Kathrin Lettner
13.05.2016
Testfeld A9: Pilotiertes Fahren im Selbstversuch
Rendezvous mit Jack

Blog-Autorin Kathrin Lettner hat den Selbstversuch gewagt und ihre Sicherheit in die Hände von Jack gelegt – einem pilotiert fahrenden Audi A7. Wie es sich anfühlt, die Verantwortung komplett einem Auto zu überlassen und wie schnell man wirklich Vertrauen aufbauen kann, erzählt sie in einem Selbstversuch.

Blog Autorin Kathrin Lettner durfte Jack auf der Autobahn A9 Probefahren.

Blog Autorin Kathrin Lettner durfte Jack auf der Autobahn A9 Probe fahren.

 

Die Sonne gibt heute Morgen alles. Fast so, als würde sie sich ins Fäustchen lachen und sich denken: Tja, dein letztes Stündchen hat geschlagen, aber ich versüße dir deine letzten Minuten mit dem schönsten Wetter. Und tatsächlich. Mir ist unwohl. Seit Donnerstag weiß ich, dass ich heute den berühmten „Jack“ Probefahren darf. Pilotiert. Der Jack, der praktisch ohne menschliche Hilfe 2015 fast 885 Kilometer quer durch Kalifornien gefahren ist.

Und heute bin ich dran. Ich darf Platznehmen und mich von Jack über die Autobahn kutschieren lassen. Irgendwie bin ich froh, dass der Audi A7 einen Namen hat. Das macht das Ganze etwas persönlicher, vertrauter. Er ist nicht einfach ein Auto. Er ist Jack! Der, dem ich mein Leben in den Schoss beziehungsweise Autositz lege.

Speed-Dating mit dem pilotiert fahrenden Jack

Es ist kurz vor 13 Uhr als ich endlich mit Jack bekannt gemacht werde. Erstmal inspiziere ich ihn von außen. In der Sonne glänzt er im schicken Perlmuttweiß. Außer den Laserscannern vorne und hinten sieht er aus wie jeder andere Audi A7. Dann begutachte ich das Interieur. Auf den ersten Blick nur kleine Auffälligkeiten. Unterhalb des MMI-Bildschirms ist ein gesondertes Display, das die pilotierte Fahrzeit anzeigt. Auf den zweiten erkenne ich ein unscheinbares Leuchtband an der Scheibenwurzel.

Pilotiertes Fahren im Selbstversuch

Das extra kleine Display unter dem MMI zeigen alle Aktionen an, die Jack unter der Fahrt macht.

 

Markus Hoffmann, der für die Vorentwicklung autonomer Fahrzeuge verantwortlich ist, klärt mich vor Fahrtbeginn kurz über alle Charaktereigenschaften von Jack auf, die ihn von einem „normalen“ Audi A7 unterscheiden: Eigentlich sind es nur zwei Knöpfe am Lenkrad, die Jack befehlen, wann er pilotiert fahren soll und wann nicht. Bevor ich jedoch diese besonderen Tasten drücken darf, muss ich noch selber Hand anlegen. Jack fährt nämlich bisher nur auf der Autobahn pilotiert. „In der ersten Ausbaustufe ist es bisher nur möglich auf der Autobahn zu fahren, weil es im Gegensatz zum Stadtverkehr hier keinen Querverkehr, keine Radfahrer und Fußgänger gibt. Außerdem hat der Kunde auf eintönigen Autobahnstrecken den größten Nutzen“, sagt Hoffmann.

Mein erster Ausflug mit Jack auf dem Testfeld A9

Nun geht es los. Startknopf. Schalthebel auf D und ab die Post. Jack zeigt sich gleich mal von seiner besten Seite: Denn er hat 310 PS unter der Haube. Zügig geht es Richtung Autobahn. Ich bin aufgeregt. Aber voller Vorfreude.

Pilotiertes Fahren im Selbstversuch

Das Virtual Cockpit mit dem türkisen Leuchtband zeigen an, wann sich Jack im pilotierten Fahrmodus befindet.

 

Die Anzeige im virtuellen Cockpit zeigt mir genau, wie lange es noch dauert, bis ich auf der Autobahn bin und endlich den Piloten starten darf. Weniger als eine Minute. Das Schild Richtung Autobahnauffahrt kann ich schon sehen. Mein Puls steigt. Mir ist warm. Und ich will endlich diese Knöpfe drücken. 30 Sekunden. Nun bin ich schon auf dem Beschleunigungsstreifen. Zehn Sekunden. Mit Spannung erwarte ich das Angebot von Jack. Der Verkehr fließt und ich ordne mich in die mittlere Spur ein. Meine Daumen sind schon seit der Auffahrt bereit und jetzt ist es gleich soweit: Drei, zwei, eins – go!

Behutsam und etwas zittrig drücke ich die beiden Tasten im Lenkrad und gebe die Hoheit an Jack ab. Das Lenkrad fährt ein Stück zurück und ich lege die Hände in den Schoß. Auch meinen Fuß nehme ich locker vom Pedal, aber immer noch in Lauerstellung, falls ich doch auf die Bremse treten muss.

