Timo Pape
18.01.2016
Trendfarben bei Audi
Probieren geht vor Lackieren

Im Fachbereich Exterieur Lacke der Abteilung Color & Trim analysiert Audi unter anderem weltweite Trends und entwickelt die potenziellen Lackfarben der Zukunft. Allerdings muss eine Farbe nicht nur zur Zeit, sondern auch zum speziellen Charakter eines Modells und dessen Besitzer passen.

Farbtrends bei Audi

Arbeitsumfeld in der Audi-Abteilung Color & Trim: Hier werden die neuen Farbtrends geboren.

 

Mode-Magazine, bunte Farbkarten und lackierte Karosserieteile liegen kreuz und quer über den Tisch verstreut. Es geht wie erwartet farbenfroh zu in der Abteilung Colour & Trim, die ein wesentlicher Bestandteil des AUDIdesigns ist. Simona Falcinella und ihr Team sind unter anderem dafür verantwortlich, in welcher Farbe ein neues Audi-Modell erhältlich ist. Doch wie verläuft der Entstehungsprozess eines Lacks?

„Inspiration für neue Farbtrends holen wir uns unter anderem aus der Mode und Inneneinrichtung“, sagt Carolin Horacek, die bei Colour & Trim für Außenlacke verantwortlich ist. „Wir recherchieren kontinuierlich und analysieren Magazine, Websites und Trendshows. Selbst im Privatleben holen wir uns zum Beispiel beim Shoppen Input, was neue Farben angeht.“

Lackfarben

Inspiration holt sich das Team unter anderem aus Modezeitschriften.

 

Entscheidend ist darüber hinaus das jeweilige Modell und sein typischer Kunde. Der Audi A4 hat im Vergleich zu anderen Baureihen viele neutrale Farben, während zum Beispiel der R8 stärker durch seine bunte Farbgebung polarisieren darf. Jedes Modell spricht einen anderen Kundentyp an. „Beim R8 können wir unsere verrückteren Ideen umsetzen“, fügt Falcinella hinzu. „Wir müssen die Farben also immer auf den speziellen Charakter eines Autos zuschneiden.“

Manche Farben wie etwa Schwarz bleiben weitgehend unangetastet, sie bleiben langfristig in der Farbauswahl, erklärt Horacek. „Rot hingegen müssen wir ständig im Auge behalten, weil es sich laufend verändert.“ Neu hinzu kommen immer wieder Trendfarben, die nur temporär zur Audi Farbpalette zählen. Manchmal schafft eine Trendfarbe sogar den Sprung zum Dauerbrenner: „Weiß war vor einigen Jahren eine echte Revolution, die durch die Produkte von Apple ausgelöst wurde. Vor 30 Jahren hat es weiße Autos praktisch nur in nördlichen Regionen gegeben, wo es sehr lange dunkel ist, oder in Südeuropa wegen der hohen Temperaturen dort. Heute ist Weiß ein fester Bestandteil unserer Farbpalette – in verschiedensten Nuancen.“

Die Mischung macht’s

Der Lack, der schließlich aufs Auto kommt, ist das Ergebnis einer komplexen Mischung. „Auf der einen Seite haben wir die Buntpigmente, die jeder von weitem wahrnimmt. Zudem gibt es Pigmente, die für den Effekt in der Farbe verantwortlich sind“, erklärt die Designerin Frau Horacek. Ein Uni-Lack ist demnach die reine Farbe ohne Effekte darin. Um hingegen einen Metallic-Look zu produzieren, werden der Grundfarbe Aluminium-Pigmente beigefügt, die dem Lack seine silbrig-glitzernde Optik verleiht. Ebenfalls durch Vermischung entsteht ein Lack mit Perl-Effekt.

Schon beim Mischverhältnis von Farben und Effekten sind unendlich viele Variationen möglich. Anschließend kann ein Klarlack oder Matt-Finish das Ergebnis abermals entscheidend beeinflussen. „Du musst sehr genau wissen, was du tust“, erklärt Falcinella. „Schon ein einziges Gramm von einer Zutat kann den Lack grundlegend verändern. Ein sehr guter Kolorist muss deshalb ein Gefühl für die richtige Farbe haben. Im Optimalfall ist er Künstler und Wissenschaftler zugleich.“

 

Farben müssen nicht nur den Zeitgeist treffen, sondern auch zum Auto passen.

