Marko Belser
12.02.2016
#Untaggable
Alles auf Anfang: Die Entwicklung eines neuen Audi

Seit vier Jahren arbeiten Audi-Mitarbeiter an einem neuen Modell. Was passiert in dieser langen Entwicklungsphase und woran müssen die Mitarbeiter auf der Zielgeraden noch feilen? Autor Marko Belser war beim Endspurt vor Ort.

Ein neuer Audi

An diesem Auto feilen Audi-Mitarbeiter seit vier Jahren. Weltpremiere feiert das Auto auf dem Genfer Autosalon.

 

Jedes Mal wenn Jens Kosyna an seinem Schreibtisch sitzt, schaut er auf ein kleines Plakat von PEP. Damit ist nicht etwa der Noch-Trainer eines Fußballclubs aus München gemeint, sondern der Produktentstehungsprozess eines neuen Audi. Kosyna hat den PEP-Plan als technischer Projektleiter stets im Blick. Er zeigt von links nach rechts die Meilensteine auf dem Weg eines neuen Audi-Modells, von der Idee bis zum Serienauto.

Ganz links steht „PS“ für Projektstart. Der war im März 2012. „Jetzt sind wir auf der Zielgeraden“, sagt Kosyna. Mitte dieses Jahres wird Produktionsstart sein, der Endspurt läuft.

In der Endspurt-Phase geht es vor allem um eines: testen, testen, testen. Die Vorserienfahrzeuge sind im Dauerlauf. Ein ganzes Autoleben wird dabei im Zeitraffer abgespult. „Wir testen die Autos auf Herz und Nieren“, sagt Kosyna. In der Praxis heißt das: Die Entwickler jagen auf geheimen Testgeländen die Vorserienautos hunderttausende Kilometer über Bodenwellen, Steigungen und Vollgasstrecken.

Die härtesten Prüfungen sind für Kosyna allerdings andere – die Crashtests. „Dabei zuzusehen“, sagt der Entwickler, „das tut schon ein bisschen weh.“ Doch nicht nur die Autos werden getestet, auch die Bauteile. Die Serienwerkzeuge, mit denen Audi die Einzelteile des neuen Modells herstellt, sind  fertig. „Nun prüfen unsere Ingenieure die Serienteile auf Festigkeit, Oberflächenanmutung und Bauteileigenschaften.“

Vier Jahre Entwicklungsarbeit

Rückblick: Vor knapp vier Jahren fiel der Startschuss für die Entwicklung des neuen Audi. Die alles entscheidende Frage damals: Mit welchem Modell können wir unsere Produktpalette am besten ergänzen?

Die Marktforschung begann mit ihren umfangreichen Untersuchungen, Designer entwarfen erste Modelle, Strategen entwickelten ein Profil mit technischen Eigenschaften. Anfang 2014 saß Kosyna dann das erste Mal am Steuer eines handgefertigten Konzeptfahrzeugs. „Das ist ein erhabenes Gefühl, das Auto endlich fahren zu können“, erinnert sich der technische Projektleiter. Anschließend begann das Feintuning. Es wurde konstruiert, erprobt, abgesichert, geprüft, gemessen, simuliert und aus den ganzen Erkenntnissen entstanden schließlich die Prototypen.

Der neue Audi wird in die bestehende Montagelinie des Audi A3 integriert.

Der neue Audi wird in die bestehende Montagelinie des Audi A3 integriert.

 

Der Tag der Wahrheit kam im Oktober 2015. Das erste Vorserienfahrzeug fuhr in der Montagehalle selbstständig vom Band – ohne Komplikationen und zur großen Erleichterung von Kosyna.

Auch für Oliver Sander war es ein wichtiger Moment, als das erste Modell vom Band fuhr. Denn als Anlaufkoordinator in der Montage kümmert er sich darum, dass die Abläufe beim Bau des Autos reibungslos funktionieren. „Die größte Herausforderung ist es, das neue Modell in eine bestehende Linie zu integrieren.“ In der sogenannten Produktionsversuchsserie laufen seit Ende 2015 einzelne Modelle des neuen Audi auf der Montagelinie des A3. Dabei proben Oliver Sander und die Mitarbeiter der Montage die Serienproduktion. Das heißt, sie optimieren Prozesse und prüfen, ob die Abfolge der Takte und die Laufwege passen.

Auf die Produktionsversuchsserie folgt die Nullserie. Sie schließt die Phase der Vorserienfertigung ab und leitet als finaler Testlauf die Serienproduktion ein. Bis dahin müssen die Prozesse, die Betriebsmittel und Einstellwerkzeuge serienreif sein.

Macht es für Sander und seine Kollegen beim Anlauf eigentlich einen Unterschied, dass ein ganz neues Modell in Serie geht? „Für uns ist jeder Anlauf eine spannende Aufgabe“, sagt Sander. „Aber natürlich ist der Reiz größer, ein neues Modell erfolgreich in die Linie zu integrieren.“

Ein neuer Audi

Das Heck des neuen Audi: flach und breit.

 

Dass es aktuell um ein ganz neues Modell geht, spielt auch für Steffen Tarashti eine große Rolle. Er arbeitet bei Audi im Marketing und ist Produktreferent für den neuen Audi: „Wenn es ein Vorgängermodell gibt, haben wir eine Orientierungshilfe für das Nachfolgemodell.“ Diese Orientierungshilfe fehle bei einem neuen Modell – dafür ergeben sich ganz neue Chancen. „Wir können die Freiheiten einer Neuproduktentwicklung vollständig ausschöpfen, um das optimale Auto anzubieten.“

Wie wird der neue Audi aussehen?

Und worauf wurde bei diesem neuen Audi-Modell besonderer Wert gelegt? „Zum Beispiel auf Individualisierbarkeit und extrovertiertes Design“, sagt Tarashti. Und es kommt noch etwas hinzu: Es ist nicht nur ein ganz neues Modell; für Tarashti definiert es auch ein neues Segment. Dank hohem Grill, flachem und breitem Heck wirkt der neue Audi sehr wuchtig. Ein Designer hat ihn einmal mit einem Footballspieler verglichen. „Das fand ich sehr treffend.“

Tarashti arbeitet derzeit an den Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Markteinführung im Herbst. Mit den Vertriebsregionen legt er beispielsweise den Variantenbaum fest. Das sind die 5.000 Autos, die als erste zu den Händlern gehen. Bei der Zusammenstellung berücksichtigt er länderspezifische Besonderheiten bei den Ausstattungsvarianten. Zum Beispiel kaufen Engländer eher sportlich ausgestattete Modelle, Italiener eher designorientierte. Ein wichtiges Etappenziel ist Genf: Dort ist das neue Modell auf dem Autosalon Anfang März erstmals zu sehen. „Dann muss alles stimmen“, sagt Tarashti, „und das Auto muss all das verkörpern, was an Ideen und Innovationen in ihm steckt.“

Noch haben den neuen Audi nur Wenige gesehen. Einen Kunden hat das neue Auto aber schon sicher: Jens Kosyna. „Ich möchte dieses Auto auf jeden Fall fahren“, sagt der technische Projektleiter. Wenn es so weit ist, kann er auch endlich das Plakat neben seinem Schreibtisch abhängen. Denn dann ist der Punkt ganz rechts auf dem PEP-Plan erreicht: „ME“ – die Markteinführung.

 

In den kommenden Tagen verraten wir Ihnen auf Facebook und Twitter noch mehr Details zu unserem neuen Audi, der auf dem Auto Salon Genf seine Weltpremiere feiern wird: #Untaggable



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