Stephanie Huber
06.04.2016
Interview mit Künstler Nik Nowak
Wie ein Auto zum Musikinstrument wird

Der Berliner Künstler Nik Nowak ist bekannt für außergewöhnliche Soundinstallationen. Jetzt wagt er sich an ein neues Objekt heran: Am 6. April verwandelt er den Audi Q2 in der Audi City Berlin in ein Musikinstrument. Bei den Proben hat er verraten, vor welchen Herausforderungen ihn der Audi Q2 stellte.

Der Audi Q2 als Musikinstrument

Mit Filzkopfschlägel trommelt der Percussionist Takumi Motokawa bei den Proben auf dem Audi Q2.

 

Mit einem sonoren Brummen startet der Motor des Audi Q2. Tür auf, Tür zu. Fenster rauf, Fenster runter. Im Sekundentakt trommelt ein Filzkopfschlägel auf das Motorengehäuse, geschmeidig streicht ein anderer über den Kotflügel. Jedes noch so versteckte Geräusch des Autos nimmt ein Mikrofon auf. Das war vor drei Wochen im Studio Babelsberg. Dort hat Nik Nowak zusammen mit dem Percussionisten Takumi Motokawa alle erdenklichen Klänge des Audi Q2 hervorgezaubert und aufgenommen.

Am Mittwochabend zeigt er nun in der Audi City Berlin, wie er aus den Sounds live einen tanzbaren bassgewaltigen Beat mischen kann und den Audi Q2 in eine Musikinstrument verwandelt. Wir haben ihn kurz vor seinem Auftritt bei den Proben getroffen und ihn zu seinem neuesten Soundprojekt befragt.

Der Audi Q2 als Musikinstrument

Nik Nowak lebt in Berlin und ist Künstler und Musiker.

Wer ist dieser Nik Nowak?

Ich bin bildender Künstler und Musiker und beschäftige mich mit Sound, Mensch und Maschine. Neben dem Klangpotenzial von Objekten interessiert mich in meiner künstlerischen Arbeit die psychologische und physische Wirkung von Klang auf den Menschen und seine Umgebung.

Wie wählst du die Objekte für deine Kunstwerke aus?

Ich benutze teilweise gefundene oder alte Geräte für meine Installationen und Soundobjekte. Bei der Auswahl achte ich darauf, dass die Fundstücke bereits einen Assoziationskosmos aufmachen und eine Geschichte suggerieren, die mit der eigentlichen Funktionsweise des Objekts nicht wirklich etwas zu tun haben muss.

Der Audi Q2 als Musikinstrument

Auch bei der Generalprobe am 3. April wurden nochmals neue Klänge des Audi Q2 aufgenommen.

Wie bist du auf die Idee gekommen, ein Auto als Musikinstrument zu nutzen?

Ich nutze in vielen meiner Projekte das Motiv der Mobilität. Besonders im Kontext der Bildenden Kunst und vor allem Skulptur hat es mich gereizt, dem Statischen das Dynamische und Bewegte entgegenzusetzen. Ich persönlich muss mich ständig fortbewegen und folge einem nomadischen Prinzip. So ziehe ich auch regelmäßig mit meinem Studio um, was anstrengend ist, aber ich mag es, wenn sich um mich herum die Umgebung verändert. Und was steht mehr für Mobilität als ein Auto?

Ein mit Grillen gefüllter Kubus oder ein Panzer mit 4.000 Watt starkem Bass  Deine bisherigen Soundinstallationen waren außergewöhnlich und auffällig. Wie muss ein Objekt beschaffen sein, damit es sich für dich als Klangquelle eignet?

Im Prinzip kann alles zum Musikinstrument werden. Deshalb geht es mir in einem ersten Schritt vor allem darum, herauszufinden, welche Möglichkeiten ich mit dem Material habe und wo die Grenzen liegen. Die Kunst besteht teilweise auch darin das Material dazu zu zwingen, etwas anderes zu werden, als das was es in seinem natürlichen Zustand ist.

Der Audi Q2 als Musikinstrument

Percussionist Takumi Motokawa und Nik Nowak arbeiten bei der Soundinstallation Hand in Hand.

Was war für dich bei der Soundproduktion mit dem Audi Q2 die große Herausforderung?

Als wir uns den Audi Q2 als Klangquelle vorgenommen haben, haben wir schnell festgestellt, dass jeder Sound am Auto bereits designt ist. Das heißt, beim Türenschlag, Scheibenwischer oder Motor ist kein Klang zufällig, sondern aufwändig von den Ingenieuren entwickelt worden. Alles hat einen gewollten Klang. Anders als bei alten Autos. Da hat man noch mehr Zufälligkeit und auch mal ein blechernes Geräusch. Bei den Aufnahmen haben wir es uns dann zur Aufgabe gemacht, Töne hervorzubringen, die unter den designten Klängen liegen. Wir haben bei den Aufnahmen viel ausprobiert, Resonanzräume und Eigenfrequenzen der Bauteile untersucht und Mikrofone mit unterschiedlichen Charakteristiken verwendet, wie zum Beispiel Grenzflächen oder Mikrofone mit besonderem Tiefgang. Verschiedene Sounds wie etwa, die Vibration des Motors, die man im Fahrerbereich nicht hört, haben wir gleichzeitig im Kofferraum, unter dem Auto und auch gerichtet abgenommen. So entstand unser Sub-Bass.

Sehen Sie das Video zum Event:

 Nik Nowaks Auftritt mit dem Audi Q2 in der Audi City Berlin können Sie live auf https://boilerroom.tv/session/untaggable/ verfolgen, am 6. April 2016 von 20.00 Uhr bis 01.00 Uhr.

 

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Verbrauchsangaben Audi Q2:

Das Fahrzeug wird noch nicht zum Kauf angeboten. Es besitzt noch keine Gesamtbetriebserlaubnis und unterliegt daher nicht der Richtlinie 1999/94/EG.


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