Alexander Stiehle
27.04.2016
Sicherheitstraining
Audi-Rettungssimulator – Wo geht’s hier raus?

Es kann rasend schnell gehen: Ein Auto kommt von der Straße ab, überschlägt sich und liegt auf dem Dach. Was ist zu tun? Um das zu üben, bietet die Audi driving experience Sicherheitstrainings in einem Rettungssimulator an. Autor Alexander Stiehle war vor Ort und stand Kopf.

Rettungssimulator

Instruktor Kai-Uwe Jochims dreht den Audi-Rettungssimulator langsam um seine Längsachse.

 

Langsam dreht sich die Außenwelt. Das Blut steigt mir immer mehr in den Kopf und der Druck wird schnell unerträglich. Schnappatmung setzt ein. Panik bricht aus. Dann hänge ich kopfüber im Gurt. Was hier los ist? Gott sei Dank verunglückte mein Auto nicht bei einem realen Unfall, sondern nur in einer Simulation. Denn ich sitze im Audi-Rettungssimulator und soeben hat mich Kai-Uwe Jochims, Instruktor der Audi driving experience, langsam auf den Kopf gedreht. Den Rettungssimulator gibt es seit über 25 Jahren bei der Audi driving experience. Dabei handelt es sich um einen an der Motorhaube und Kofferraum fixierten Audi A3, der mit Hilfe eines Elektromotors um die Längsachse gedreht werden kann.

Audi bietet Teilnehmern der Audi driving experience und Rettungskräften aus der Region den Simulator für Sicherheitstrainings an. Damit werden Situationen nach einem Unfall simuliert, bei dem das Auto mit seinen Insassen auf dem Kopf steht oder auf der Seite liegt. Bevor ich mich getraut habe, solch einen Kopfstand am eigenem Leib zu erfahren, hat mir Jochims einen Crashkurs in Sachen Sitzposition gegeben. Denn die kann im Falle einer brenzligen Verkehrssituation oder eines Unfalls den Insassen das Leben retten.

Die richtige Sitzposition

„Es ist enorm wichtig, sich richtig in das Auto zu setzen“, erklärt mir Jochims. „In einem ersten Schritt gilt es zu überprüfen, dass der Sitz nicht zu weit vom Lenkrad entfernt ist.“ Ansonsten sind die Beine bei einer Vollbremsung durchgestreckt, was es bei einer Notsituation unmöglich macht noch mehr Bremsdruck aufzubauen. Außerdem werden bei einem Unfall so die Kräfte über die gestreckten Beine ungedämpft in den Hüftbereich geleitet, was zu schwersten Beckenverletzungen führen kann.

Instruktor Kai-Uwe Jochims

Kai-Uwe Jochims ist Instruktor bei der Audi driving experience und gibt verschiedene Fahr- und Sicherheitstrainings.

 

Auch das Lenkrad darf nicht zu weit entfernt sein. Sind die Arme beim Lenken durchgestreckt, verliert der Fahrer die Möglichkeit sich im Sitz abzustützen, was ihm Halt gibt. Ohne diesen Halt bewegt sich der Fahrer beim Lenken. „Fixiert sich der Fahrer optimal, kann er sich sicher sein, dass jede Bewegung, die er durch die Frontschiebe sieht, die Bewegung des Fahrzeugs ist und präziser agieren.“ Wenn die Arme bei jeder Lenkbewegung noch mindestens leicht angewinkelt sind, selbst wenn die Füße vollen Druck auf die Pedale ausüben, ist der Abstand ideal.

 

Schließlich spielt das richtige Anlegen des Gurtes natürlich auch eine wichtige Rolle. Der Fahrer sollte den Gurt nochmal straff ziehen, damit er am Becken fest anliegt. Im Falle eines Crashes könnte es sonst zum „Submarine-Effekt“ kommen. Dabei rutscht der Fahrer durch den zu losen Beckengurt hindurch und es drohen schwere Verletzungen.

