Sascha Pallenberg
20.06.2016
Gastbeitrag: Audi beim 24-Stunden-Rennen
Le Mans 2016 – Ein Rennen für die Ewigkeit

Blogger Sascha Pallenberg war live dabei beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans. Für ihn war das Wochenende ein Rennen, das ihm auf ewig im Gedächtnis bleibt. Nicht nur wegen des dramatischen Finales, sondern auch wegens des Boxenstopps mit Allan McNish.

Le Mans 2016

Blogger Sascha Pallenberg beim Boxenstopp-Training.

 

Am vergangenen Wochenende stand für mich das wohl geschichtsträchtigste Motorsport-Ereignis des Jahres auf dem Kalender: Le Mans! Die einen nennen es eine rastlose Hatz rund um die Uhr oder gar ein Party-Wochenende der Güteklasse. Für mich ist es faktisch sowas wie der Jahresurlaub. Hier bin ich Mensch, hier will ich sein und nein, ich weiß nicht ob Goethe heute Motorsport-Anhänger wäre. Anzunehmen ist es jedoch. Zumal er ja dem Drama durchaus zugeneigt war.

Wir kennen das: Sobald ein sportliches Großereignis ansteht, werden wir millionenhaft zu Experten. Doch während sich geschätzte 60 Millionen Bundestrainer auf das nächste Deutschlandspiel bei der EM in Frankreich vorbereiteten, durfte ich meinen Anflug von Hochmut endlich einmal in die Waagschale werfen und zeigen, ob ich auch abliefern kann.

Boxenstopp-Workshop mit Allan McNish

Und zwar beim Boxenstopp! Einfach mal in diesem Moment kurz innehalten und sich selber fragen, wie oft schon Boxencrews das Ziel des eigenen Spotts waren? Selbstverständlich hab auch ich immer mal wieder die Hände über den Kopf zusammengeschlagen und mich über eine schlecht montierte Radmutter oder ein zu frühes „Go“ des Lollipop-Mannes aufgeregt. Aus der Couch-Perspektive traut man sich ja zu, einen derartigen Pitstop in weniger als fünf Sekunden zu absolvieren. Wohlgemerkt allein. Leider sieht das in der Realität sowas von anders aus und genau aus diesem Grund ging es für mich am Freitag zum Boxenstopp-Workshop mit Alan McNish.

 

Nach einigen Trainingsvideos und einigen Hinweisen von Alan McNish bildeten wir Teams. Ein „Boxenstopp-Teamchef“, zwei Runner, um die Radmutter zu lösen bzw. anzuziehen und vier Teammitglieder, um das neue Rad auf die Achsen zu packen. Ich möchte an dieser Stelle die Ereignisse ganz direkt und ehrlich zusammenfassen: Wir haben versagt. Kläglich. Die Uhr stoppte im zweiten Versuch bei ca. 75 Sekunden. Was für eine Schmach.

Hüllen wir am besten schnell den Mantel des Schweigens über diese Performance. Ich gelobe hiermit feierlich, dass ich mich nie wieder über einen verkorksten Boxenstopp echauffieren werde. Die Teams leisten eine großartige Arbeit, die nur durch intensives Training auf einem derartigen Niveau abrufbar ist.

Le Mans 2016: das dramatischste Rennen in der Geschichte des Langstreckenklassikers

Aber kommen wir endlich auf das Rennen zu sprechen, das als wohl dramatischstes in die Geschichte des Langstreckenklassikers eingehen wird.

Ich wiederhole es an dieser Stelle gerne noch einmal: Die 24 Stunden von Le Mans sind für mich wie Urlaub. Vielleicht habe ich auch deshalb schon am Renn-Samstag um Punkt 8 Uhr an die Audi Racing Arena geklopft. „Lasst mich rein, ich muss meinen Platz sichern!“ Es waren ja auch nur noch sieben Stunden bis zum Start.

Le Mans 2016

Die Audi Racing Arena in Le Mans.

 

Nachdem mir dann auch versichert wurde, dass ich wirklich der Erste bin, begab ich mich direkt auf den Balkon und suchte mir den besten Platz aus. Direkt an der Strecke und zwar kurz vor der Doppel-Schikane vor Start/Ziel. Die LMP1 bremsen hier mit mehr als 280 Kilometer pro Stunde an und man sitzt vielleicht 20 Meter von den Boliden entfernt. Rennsportherz was willst du mehr?

