Dorothea Joos
04.02.2016
Unterwegs im Technikträger - Teil 2
Zukunftstechnologien im Härtetest

Kälte, Eis und Schnee. Audi Technologien müssen härtesten Bedingungen Stand halten. Blog-Autorin Dorothea Joos hat ein Team von Entwicklern über mehrere tausend Kilometer beim Kältetest nach Skandinavien begleitet. Teil zwei unserer dreiteiligen Serie.

Unterwegs im Technikträger - Entwicklung hautnah

In der Auto-Kolonne geht es für einen Tross von Audi-Entwicklern nach Skandinavien.

 

Es ist stockfinster. Vor mir sehe ich nur zwei rote Heckleuchten. Schneegischt wirbelt auf. Dranbleiben! Ich bin das letzte Auto in der Kolonne irgendwo durch die skandinavische Taiga. Um uns herum nichts als Tannenwälder und Schnee. Das nächste Dorf ist so weit weg, dass es in der Darstellung auf dem Navi-Bildschirm nicht mehr existiert. Mitten in der Einöde sind wir fast am Ziel.

Ingolstadt, drei Tage zuvor. „Wir bleiben immer zusammen. Haltet Funkkontakt.“ Dietrich Bock hat sein Team für eine letzte Lagebesprechung zusammengetrommelt und gibt klare Anweisungen. Nachdem auch mein Audi Q7 mit einem Funkgerät und einer langen Antenne ausgestattet ist, geht es los. Von Ingolstadt bis nach Skandinavien. Wo genau unser Ziel liegt, darf ich nicht verraten. Denn für das Testgelände im hohen Norden gilt höchste Geheimhaltung. Hier erprobt Audi neue Technologien und Modelle unter kältesten Bedingungen. Passender Deckname: Kalt 1.

Einige Entwickler nutzen bereits die Fahrt nach Skandinavien und testen Technologien unter realen Straßenbedingungen bei Eis und Schnee. Die noch geheimen Entwicklungen sind gut getarnt in sogenannten Technikträgern: aktuelle Modelle mit neuesten Technologien unter der Karosserie.

Unterwegs im Technikträger - Entwicklung hautnah

Eis, Schnee und tiefstehende Sonne verlangen dem Laserscanner einiges ab.

 

Sensoren im Extremtest

Auch die Autos in meiner Kolonne sehen von außen aus wie Serienfahrzeuge – bis auf den kleinen schwarzen Kasten im Singleframe. „Das ist der Laserscanner“, erklärt mir Entwicklungsingenieur Dietrich Bock. „Er erkennt Objekte bis zu mehr als 200 Meter vor dem Auto auf optische Art.“ Damit ist der Scanner eine Weiterentwicklung des Radarsensors, der seine Umgebung mit Hilfe von elektromagnetischen Wellen erfasst. Erstmals zum Einsatz kam der Laserscanner im August 2014 in einem Audi A7 Versuchsauto. Der Scanner ist ein wichtiger Baustein für pilotiertes Fahren. Jetzt erproben ihn Bock und sein Team für den Serieneinsatz.

„Auf dem Weg nach Kalt 1 testen wir unter anderem, wie sich die Sensoren und das Reinigungssystem bei Verschmutzung und Vereisung verhalten“, erklärt Bock. Bis zu minus 40 Grad kann es im Winter in Skandinavien werden. Ein extremer Test. „Der Kunde soll auch bei widrigstem Wetter einen Nutzen von unseren Assistenzsystemen haben.“ Da der deutsche Winter keine stabilen Schneeverhältnisse garantiert, hat sich das Team auf den Weg nach Skandinavien gemacht.

Unterwegs im Technikträger - Entwicklung hautnah

Kleiner Kasten, große Wirkung. Der Laserscanner erfasst die Umgebung und ist damit ein wichtiger Bestandteil für das pilotierte Fahren.

 

Entwickler werten Daten kontinuierlich aus

Wir kommen bis nach Norddeutschland. Dann ist erst einmal Schluss. Einer der Laserscanner funktioniert nicht korrekt. „Der Scanner wurde kalibriert als das Auto leer war“, sagt Entwicklungsingenieur Christian Hilden. Koffer und Messequipment wiegen aber einiges, sodass der Sensor nun nicht mehr richtig ausgerichtet ist. War die Fahrt nun umsonst?

