11.07.2016
#MyAudiCares
Interview mit dem Entwickler des atmenden Audi

Ein Auto, das atmet? Gibt’s nicht. Gibt’s doch! Audi-Entwickler Mike Herbig hat einen Audi A1 zum Leben erweckt. Der Beginn des empathischen Autos? Blogger Michael André Ankermüller hat mit Herbig über die Hintergründe, Sinn und Unsinn der Konzeptstudie „The Living One“ gesprochen.

Der atmende Audi

Mike Herbig erklärt Blogger Michael André Ankermüller die Funktionsweise von Klara.

 

„Für mich ist ein Fahrzeug mehr ein lebendiges Wesen und zuverlässiger Freund, der aktiv an seiner Umwelt teilnimmt und auf sie reagiert“, lässt mich Mike Herbig wissen, als ich ihn frage, wie er eigentlich auf die Idee eines atmenden Autos gekommen ist. Deshalb trägt die Konzeptstudie auch einen Namen: Klara – the Living One.

Klara sieht auf den ersten Blick wie ein gewöhnlicher Audi A1 aus. Doch der Schein trügt. Bei genauerem Hinsehen stelle ich fest, dass der Wagen wirklich atmet. In regelmäßigen Abständen so scheint es, schnappt Klara nach Luft. Tief aus dem Bauch.

 

Ich traue meinen Augen nicht und nähere mich langsam dem Auto. Mike meint, dass Klara mich scheinbar mag. Normalerweise knurrt sie deutlich lauter. 16 Sensoren sind in der Außenhaut des Wagens verbaut, die Bewegungen und Interaktionen um das Auto herum wahrnehmen und den Audi A1 lebendig werden lassen.

Ich streichle langsam über die Motorhaube. Klara beginnt plötzlich zu schnurren wie eine schlafende Katze auf der Couch. Ich bin begeistert von „The Living One“. Grund genug für elf Fragen an Mike Herbig, dem Entwickler des „lebendigen“ Autos. Here we go!

Atmender Audi

16 Sensoren in der Außenhaut von Klara registrieren Bewegungen. So kann das Auto auf die Umwelt reagieren.

Emotional oder rational?

Emotional, wir sind emotionale Wesen.

Mensch oder Maschine?

Mensch. Er steht im Mittelpunkt.

Gegenwart oder Zukunft?

Zukunft. Nur wenn wir uns mit den Bedürfnissen von morgen beschäftigen, können wir Vorsprung schaffen.

Wie bist du überhaupt auf die Idee des „The Living One“ gekommen?

Ich wollte eine Übersetzung der Technikwelt in eine von Emotionen, Haptik und Akustik geprägte Welt schaffen. Zudem habe ich mich schon längere Zeit mit der Frage eines „lebendigen“ technischen Objektes beschäftigt. Und auch der Frage, wie man einen noch engeren Bezug zu seinem Auto aufbauen kann, der über den Kosenamen fürs eigene Auto hinausgeht. Schließlich ging es für uns sieben Entwickler auch darum, wie man zu seinem Auto ein engeres Vertrauenaufbauen kann.

Wie lange hast du an der Entwicklung des atmenden Audi „The Living One“ gearbeitet?

Wir haben 2012 mit einem kleinen Team von Entwicklern angefangen und das Projekt innerhalb eines Jahres fertiggestellt. The Living One ist aber keinesfalls seriennah, sondern eher ein Experiment und Musterbruch. Es hat schon fast etwas künstlerisches.

Technik, Naturwissenschaften und Kunst passen auf den ersten Blick eher weniger zusammen. Wie ist es dir in deiner Arbeit gelungen, diese Disziplinen zu vereinen?

Das Motto Kunst vs. Technik ist eine interessante Fragestellung. Ich denke die kreativ emotionale Annäherung an technische Themen und Inhalte bietet ein enormes Potential. So entstehen Neuerungen.

Der atmende Audi

Michael André Ankermüller und Mike Herbig diskutieren über die Zukunftsvision des empathischen Autos.

Gibt es bereits etwas Vergleichbares in der Automobilwelt oder ist Audi Pionier auf diesem Gebiet?

Soweit mir bekannt, ist The Living One weltweit einzigartig in seiner Art zu atmen, zu interagieren und akustisch präsent zu sein. Das Tolle an diesem Projekt war, dass wir große Freiheiten hatten. Das hat unsere Neugier und unseren Pioniergeist nochmal befeuert.

Wer ist eigentlich die Zielgruppe von „The Living One“? Braucht man ein fühlendes Auto überhaupt?

Ein empathisches Fahrzeug, das in uns Emotionen weckt und sich so vom Objekt hin zum persönlichen Begleiter entwickelt, ist mit Sicherheit in der Zukunft ein möglicher Ansatz, um Vertrauen zu schaffen. Vor allem beim autonomen Fahren ist Vertrauen in das Auto unheimlich wichtig.

Der atmende Audi

Ein Konzept für die Zukunft: Klara schafft Vertrauen – eine Grundvoraussetzung für das autonome Fahren.

Bisher war der große Unterschied zwischen Mensch und Maschine, dass wir Menschen Emotionen zeigen und fühlen können. Was könnte passieren, wenn Maschinen für uns das Fühlen übernehmen?

Hier sehe ich eine klare Trennung. Technik wird sich vielleicht unserem Denken in Bezug auf Emotionen annähern oder unsere Reaktionen voraussehen können, aber nicht unser Fühlen übernehmen können. So sollten wir den Fokus eher auf eine Angleichung der Technik an unsere Erwartungen richten.

Wie geht das Projekt Klara weiter?

Klara hat einige interessante Ideen hervorgebracht, an denen wir in der Entwicklung angeknüpft haben und sogar für die Serienentwicklung isn Auge gefasst haben.


2 Antworten auf Interview mit dem Entwickler des atmenden Audi

  1. UbIx 17.07.2016 um 12:23 #

    Tolle Idee, ein Auto einfach mal nur emotional wirken zu lassen. Das atmen muss jetzt nicht unbedingt sein, aber reaktion auf Annäherung via Licht und Sound reicht meist ja schon. Brumen und knurren könnten auch mach aggressiv fahrende leute beeinflussen und so der Verkehrssicherheit dienen.

    PS: warum müssen die Daten europäischer Nutzer unbedingt in die USA? Insbesondere nach dem Abschluss des save harber abkommen, sehe ich das sehr kritisch. Und beim Kauf meines nächsten Autos wird die Möglichkeit Trotz abschalten der Datenweitergabe Komfortdienste nutzen zu können eine wichtige Rolle spielen!

Reaktionen aus dem Netz (Trackbacks)

  1. Audi Fit Driver: Highway to Health - 16.01.2017

    […] des Fahrers und erhöht zugleich die Sicherheit im Straßenverkehr – ganz im Sinne von „My Audi cares for me“. Eines steht für Audi bei der Entwicklung des Systems aber stets im Vordergrund: Der Fahrer ist […]

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