Pünktlicher Start hinter dem Safety Car

Gutes Wetter vielleicht, denn kurz vor 14 Uhr zogen Gewitterwolken auf und ein Regenguss breitete sich über die gesamte Strecke aus. Ich rechnete mit einer Startverzögerung. Aber um Punkt 15 Uhr setzte sich das 60 Boliden starke Feld in Bewegung. Wenn auch hinter dem Safety-Car. Und das war angesichts der Regenmenge auch die einzig richtige Entscheidung.

Le Mans 2016

Der heftige Regen erschwerte das Rennen erheblich.

 

Die beiden Porsche 919 sicherten sich die erste Startreihe, gefolgt von den zwei Toyotas und den beiden brandneuen Audi R18 aus Ingolstadt. André Lotterer arbeitete sich innerhalb kürzester Zeit von Platz 5 an die Spitze des Feldes. Alles schien nach Plan zu laufen, aber leider nur sehr sehr kurz. Schon zu Beginn der zweiten Stunde musste der Audi mit der Startnummer 7 außerplanmäßig an die Box. Sechs Runden lang wurde der Turbolader gewechselt. Ruhig, einstudiert und sehr pragmatisch. Dennoch, diese sechs Runden ließen die 7 recht aussichtlos ans Ende des Feldes zurückfallen.

Audi R18 erneut in die Box

Es war verhext, denn vier Stunden vor Rennende mussten am gleichen Audi R18 auch noch die vorderen Bremsschreiben gewechselt werden. Dabei handelte es sich um eine Sicherheitsmaßnahme, denn das Schwesterauto mit der Nummer 8, welches bis zum Sonntagvormittag immer Kontakt zur Spitzengruppe hielt, musste wegen einer defekten Bremsscheibe an die Box. Dies ließ den Rückstand auf die Spitze auf zwölf Runden anwachsen und mir wurde allmählich klar, dass Audi Motorsport mit seinen Audi R18 in diesem Jahr keine Siegchance mehr hat.

Le Mans 2016

Boxenstopp: Hier sitzt jeder Handgriff.

 

In dieser Liga spielten 2016 ganz klar die Toyota TS050 Hybrid, die durch ihren Reichweitenvorteil (Stints von 14 Runden), die extrem schnellen Porsche 919 (Stints von 13) immer so gerade hinter sich halten konnten. Bis drei Minuten vor Schluss.

Porsche gewinnt überraschend

Ich hatte es mir bereits in der Audi Racing Bar gegenüber der Boxengasse gemütlich gemacht und verfolgte auf den Monitoren, wie der mit 90 Sekunden Vorsprung führende Toyota mit der Nummer 5 plötzlich langsamer wurde. Klar, da will man auf ein Fotofinish hinarbeiten. Kennen wir doch. Nun, dann bleibt man aber nicht direkt vor uns auf der Zielgeraden stehen! Richtig: Kazuki Nakajima ging drei Minuten vor Schluss der Vortrieb seines Verbrennermotors flöten und der zutiefst geschockte Japaner humpelte mit Elektropower um die Strecke.

Die Gesichter in den Boxen sprachen Bände. Während die Japaner diesen Klassiker auch im 18. Anlauf nicht gewinnen konnten und den Sieg hollywoodreif in der letzten Runde durch die Finger gleiten ließen, brach bei Porsche unbändiger Jubel aus.

Aber insgesamt gab es bei der WEC-Gemeinschaft ganz offensichtlich mehr Mitgefühl für Toyota, als auch nur ansatzweise eine Form der Schadenfreude. „Wir wissen, dass Le Mans unbarmherzig ist, aber das was Toyota widerfahren ist, das ist einfach unglaublich“, sagte Dr. Wolfgang Ullrich.

Platz drei und vier für Audi

Porsche siegte, Toyota gewann die Herzen der mehr als 250.000 Zuschauer an der Strecke, Audi kam noch aufs Podium und in der LM GTE Pro feierte Ford, 50 Jahre nach dem ersten GT40 Sieg, wieder einen Erfolg.

Le Mans 2016

Der Audi R18: Für Pallenberg das technologisch wohl fortschrittlichste Auto im Feld.

 

Die 2016er Ausgabe des Langstreckenklassikers war etwas ganz besonderes. Wetterkapriolen, ein dramatisches Finish und eine ganz wichtige Erkenntnis im Hinblick auf den neuen Audi R18 Prototypen: Das technologisch wohl fortschrittlichste Auto im Feld konnte dieses Jahr noch nicht um den Sieg mitfahren, bietet aber eine hervorragende Basis für die Zukunft. Oder um es mit Obi Wan Kenobi aus Star Wars zu sagen: „Not the last of the old, Luke. But the first of the new“.

Ich freue mich aufs nächste Jahr!

Im Video sehen Sie eine kurze Zusammenfassung des 24-Stunden-Rennens 2016:


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