 

Der Reiz liegt im Sonderbaren

Wenn es um Serienentwicklungen und die tatsächliche Herstellung geht, vertraut Colour & Trim auf seine Kontakte in der Branche: „Wir haben verschiedene Zulieferer, die die Lacke für uns produzieren. Sie forschen ständig mit neuen Pigmenten und Effekten und wissen genau, was technisch an welchem unserer Standorte umsetzbar ist. Wir geben also die Entwicklungen vor und entscheiden am Ende, ob der Lack aufs Auto kommt“, sagt Horacek.

„Wir mischen hier vor Ort auch selbst, aber eher für Showcars und zu Forschungszwecken“, erklärt Horacek. „Was hier entsteht, muss noch nicht zwingend technisch für die Serie umsetzbar sein, wir können uns austoben. Dadurch ergeben sich natürlich viel mehr Möglichkeiten, die die Grundlage für die Serienentwicklung darstellen können.“

Nun stellt sich zum Schluss noch die Frage: Stammen die zum Teil exotischen Namensbezeichnungen der Audi-Lacke ebenfalls von Colour & Trim? „Natürlich geben wir den Farben vorab Entwicklungsnamen. Der offizielle Name einer Farbe kommt letztlich aber von den Marketing-Kollegen, die dafür ausführlich recherchieren“, erklärt Falcinella und schießt noch zwei interessante Fakten nach: „Die Farben für unsere RS-Modelle, wie zum Beispiel Misano-Rot oder Daytona-Grau, sind übrigens alle nach Rennstrecken benannt, um die Nähe zum Motorsport auszudrücken. Außerdem haben alle Lacke von Audi deutsche Namen.“

 

Farbtrends bei Audi

Die Farbe Navarablau erregt Aufsehen. Doch sie passt nicht zu jedem Modell.

 


5 Antworten auf Probieren geht vor Lackieren

  1. Harald Wehmeyer 17.02.2016 um 18:27 #

    Wann dürfen wir mit mehr Farbauswahl beim Audi TT Roadster rechnen? Die Entscheidung zwischen Weiss oder Schwarz, Grau, ein anderes Grau oder noch ein Silbergrau und dann noch ein dunkles Grau und wenigstens Blau, Rot, Gelb ist nicht gerade abwechslungsreich. Warum gibt es nicht wenigstens auch das Farbangebot des Coupés? Warum gibt es kein dunkles Grün, dunkles Blau oder dunkles Rot? Natürlich kann ich zu Audi Exclusive gehen – alos das bitte nicht als Antwort anbieten 😉

    • Agnes Happich 18.02.2016 um 07:07 #

      Lieber Harald Wehmeyer, wir erkundigen uns gerne bei der Fachabteilung, ob in nächster Zeit weitere Farben erhältlich sein werden. Wir melden uns bei Ihnen, sobald wir eine Rückmeldung haben. Herzliche Grüße aus Ingolstadt von Ihrem Team der Audi Online-Kommunikation

      • Stephanie Huber 18.02.2016 um 15:04 #

        Hallo Herr Wehmeyer, wir haben uns mit der Fachabteilung ausgetauscht: Beim Farbangebot bestimmt die Nachfrage das Angebot. Aktuell wird der Audi TT Roadster aber mit der gleichen Farbauswahl wie das Audi TT Coupé angeboten. Unter http://bit.ly/210ESeX finden Sie die bestellbare Farbpalette. Ihr Social Media-Team der Audi Kommunikation

  2. Hanna 09.11.2016 um 13:15 #

    Hallo! Ich wußte nicht, dass es so viel Arbeit in dieser Sache geht! Ich habe von dieser Ansicht niemals es betrachtet. Wirklich interessant. Ist es bei Audi möglich, auch andere Autos sich lackieren lassen?
    LG
    Hanna

    • Stephanie Huber 10.11.2016 um 09:32 #

      Hallo Hanna,

      danke für Ihren Kommentar und schön, dass Sie den Beitrag interessant fanden. Fremdfabrikate können Sie bei uns nicht in einer Audi-Farbe lackieren lassen.

      Herzliche Grüße aus der Social Media-Redaktion

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