Das Team bleibt gelassen. Ein kurzer Besuch im Baumarkt, zwei Unterlegscheiben und der Sensor ist wieder am richtigen Platz. „Wir haben hier nicht die Infrastruktur wie in Ingolstadt. Da müssen wir uns etwas überlegen und selbst Hand anlegen“, erzählt Hilden. Tüfteln wie Daniel Düsentrieb – das macht für viele Entwickler und Ingenieure den Abenteuercharakter einer solchen Fahrt aus. „Es ist eine ganz andere Arbeit“, sagt Hilden. Der Entwickler fährt zum ersten Mal nach Kalt 1. „Auf der Fahrt lerne ich gerade Menschen kennen, mit denen habe ich ein Jahr lang nur telefoniert und Emails geschrieben. Jetzt erleben wir gemeinsam, was aus unserer Entwicklung geworden ist und lösen Probleme.“

Unterwegs im Technikträger - Entwicklung hautnah

Nicht mit Tarnfolie beklebt und dennoch auffällig: die Audi-Entwickler auf ihrer Fahrt in den Norden.

 

Weiter geht es Richtung Meer. Auch wenn unsere Autos nicht mit Tarnfolie beklebt sind wie Erlkönige, die Kolonne dunkler Limousinen mit langen Antennen fällt auf. Auf der Autobahn überholen uns mehrmals andere Fahrzeuge. Neugierige Blicke verfolgen unseren Tross.

Am Etappenziel angekommen, bringen wir die teuren Technikträger in einer überdachten und bewachten Garage unter. Zusätzlich wird das Interieur mit einem schwarzen Filz verdeckt. Bereits von unterwegs haben die Entwickler erste Auswertungen per E-Mail nach Ingolstadt versendet. Am Abend folgen weitere vom Hotelzimmer aus. Täglich sammelt das Team von jedem Auto hunderte Gigabyte Daten. Bis morgen früh liefern die Kollegen ein Softwareupdate, das das Team vor Abfahrt aufspielt.

Laserscanner erkennt Hindernisse frühzeitig

Ein anderer Ort, ein anderer Morgen, die gleiche Prozedur. „Flashen“ nennen es die Entwickler, wenn sie die verbesserte Software aufspielen. So viel habe ich nach drei Tagen gelernt. Nachdem alle Technikträger mit dem Update versorgt sind, lassen wir die Stadt hinter uns und fahren auf einer kleinen Landstraße weiter. Endlich, kurz hinter den letzten Häusern: der erste Schnee. Nach wenigen Kilometern sieht die Welt um uns herum aus wie aus einem Astrid Lindgren Roman: verschneiter Tannenwald, ab und zu ein kleines rot-weißes Häuschen am Fahrbahnrand.

Unterwegs im Technikträger - Entwicklung hautnah

In Skandinavien stehen immer wieder Rentiere und Elche mitten auf der Landstraße.

 

Das Funkgerät knackt. Ich höre Christian Hildens Stimme: „Vorsicht, da steht jemand mitten auf der Straße.“ Lange bevor ich das Hindernis vor der tiefstehenden Sonne erkennen kann, hat der Laserscanner in Christians Audi es bereits erfasst. „Was zur Hölle…? ELCH!“ brüllt er plötzlich durch das Funkgerät. Die Kolonne vor mir legt eine Vollbremsung hin. In der Tat: Mitten auf der Fahrbahn steht eine Elchkuh. Verdutzt starrt sie die Audi Limousinen an. Chef Dietrich Bock nimmt es gelassen: „Immerhin wissen wir jetzt, unser Laserscanner funktioniert einwandfrei.“

Damit ich in der Dunkelheit keinen Elch übersehe, projiziert der Audi Q7 für mich per Knopfdruck ein Wärmebild der Umgebung auf das virtual cockpit hinter dem Lenkrad.Nachdem die Sonne ebenso vorsichtig wie sie über den Horizont gekrochen auch schon wieder abgetaucht ist, setzt Schneefall ein. Die Entwickler freut es, denn jetzt ist der Verschmutzungsgrad der Sensoren besonders hoch und sie können die Reinigung testen.

Wintertour - Teil 2

Es ist zwar erst 14 Uhr – doch so langsam geht bereits die Sonne unter.

 

Die Entwickler testen und testen und machen dabei Kilometer um Kilometer gut. Bis auf einige Rentiere ist die Gegend völlig verlassen. Die Dunkelheit und die Monotonie der schnurgeraden Straße durch die Einsamkeit der Taiga machen mich müde. Auf einmal geht alles ganz schnell. Mitten zwischen den Tannen führt irgendwo eine kleine Straße nach links. Vor uns biegt ein Erlkönig ein. Hier muss es sein. Kalt 1, das geheime Testgelände. Wir haben es geschafft.

Lesen Sie den dritten Teil unserer Erprobungsfahrt-Serie am 5. Februar im Audi Blog.


2 Antworten auf Zukunftstechnologien im Härtetest

  1. Meifusz 11.02.2016 um 17:09 #

    Very good test. No good that there are no translation movie to english.

    • Stephanie Huber 12.02.2016 um 10:10 #

      Hi Meifusz,

      I’m happy to hear that you liked the test. You can find the clip in an English version on our video platform Audi Media TV.

      Best,

      Stephanie from the Social Media Team of Audi Communications

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