Der Selbstversuch im Rettungssimulator

Gewappnet mit diesem Wissen steige ich in den Audi A3 und starte den Selbstversuch. Die Türe schließt sich mit einem satten „Plopp“ und mir schwant Böses. Langsam dreht sich der Rettungssimulator und die Schwerkraft fordert ihren Tribut. Ich stehe komplett auf dem Kopf und muss mich aus dem Auto befreien. Jochims steht mir bei und unter seiner Anleitung kämpfe ich mich Schritt für Schritt wieder aus dem Wagen heraus.

 

Als erstes suche ich das Gurtschloss. Mit zittrigen Händen greife ich an den Gurt und fahre daran entlang, bis ich das Schloss erfasse. Meine andere Hand schützt den Kopf, denn es könnte sein, dass Glassplitter im Dach liegen. Meine Fußsohlen stemme ich gegen das Armaturenbrett, um mich in den Sitz zu drücken, sobald ich das Gurtschloss öffne. Sonst knalle ich mit dem Kopf gegen das Dach. „Jetzt öffnen Sie den Gurt“, sagt Jochims. „Und schreien Sie dabei ruhig wie ein Karatekämpfer, denn das setzt zusätzliche Energie frei. So bringen Sie genügend Kraft auf, um sich in den Sitz zu drücken.“ Ich schreie. Laut. Öffne dann den Gurt und rolle mich nach innen ab. Geschafft. Fast zumindest. Mit den Füßen voraus kämpfe ich mich durch das Seitenfenster aus dem Rettungssimulator. „Es ist wichtig das Fahrzeug zuerst mit den Füßen zu verlassen“, erklärt Jochims. „Sie wissen nicht, wie der Boden beschaffen ist. Wenn Sie mit den Händen voraus den Wagen verlassen, ist das Verletzungsrisiko höher.“

Die Fremdrettung

Nachdem die Eigenrettung geglückt ist, erklärt mir Jochims noch die Fremdrettung: „Wenn jemand über Kopf in einem Fahrzeug hängt, dann gibt es nur eine Möglichkeit: Wir müssen ihn so schnell wie möglich aus dem Auto holen.“ Denn eine Über-Kopf-Lage kann je nach persönlicher Verfassung schnell lebensbedrohlich werden. Eintreffende Sanitäter und Notärzte können auch erst dann helfen, wenn der Patient aus dieser Lage befreit ist. „In unseren Trainings zeigen wir den Leuten, wie sie ohne großen Kraftaufwand jemand aus dem Auto retten können“, sagt Jochims. Das möchte ich natürlich genauer erfahren und spiele das bewusstlose Versuchskaninchen.

 

Ich steige wieder in den Rettungssimulator und Jochims dreht mich, bis ich kopfüber stehe. Ich mime den Bewusstlosen und Jochims eilt zur Rettung. Er stemmt seine Schulter gegen meine Hüfte und schützt mit einer Hand meinen Kopf. Er übt leichten Druck auf meinen Hinterkopf aus, sodass sich mein Kinn auf die Brust senkt und öffnet den Gurt sobald er mich sicher auf seinen Schulter trägt und ich nicht mehr im Gurt hänge. Schließlich rollt er mich über seine Schulter behutsam in das Innere des Fahrzeugs ab.

Zum Abschluss gibt mir Jochims noch einen wichtigen Tipp mit auf den Weg: „Sollten Sie je in so eine Notsituation geraten, dann versuchen Sie Ruhe zu bewahren. Davon könnte Ihr Leben abhängen.“ Leichter gesagt als getan denke ich mir. Immerhin könnte das Fahrzeug Feuer fangen und explodieren. Doch Jochims hat mir den Gedanken wohl angesehen: „Und nicht jedes Auto explodiert sofort wie bei Alarm für Cobra 11. Das kommt sehr selten vor.“

Sie wollen auch einmal kopfüber im Gurt hängen und versuchen sich zu befreien? Dann buchen Sie eine individuelle Veranstaltung im Audi driving experience center (0841-89 32900) mit einem Lehrgang im Rettungssimulator.

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Audi A3
Kraftstoffverbrauch kombiniert in l/100 km: 7 – 3,2**;
CO2-Emission kombiniert in g/km: 162 – 85**;

**Angaben zu den Kraftstoffverbräuchen und CO2-Emissionen sowie Effizienzklassen bei Spannbreiten in Abhängigkeit vom verwendeten Reifen-/Rädersatz.


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