Verena Väth
29.06.2016
Youngtimer-Rallye: Baltic Sea Circle
Vier Ringe für ein Abenteuer

Audi-Ingenieur Steffen Conrad startete mit seinem 23 Jahre alten Audi 100 bei der Baltic Rallye, die ihn in 16 Tagen durch zehn Länder rund um die Ostsee führt. Blog-Autorin Verena Väth war beim Rallye-Treffen auf den Lofoten und stellte fest: Er ist nicht der einzige, dessen Herz für die Vier Ringe schlägt.

Youngtimer-Rallye: Baltic Sea Circle

Insgesamt 450 Teilnehmer starteten beim Baltic Sea Circle – die Audi-Präsenz war groß.

 

Wir sind im hohen Norden Norwegens, jenseits des Polarkreises. Hier geht im Sommer die Sonne nicht unter und im Winter tanzen die Polarlichter am Nachthimmel. Die bergige Inselgruppe der Lofoten zieht all diejenigen an, die mit rauem Wetter umgehen können, die die wilde Natur genießen möchten oder einen dicken Fisch angeln wollen. Kurzum: Auf den Lofoten lockt das Abenteuer. Kein Wunder, dass ausgerechnet hier das erste Team-Treffen der Baltic Rallye stattfindet. Gemeinsam Grillen, gemeinsam Feiern, Wikingerspiele und ein Mitternachtsbad im zehn Grad kalten Nordmeer schweißen die Rallye-Gemeinschaft zusammen, ehe es am nächsten Morgen in Richtung Nordkap weitergeht.

Kuriose Fahrzeuge bei der Baltic Sea Circle

191 Teams sind in diesem Jahr gestartet. Fast alle von ihnen fallen heute auf einem kleinen Campingplatz am nördlichen Ende der kleinsten Lofoten-Insel Gimsøy ein, teilweise mit äußerst kuriosen Fahrzeugen: Feuerwehrautos, Leichenwagen und ein zur Sauna umgebauter Wohnwagenanhänger treten die Strecke von 7.500 Kilometern ebenso an wie mehrere Zweiräder und Autos. Alle Fahrzeuge müssen mindestens zwanzig Jahre alt sein.

Youngtimer-Rallye: Baltic Sea Circle

Die „Offroad Runners“ Steffen Conrad und Stefan Kämpfer mit ihrem Audi 100 in der Bucht im Dörfchen Hov, in der das Rallye-Treffen stattfindet.

 

Audi-Ingenieur Steffen Conrad und sein Copilot Stefan Kämpfer starten mit einem Audi 100, der 1993 am Audi-Standort Neckarsulm vom Band gefahren ist. Für Conrad war klar: „Wenn ich da mitfahre, dann nur in einem Audi!“ Das Team „Offroad Runners“ – so nennen sich Conrad und Kämpfer – ist damit in guter Gesellschaft: Etwa zehn Teams fahren einen Audi, die meisten von ihnen aus purer Leidenschaft zur Marke.

Oscar, der Audi 80

Pure Leidenschaft zur Marke hat auch Patrick Holler. Der Kfz-Mechatroniker vom Audi Zentrum Frankfurt fährt bei der Rallye mit einem roten Audi 80 mit. „Vom Design dieses Modells bin ich einfach überzeugt“, sagt er. „Oscar“, wie Holler sein Auto nennt, bietet die Abenteuer-Ausstattung des Baujahres 1982: Annehmlichkeiten wie Servolenkung, Klimaanlage, ABS und UV-Schutzglas gibt es nicht. „Die engen Kurven hier werden zu einer richtigen Herausforderung“, sagt er. Trotzdem würde er seinen Audi 80 nicht mehr hergeben. „Den fahre ich so lange bis es nicht mehr geht. Es macht einfach Spaß, so ein historisches Kulturgut zu fahren“, sagt er. Wer ihm zuhört wartet eigentlich nur darauf, dass Holler seinen Oscar liebevoll über die Motorhaube streichelt.