Pilotiertes Fahren im Selbstversuch

Mit der Bedienung der zwei extra Tasten am Lenkrad geht Jack in den pilotierten Fahrmodus.

 

Jack hat freie Fahrt und beschleunigt von selbst auf 130 km/h. Das ist seine vorgegebene Geschwindigkeit im aktuellen Versuchsstadium. Er macht das mit so viel Gefühl, als würde ich selbst fahren. Es dauert nicht lange, bis Jack vor die erste Probe gestellt wird: Ein Lkw zieht nach links auf meine Spur. Ich bin gespannt. Muss ich gleich eingreifen und abbremsen?

Mister Jack: ein Forschungsauto mit Sozialkompetenz

Ich bin skeptisch, doch Jack enttäuscht mich nicht. Ganz selbstverständlich blinkt er bei freier linker Spur und wechselt ganz geschmeidig und ohne Ruckeln auf die Überholspur. Und fährt weiter. Ganz normal. Und ich habe nichts gemacht.

Meine Blicke gehen von Spiegel zu Spiegel: Ich habe zwar keine Angst, bin aber allzeit bereit, falls doch etwas schief gehen sollte. Doch Jack kann das und überholt souverän den Lkw, setzt den Blinker rechts und schert wieder auf die mittlere Spur ein.

Faszinierend. Ich bin wirklich sprachlos. Eine Zeitlang genieße ich einfach dieses Gefühl der Macht, obwohl eigentlich Jack mit mir macht, was er will. Er präsentiert sich als sehr gleichmäßiger und umsichtiger Fahrer. Richtig sozialverträglich ist Jack mit seiner Umgebung. Er wechselt nicht einfach unüberlegt die Spur, sondern wartet bis er genug Platz hat. Er überholt nicht rechts und hält souverän Abstand. Auch das Tempolimit überschreitet er mit keinem km/h. Ein wahrer Gentleman Driver eben, dieser Jack.

Audi A7 piloted driving concept: ein echter Beschützer

Auf der Autobahn wird es derweilen voller. Aus der Gewohnheit heraus schaue ich immer wieder in die Außenspiegel, um den rückwärtigen Verkehr im Auge zu behalten. Aber Jack tut dies ganz augenscheinlich auch. Die nächsten Minuten vergehen wie im Flug. Jack fährt und ich unterhalte mich derweilen mit Markus Hoffmann. Er sitzt hinter mir und weil es einfach höflicher ist, seinem Gesprächspartner in die Augen zu sehen, drehe ich mich zu ihm um.

Pilotiertes Fahren im Selbstversuch

Höchstgeschwindigkeit für den Audi A7 piloted driving concept: 130 km/h

 

Minutenlang tausche ich mich mit dem Ingenieur über Jacks Qualitäten aus und vergesse dabei ganz, dass ich am Steuer eines Autos sitze. Und mit 130 km/h über die A9 sause. Es wird mir erst wieder klar, als mich einige der anderen Autofahrer verdutzt anstarren. Was macht denn die Blondine da? Verwunderte Gesichter. Ich winke voller Freude mit beiden Händen und gestikuliere, dass hier alles für mich gemacht wird. Wahnsinn. Jack wechselt dabei zuverlässig die Spur und ich beobachte es schon gar nicht mehr akribisch, sondern lasse es einfach geschehen. Erstaunlich, wie schnell ich ohne Bedenken die Verantwortung abgegeben und Vertrauen gefasst habe.

Ein Piepton und eine Sprachansage unterbrechen  die harmonische Zweisamkeit und informieren mich, dass ich in Kürze die Steuerung wieder übernehmen soll, denn wir verlassen nun die Autobahn. Wieder läuft ein Countdown. Das Lenkrad fährt langsam auf mich zu, das Leuchtband signalisiert mir das Ende der pilotierten Fahrzeit in knalligem orange. Ich mache mich bereit: Hände ans Lenkrad, Füße ans Pedal. Ich übernehme wieder die Kontrolle. Das war’s. Hoffentlich bis bald, liebster Jack!

Pilotiertes Fahren im Selbstversuch

Überholmanöver sind in der überarbeiteten Version des Audi A7 piloted driving concept noch natürlicher.

 

Lesen Sie, wie mrgoodlife und die tts-freunde ihre pilotierte Fahrt im Audi A7 piloted driving concept erlebt haben.

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Verbrauchsangaben Audi A7 Sportback: Kraftstoffverbrauch kombiniert in l/100 km: 9,5 – 4,5; CO2-Emission kombiniert in g/km: 221 – 118 Verbrauchsangaben und: // www.audi.de/DAT-Hinweis Angaben zu den Kraftstoffverbräuchen und CO2-Emissionen sowie Effizienzklassen bei Spannbreiten in Abhängigkeit vom verwendeten Reifen-/Rädersatz


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