Timo Pape
27.01.2016
Lichttechnologie - Teil 2
Homogen-Strahler

Ob Matrix Laser-Scheinwerfer oder organische LED: Die Lichtinnovationen, die Audi in den kommenden Jahren auf den Markt bringen wird, verbinden Ästhetik mit ganz erstaunlichen Funktionen.

Durch die OLED-Technologie lassen sich unterschiedlichste Designvorstellungen umsetzen.

 

Unter der Erde in völlige Dunkelheit getaucht steht Stefan Berlitz vor einem Audi-Prototypen. Er befindet sich im Audi Lichtassistenzzentrum, dem größten befahrbaren Lichtkanal Europas. Als Berlitz, der Leiter Entwicklung Licht­innovationen/Funktionen bei Audi ist, um das Auto herumgeht wird er von homogen leuchtenden OLEDs begleitet. Sie zieren die Flanken der Designstudie OLED Lighting. „Das Licht folgt dem Fahrer um das Auto herum und zeigt ihm etwa, wo die Türgriffe sind“, erklärt Berlitz. „Das geht natürlich auch im Innen­raum. Das Interieur wird künftig immer mehr mit dem Exterieur verschmelzen.“

Tiefgestapelt

Am Heck strahlen die beiden Rückleuch­ten mit stechend scharfen Konturen. Mehrere kleine „Lichtkacheln“ sind darin kunstvoll angeordnet. Auch hier kommen organische Leucht­dioden zum Einsatz. Eine einzelne OLED kann die Größe eines Smartphonedisplays haben, doch die Dicke des Materials liegt unter einem Millimeter. Auf diese Weise bietet es unzählige Gestaltungsmöglichkeiten.

Jede „Lichtkachel“ besteht aus sieben verschiedenen Schichten, die übereinandergestapelt sind. Manche dienen der Bauteileffizienz, am prominentesten ist jedoch die Emitterschicht. In jeder OLED-Einheit schließen zwei Elektroden, von denen mindestens eine transparent sein muss, eine Vielzahl dünner Schichten aus organischem Halbleitermaterial ein.

Eine niedrige Gleich­strom­spannung – zwischen drei und vier Volt – bringt die Schichten, die weniger als einen Tausend­stel­millimeter dick sind, zum Leuchten. OLEDs basieren – analog zu konventionellen LEDs – auf dem Phänomen der Elektrolumineszenz. Nichtsdestotrotz ist die Basis der OLED – ebenso wie bei der Matrix Laser-Technologie – eine normale LED-Lichtquelle.

Stephan Berlitz verantwortet bei Audi die Entwicklung der Lichtinno¬vationen.

 

Flächenbrand

Im Gegensatz zu Punktlichtquellen wie LEDs aus Halbleiterkristallen sind OLEDs Flächen­lichtquellen. Für ihr homogenes Erscheinungsbild benötigt die Technologie keine Reflektoren, Licht­leiter oder zusätzliche Optiken. Eine OLED lässt sich in beliebig viele Leuchtflächen unterteilen, die einzeln angesteuert werden können. So haben die Audi-Entwickler und -Designer die Möglich­keit, unterschiedliche Helligkeitsstufen auf einer einzigen „Kachel“ trennscharf voneinander abzugrenzen.

Schon bald werden dreidimensionale Leucht­dioden in der Serie zum Einsatz kommen: „Bei flexiblen OLEDs ist das Substratmaterial – anstelle von starrem Glas – nur noch eine Folie“, erläutert Berlitz. „Wir können damit ganz neue Formen gestalten und dreidimensional völlig neue Wirkungen erzielen. Diese Kombination aus Ästhetik und hochinnovativen Technologien werden wir künftig forcieren, weil uns OLEDs ein noch progressiveres Design ermöglichen“, sagt der Lichtingenieur.

Neben dem niedrigen Energieverbrauch und einer langen Lebensdauer liegt ein weiterer Vorteil der OLED in ihrem breiten Abstrahlwinkel, der zu noch besserer Erkennbarkeit des Fahrzeugs führt und damit zu mehr Sicherheit im Straßen­verkehr.

Durch die OLED-Technologie lassen sich unterschiedlichste Designvorstellungen umsetzen.

Durch die OLED-Technologie lassen sich unterschiedlichste Designvorstellungen umsetzen.

 

Erleuchtung schon morgen

Plötzlich wird es wieder hell im Lichtassistenzzentrumt. Doch der Prototyp mit den beeindruckenden Innovationen bleibt an Bord. Schon in wenigen Jahren werden die heute noch futuristisch anmutenden Inno­va­tionen auf öffentlichen Straßen unterwegs sein. Das gilt übrigens auch für die Matrix Laser-Technologie, sobald der Gesetzgeber grünes Licht gibt.

Denn rund ein Drittel der gesetzlichen Vor­schriften für Autos betrifft die Beleuchtung. „Die Signale, sei es der Blinker oder das Bremslicht, müssen eindeutig sein“, erläutert Berlitz. Außer­dem gibt es viele regionale Unterschiede: „In den USA dürfen wir zum Beispiel unsere Matrix-LED-Scheinwerfer bis heute nicht ausliefern, da es noch keine passende Regelung gibt.“

OLED steht genau wie Matrix Laser für die Zukunft der Lichttechnologie. Worin die Stärken des Matrix Laser liegen, lesen Sie im ersten Teil unserer zweiteiligen Serie über die Audi Lichtinnovationen.


2 Antworten auf Homogen-Strahler

  1. Fabian 28.01.2016 um 10:23 #

    Sehr schöner Beitrag!

  2. Janus 28.01.2016 um 20:32 #

    OLED ist definitiv das A und O und wird schon bald in vielen Fahrzeugen Einzug halten.

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