 

Auch Johannes Stein ist Audi-Fan und fährt bei der Rallye mit einem Audi 100 mit. „Leider ist es kein echter quattro, deshalb habe ich es in dem Schriftzug durchgestrichen“, sagt Stein und grinst. Er hat sein Rallye-Auto aus erster Hand von seinem Nachbarn, der ihn eigentlich verschrotten wollte. Das konnte Stein nicht zulassen zumal der Audi 100 technisch gut erhalten ist und in den alten Farben von Audi Sport lackiert ist.„So einen guten Fünfzylinder-Motor wollte ich schon immer fahren. Deshalb hab ich ihn meinem Nachbarn abgekauft“, sagt Stein. 234.000 Kilometer hatte der Audi beim Rallye-Start auf dem Tacho. Bis jetzt fährt er absolut zuverlässig. Damit das so bleibt, hat Stein alle Teile ausgetauscht, die bei so einer Fahrt kaputtgehen könnten. „Ich habe mit diesem Auto einwandfrei den TÜV bekommen – beim schlimmsten Prüfer“, sagt er und lacht.

Ein Audi 100 namens Eddy

Laura Bialy und Korbinian Höning verlassen sich bei der Baltic Rallye ebenfalls auf einen Audi. Eine andere Marke kommt für die beiden überhaupt nicht infrage. Ihr „Eddy“, ein Audi 100 Avant Typ 44 wurde 1990 gefertigt und ist eines der letzten Modelle dieser Baureihe. Dass dieses Auto Eddy heißen muss, wussten sie einfach. „Wenn man ein Kind bekommt, ist das wahrscheinlich ähnlich“, sagt Bialy. Sie hat ihre Begeisterung für die Marke von ihrem Vater, der selbst nur Audi fährt. Abseits der Rallye-Pisten schwört sie selbst auf einen Audi A3. Für die Rallye hat das Team mit Querträgern ein Zelt auf die Dachreling montiert. So bleibt im Wageninneren viel Stauraum – und zwar mehr als vermutet: „Wir dachten beim Packen, wir bekommen das Auto nicht voll“, erzählt Bialy.

 

Rallyefahren heißt für alle Teilnehmer Spaß am Abenteuer und an der Gemeinschaft. Wenn sich die Teilnehmer auf der Straße begegnen, grüßen sie sich hupend. Wenn sie sich auf dem Campingplatz treffen, tauschen sie sich über ihre Erlebnisse aus. Wer mit Youngtimern unterwegs ist, ist mitunter auch auf die Hilfe der anderen Teilnehmer angewiesen. Deshalb haben die Audi-Fahrer sogar eine eigene WhatsApp-Gruppe, in der sie sich gegenseitig auf dem Stand halten und für spontane „Rettungseinsätze“ verabreden können.

Wenn weiterhin alles gut läuft, kommen die Teams am 3. Juli wieder in Hamburg an, nach rund 7.500 Kilometern. „Es können aber auch 9.000 werden“, sagt Audi-Mitarbeiter Steffen Conrad. „Je nachdem, wo wir langfahren.“ Das steht den Teams nämlich frei. Die einzigen Regeln während der Rallye: Autobahn, GPS und Navi verboten.

Youngtimer-Rallye: Baltic Sea Circle

Einsam auf den Lofoten: der Audi 100.

 

Die Baltic Rallye ist via live-tracking nachzuverfolgen.


2 Antworten auf Vier Ringe für ein Abenteuer

  1. Eddy 21.10.2016 um 13:54 #

    Ein richtig toller Artikel, mit tollen Bildern. Irgendwann mache ich mit meinem Audi auch bei einer Rallye mit! Das sieht mir nach ziemlich viel Spaß aus!

Reaktionen aus dem Netz (Trackbacks)

  1. Vier Ringe für ein Abenteuer - 29.06.2016

    […] Beitrag Vier Ringe für ein Abenteuer erschien zuerst auf Audi […]

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