identität bestätigen. Dazu erhalten Sie eine E-Mail mit einem personalisierten Link, den Sie für die Verifizierung Ihrer Angaben bitte aufrufen. Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht oder an Dritte weitergegeben.